28.12.2011

Aka Aka DJ-Team: Und danach richtig glücklich umfallen

„Hallo, wir sind’s.“ – Hannes (l.) und  Holger vom Aka Aka-DJ-Team freuen sich über jeden Abend in Berlin.
„Hallo, wir sind’s.“ – Hannes (l.) und Holger vom Aka Aka-DJ-Team freuen sich über jeden Abend in Berlin.
Foto: D. Feistenauer
Berlin –  

Hannes vom DJ-Team Aka Aka über die Silvesternacht, das Clubjahr 2011 und wie man ein 24-Stunden-Set leben übersteht

Hannes, ist Silvester wirklich die Nacht der Nächte?
Für uns als DJs ist es das auf jeden Fall, ich glaube in keiner anderen Nacht wird in Berlin so viel geboten. Wir hatten die vergangenen Jahre immer drei richtig gute Partys in der Silvesternacht und jeder Gig hätte von der Stimmung her schon für sich einen ganzen Abend gefüllt. Das passiert alles so komprimiert, dass man danach richtig glücklich umfällt.

Und ein Silvester ohne Auflegen?
Da würde ich vermutlich zuhause bleiben. Als Gast wäre mir das einfach zu voll, mit dem ganzen Rumgeschiebe und Gedrängel kann ich nicht so viel anfangen. Dann ist es auch schwierig, sich mit Leuten zu verabreden, weil das Handy-Netz dauernd zusammenbricht, die U-Bahnen sind überfüllt. Hinter dem DJ-Pult macht es aber richtig Spaß!

Wie organisiert ihr die Nacht?
Wir stoßen um Mitternacht im Umspannwerk Alexanderplatz (früher Dice-Club) an, wo wir dann zwei Stunden auflegen. Um vier geht es in die Maria und danach spielen wir um sechs Uhr in der Alten Münze.

Ihr tretet dabei auch als Live-Act mit dem Trompeter Thalstroem auf. Wie lange braucht ihr, um eure Technik aufzubauen?
20 bis 30 Minuten. Da entsteht natürlich auch Stress, wenn man innerhalb von sieben Stunden an drei verschiedenen Orten spielt und das Equipment auf- und abbauen muss. Dann ist es richtig schwer, ein Taxi zu bekommen, man muss sich vor Ort bis zum DJ-Pult durchschlagen – bisher haben wir das aber immer hingekriegt.

Und nach dem letzten Set geht es ins Bett oder zum Neujahrsfrühstück?
Wir sind um sieben Uhr fertig und werden versuchen um acht Uhr im Bett zu sein, weil zwölf Stunden später unser Flug nach Frankfurt geht, wo wir im Club U60311 ab Sonntag Mitternacht ein 24-Stunden-Set spielen.

Gab es denn 2011 so viel gute Musik, die für so ein langes Set ausreicht?
Ja, allein mit den Tracks, die wir dieses Jahr von anderen Künstlern gekauft haben, kriegen wir die 24 Stunden locker voll.

Was waren 2011 die wichtigsten Trends?
Mir ist aufgefallen, dass wieder mehr vocal-lastige Sachen gespielt wurden. Zum Beispiel gab es einen richtigen Hype um den Track „Envision“ von Osunlade (Âme-Remix), in dem es lange Vocal-Strecken gibt. Uns gefällt das auch sehr gut, wir selbst haben zum Beispiel mit Thalstroem und der Sängerin Betty Lenard das Stück „Afterglow“ aufgenommen …

… oder auch einen Song mit dem albernen Refrain „Ich und du und Susanne und Klaus und Dieter gehen tanzen“, der äußert erfolgreich war.
Ja, das war eingängig, pop-affin – 2011 wurde so was wieder möglich. Es war lange Zeit verpönt, Vocals in dieser Form einzusetzen, vor vier, fünf Jahren war alles noch minimalistischer, puristischer. Jetzt gibt es mehr flächige Akkorde und mehr Wärme in den Tracks, da passt Gesang auch wieder besser rein.

Ihr habt dieses Jahr euer Debütalbum „Varieté“ veröffentlicht. Ist es für eine erfolgreiche DJ-Karriere heute eigentlich notwendig, auch eigene Musik zu produzieren?
Definitiv. Es gibt nur etwa eine Hand voll DJs, die es geschafft haben, ohne Eigenproduktionen erfolgreich zu werden. Die meisten davon haben allerdings schon vor der Jahrtausendwende aufgelegt, und auch die haben inzwischen angefangen zu produzieren.

Warum ist das so?
Es ist unheimlich schwer, sich als DJ langfristig einen Namen zu machen. Es kann sein, dass man mal durch ein paar Gigs einen Hype auslöst, aber langfristig ist es auf diese Weise schwer, den Leuten im Gedächtnis zu bleiben. Wenn dagegen die eigenen Tracks von anderen DJs gespielt und verbreitet werden, ist das schon eher möglich.

Ihr seid mit Aka Aka quer durch Deutschland unterwegs. Was unterscheidet die Partys in Berlin von denen im Rest der Republik?
In den anderen Städten spielen wir in der Regel zwischen ein Uhr und vier Uhr, in Berlin kannst du aber teilweise auch erst um sieben Uhr spielen und die Stimmung ist am besten. Besonders in der Maria ist es um diese Uhrzeit immer sehr euphorisch gewesen.

Wie unterscheidet sich das Publikum?
Die Berliner sind auf jeden Fall am Puls der Zeit, die haben die größte Auswahl an Clubs und DJs, dadurch können wir das, was wir gerade neu produziert haben, in Berlin am besten testen. Da heißt es dann: Top oder Flop. „Woody Woodpacker“ haben wir zum Beispiel erst im Tape Club und dann im Golden Gate getestet und in beiden Läden war das der beste Track des Abends, die Leute sind total durchgedreht. In anderen Städten hätte das Stück wohl eher zu kritischen Blicken geführt und manch einer hätte sich gefragt: Was soll ich jetzt damit anfangen? Berlin ist für uns immer ein richtiges Heimspiel, seit wir hier auftreten haben wir keinen schlechten Abend gehabt.

Wie beurteilst du die momentane Clubsituation in Berlin? Mit dem Icon und der Maria schließen zum Jahresende zwei wichtige Clubs …
Ich glaube, es wird sich aus dem Stadtkern verlagern. Man sieht das ja am Prenzlauer Berg: Dort sind in den letzten Jahren etwas betuchtere Leute hingezogen und die wollen halt keinen Club um die Ecke haben. Die wollen zwar in einer spannenden Stadt leben, tun aber alles dafür, damit das Clubleben aus dem Stadtkern rauswandert. Die Frage ist nur: Wenn man dann irgendwann in Köpenick gelandet ist, ob die Köpenicker es so toll finden, wenn man dort einen Club aufmacht?

Welcher Bezirk könnte denn als nächstes Ausweichgebiet infrage kommen?
Lichtenberg könnte ich mir vorstellen, da passiert gerade einiges.

Das Interview führte Jakob Buhre.

Silvester-Partys mit Aka Aka

1. Umspannwerk Alexanderplatz (Voltairestr. 5)
2. Maria / ADS (An der Schillingbrücke)
3. Alte Münze (Molkenmarkt 2)

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