22.02.2012

Dapayk & Padberg: Das Model und der DJ

Von Anne Lena Mösken
Eher Ostseestrand als neblige Tanzfläche: Eva Padberg und Niklas Worgt in Prenzlauer Berg.
Eher Ostseestrand als neblige Tanzfläche: Eva Padberg und Niklas Worgt in Prenzlauer Berg.
Foto: Paulus Ponizak
Berlin –  

Das Ehepaar Eva Padberg/Niklas Worgt haben nach fünf Jahren ein neues, eher experimentelles Album vorgelegt. Sie empfinden es als Befreiung .

Dieses Mal soll alles ein bisschen anders werden, nicht so wie vor fünf Jahren, als Dapayk & Padberg ihr jüngstes Album veröffentlichten und danach zu den Auftritten in den Clubs so viele Leute kamen, die nur „Eva Padberg gucken“ wollten, die die Musik gar nicht verstanden und dann während des Konzerts nur Fotos mit dem Handy machten.

Es war eine Befreiung, sagen Eva Padberg und Niklas Worgt alias Dapayk, als sie entschieden, dieses Mal nicht live aufzutreten mit ihrer Musik. Ihr neues Album sei deshalb „experimenteller“ geworden. Niklas Worgt konnte spielerischer mit der Stimme seiner Frau umgehen, sie zerschnipseln und wieder zusammensetzen; sie auch mal so leise drehen, dass nur noch ein Hauchen übrigblieb, weil es nicht mehr wichtig war, dass die Musik „rummst“. Viele leise Songs sind auf diesem Album, das „Sweet Nothings“ heißt. Der Rest ist clubbig, klingt mal nach Peaktime, mal nach Afterhour, dubbig, housig, trippig. Niklas Worgt wird das in seinen Livesets spielen wie vorige Woche im Watergate, und in den nächsten Monaten in Clubs in Frankfurt, Hamburg, Warschau.

„Wir wollten in einer Nische bleiben“, sagt Niklas Worgt, „wir fühlen uns ganz wohl im Underground.“ Die beiden sitzen im hinteren Teil eines Cafés am Rande des Winskiez, den die vierspurige Prenzlauer Allee mit ihren Tramschienen in der Mitte vom Kinderwagengedränge um den Kollwitzplatz herum abschneidet. Hier ist Prenzlauer Berg noch ein bisschen so, wie es mal war, unaufgeregt. Eva Padberg, 32, und Niklas Worgt, 34 mögen das. Sie wohnen nicht weit von dem Café entfernt.
Es ist nicht so einfach, wenn ein Musiker Musik mit einem Model macht. Der erste Gedanke gilt dem Klischee, den fiepsigen Gesangversuchen einer Heidi Klum zum Beispiel. Man denkt daran, dass Eva Padberg gerade eine neue Show auf Vox moderiert und dass es nicht ganz zufällig sein wird, dass das Album jetzt erscheint.

Aber so ganz wollen Eva Padberg und Niklas Worgt nicht in dieses Klischee passen. Sie sagt, die Sendung sei kurzfristig voriges Jahr entstanden, an dem Album aber arbeiten sie seit zwei Jahren. Außerdem haben sie schon zusammen Musik gemacht, als sie noch in der thüringischen Provinz zur Schule gingen, Eva Padberg arbeitete bereits als Model, reiste viel, sprach gut Englisch – Niklas Worgt machte bereits Elektro, brauchte sie immer wieder für kurze englische Gesangsstücke.

Im Café sitzt Eva Padberg in Strickjacke und schweren Boots auf einem Sofa, sie ist fast ungeschminkt, ihr Haargummi hat sie auf das schmale Handgelenk geschoben. Niklas Worgt trägt einen rotblonden Vollbart. Man könnte sich die beiden eher mit Hund an einem Ostseestrand vorstellen, als auf einer nebeligen Tanzfläche.

Sie gehen tatsächlich nicht mehr viel aus, hin und wieder ins Weekend, mal ins Kater Holzig, auch mal in die Panorama-Bar. Dabei hatte Eva Padberg, als sie mit 20 erstmals in Berlin ausging, das Gefühl, angekommen zu sein. „Niemand schien hier je schlafen zu gehen“, schrieb sie in ihrer Autobiografie, „ich hatte stundenlang getanzt, coole Leute kennen gelernt. Ich hatte mein neues Zuhause gefunden.“

„Berlin ist Arbeitsplatz“, sagt Niklas Worgt heute. Und weil das Album mit Eva kein Job war, entstand es auch nicht in Berlin. Sie machen ihre Musik am liebsten, wo es kein Internet gibt, keinen Handyempfang. Niklas Worgt baut dann Loops und Eva Padberg schaut aus dem Fenster, sieht das Sonnenlicht durch die Blätter der Bäume fallen, und schreibt ein paar Textzeilen. Die Songs entstanden mal am Strand von Bali, mal in einer Skihütte in Österreich. Und doch ist „Sweet Nothings“ eine Platte geworden, die sehr typisch für den Berliner Clubsound ist. Das mag daran liegen, dass es nicht auf Worgts Experimental-Label Mo's Ferry erschien, sondern auf Stil Vor Talent von Oliver Koletzki, einem Freund der beiden. So sind Dapayk & Padberg noch immer in Berlin zu Hause, vielleicht auch, weil es in dieser Stadt niemanden so richtig interessiert, ob die Stimme in einem Clubtrack nun von einem berühmten Model stammt.

Dapayk & Padberg: „Sweet Nothings“, nächstes Live-Set von Niklas Worgt am 7. April im Tresor.

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