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Auch Fische haben Stoffwechseltricks parat: Überleben ohne Sauerstoff

Eine mit den Karpfen verwandte Fischart kann selbst bei extremem Sauerstoffmangel mehrere Tage überleben. Das Herz der Karauschen schlage trotz der widrigen Bedingungen weitgehend normal, berichten kanadische und norwegische Forscher im Wissenschaftsmagazin Science. Ohne Sauerstoff sterben die meisten Wirbeltiere innerhalb weniger Minuten an Herzversagen. Zwar können einige Süßwasserschildkröten sogar mehrere Monate ohne Sauerstoff auskommen. Allerdings drosseln die Tiere dann ihren Stoffwechsel und ihre Herzschlagrate um etwa neunzig Prozent. Ein sonderlich aktives Leben ist ihnen unter diesen Bedingungen nicht möglich. Auch der Karpfen fährt seinen Stoffwechsel auf Sparflamme, wenn der Sauerstoff knapp wird. Allerdings überlebt er trotz dieser Strategie nur etwa einen Tag.Ganz anders die Karauschen: Fünf Tage lang ließen die Forscher um Jonathan Stecyk von der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby die Tiere in acht Grad Celsius kaltem, sauerstoffarmem Wasser schwimmen. Dabei maßen sie unter anderem die Herzschlagrate und den Blutdruck der Fische. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hätte deren Herz-Kreislauf-System weitgehend normal gearbeitet, schreiben die Forscher.Für die Karauschen hat das mehrere Vorteile. Zum einen kann über das Blut rasch Zucker aus einem Depot in der Leber in alle Gewebe transportiert werden, die Energie benötigen. So bleiben die Tiere aktiv. Zum anderen entgiftet ein gleich bleibender Blutkreislauf ihren Körper. Unter anderem müssen die Fische nämlich Milchsäure loswerden - eine Substanz, die sie bei Sauerstoffmangel produzieren. Karauschen wandeln die Milchsäure in Alkohol um, der ebenfalls über das Blut zu den Kiemen transportiert und dort ausgeschieden wird. Derartige Stoffwechseltricks helfen den Fischen offenbar, den skandinavischen Winter unter der Eisdecke flacher Tümpel zu überleben. (kv.)Science, Bd. 306, S. 77



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