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Ausbau-Konzept als Buch: Die Straßenbahn soll wieder bis zum Zoo fahren

Zwei angehende Stadt- und Regionalplaner schlagen vor, das Streckennetz der Berliner Straßenbahn bis 2038 von zurzeit 187,7 Kilometer auf fast 517 Kilometer auszudehnen. Technisch und finanziell sei es problemlos möglich, jährlich neun bis zehn Kilometer zu bauen. Der Titel ihres 192-seitigen Buches, das der Jaron Verlag Berlin am Dienstag vorstellte, ist Programm: "Straßenbahn für ganz Berlin". "Schon bald sollte es ganz selbstverständlich sein, dass man mit der Straßenbahn vom Schlossplatz zum Zoo, von Spandau nach Charlottenburg, von Moabit nach Kreuzberg oder von Mitte nach Schöneberg fahren kann", sagten die Autoren Holger Orb und Tilo Schütz. Probleme für den übrigen Straßenverkehr sehen die Studenten der Technischen Universität nicht: "Die Kapazität der Straßen für den Autoverkehr würde sich kaum verringern."In Plänen skizzieren die Autoren, wie die Gleise in das Stadtbild eingepasst werden könnten - als "Planungshilfe" für die Baustadträte, die das Buch nun per Post erhalten. "Die Straßenbahn ist das ideale Verkehrsmittel für Fahrten zwischen zwei und sechs Kilometer Länge", sagte Schütz. Ihr Bau sei billig: Ein Kilometer koste im Durchschnitt 25 Millionen Mark, eine U-Bahn sei rund zwölfmal teurer. Der Bund zahle einen Großteil der Baukosten. Der Betrieb sei wirtschaftlich: Jeder zurückgelegte Kilometer kostet rund sieben Mark, sagte Matthias Gibtner vom Fahrgastverband IGEB. "Der Bus ist billiger, aber er fasst nicht so viele Menschen." Eine Tram sei bei modernen Ampelschaltungen auch schneller als der Bus - dies erhöhe ebenfalls die Attraktivität und damit die Nachfrage. Schütz: "Wo immer ein Straßenbahn-Netz ausgebaut wurde, stieg die Fahrgastzahl." Seitdem auf der Seestraße im Wedding wieder Züge fahren, habe sich diese Zahl dort verdoppelt - auf 30 000 täglich. Zuwächse um mindestens 30 Prozent seien auf der Heer- und der Kantstraße, der Sonnenallee und dem Mehringdamm, der Potsdamer, der Haupt- und der Schlossstraße zu erwarten, wenn Züge die oft überfüllten Busse ablösen. Weil Buslinien entfallen, könnte auf 6,3 Prozent des Fahrpersonals verzichtet werden. Martin Schlegel (Bund für Umwelt und Naturschutz) will das neue Buch in die Debatte um den Stadtentwicklungsplan Verkehr einbringen. Er hofft, dass die Ideen "in der Verwaltung hängen bleiben". (pn.)