16.09.2011

Gesundheitswirtschaft: Ein Berufsfeld zwischen Wachstum und Sparzwang

Pik: Immer mehr wollen und müssen persönlich betreut werden, aber es steht nicht ausreichend Personal zur Verfügung.
Pik: Immer mehr wollen und müssen persönlich betreut werden, aber es steht nicht ausreichend Personal zur Verfügung.
Foto: dpa

Das Gesundheitswesen in Deutschland ist mit rund 4,3 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von mehr als 220 Milliarden Euro ein riesiger Wirtschaftszweig. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Bedarf an Dienstleistungen im Bereich Gesundheit und Pflege weiter steigen. Die Deregulierungen im Bereich der Krankenversicherungen bringen Veränderungen einzelner Arbeitsplätze mit sich, bieten aber auch hervorragende berufliche Chancen.

Das Statistische Bundesamt unterscheidet in seinen Studien zum Gesundheitspersonal zwischen Gesundheitsdienstberufen, wozu Ärzte, Apotheker, Physiotherapeuten, Hebammen und Diätassistenten zählen, sozialen Berufen wie Altenpfleger, Gesundheitshandwerkern wie Augenoptiker oder Zahntechniker sowie sonstigen Gesundheitsfachberufen wie Ingenieure der Medizintechnik.

Aber auch andere Berufsgruppen lassen sich in der Branche finden. Allein die Techniker Krankenkasse hat, so der Leiter des Personalmarketings Thomas Dorn, nicht nur Bedarf an Sozialversicherungsfachangestellten, Kaufleuten im Gesundheitswesen oder Gesundheitsökonomen, sondern auch an Informatikern, Juristen, Geisteswissenschaftlern und Wirtschaftswissenschaftlern.

Zunahme des Gesundheitsbewusstseins

Für die Zukunft sind die Prognosen weiterhin positiv. „Die Gesundheitswirtschaft ist eine der ganz wenigen Wachstumsbranchen", ist Prof. Heinz Lohmann, Vorsitzender der Initiative Gesundheitswirtschaft (IGW) überzeugt. Auch Prof. Dr. Beate Blättner, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Public Health, ist optimistisch, was die Arbeitsmarktaussichten angeht: „Insgesamt wird der Anteil der Beschäftigten in der Gesundheitsbranche weiter deutlich steigen", sagt sie. Die Gründe für das Wachstum der Branche liegen auf der Hand: Es gibt immer mehr ältere Menschen, die potenziell krank oder pflegebedürftig sind. Hinzu kommt „der medizinische Fortschritt, eine Zunahme des Gesundheitsbewusstseins und eine größere Bereitschaft der Bevölkerung, eigenes Geld für ihre Gesundheit zu investieren", sagt Professor Lohmann. Das hat zur Folge, dass beispielsweise der Wellness- und Gesundheitstourismus an Bedeutung gewinnt.

Mangel an Fachpersonal

Bei den Kliniken sieht es anders aus: An der Universitätsklinik Bonn beispielsweise steigt die Zahl der Patienten mit schweren und chronischen Krankheiten. „Wir haben daher einen großen Mangel an Fachpersonal wie Fachärzte, Intensivpflegekräfte oder auch Medizinisch-technischen Radiologieassistenten", berichtet die Personalleiterin der Uniklinik, Michaela Klages.

Für den künftigen Personalbedarf ergeben sich entsprechend neue Herausforderungen, wie Michaela Klages weiß: „Der wirtschaftliche Druck wächst und damit werden für uns Kompetenzen in der Abrechnung, dem Controlling und im Management wichtiger, sprich wir benötigen mehr Medizinische Dokumentare und betriebswirtschaftliches Know-how." Die Kliniken stehen also vor dem Dilemma, mehr Mitarbeiter zu benötigen und gleichzeitig sparen zu müssen. (djd)

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