30.11.2011

Kreuzberg: Adel verpflichtet

Von Fritz E. Schaap
Trinken in Schwimmbadatmosphäre - Das Prince Charles will in vieler Hinsicht kein herkömmlicher Club sein.
Trinken in Schwimmbadatmosphäre - Das Prince Charles will in vieler Hinsicht kein herkömmlicher Club sein.
Foto: Christian Schulz
Berlin –  

Mit dem Prince Charles hat der Moritzplatz wieder eine Zukunft als Ausgehort bekommen.

Jahrzehntelang war die Hauptattraktion des Moritzplatz ein Grenzübergang, der in die Plattenbauschlucht Heinrich-Heine-Straße führte. Nachdem die dazugehörige Mauer fiel, versank der Platz in der Bedeutungslosigkeit. Eine Kneipe namens Zum kleinen Mohr, war lange der einzige Grund weswegen sich Nicht-Ortsansässige, zumeist älteren Jahrgangs und mit einer starken Vorliebe für preiswerte Klare, an den Platz verirrten. Irgendwann kam das Motel One – was dem Platz aber auch nicht mehr Charme verlieh – und schließlich versuchte der Prinzessinnengarten den Platz zumindest im Sommer aus seinem Dornröschenschlaf zu küssen. Nun endlich, nach all den leeren Jahren, wird der Platz geadelt.

Im Keller des neuen Aufbau-Hauses eröffnete im Herbst ein Club mit dem klangvollen Namen Prince Charles. Eine Rampe hinunter, neben dem tak-Theater, vor nackten Sichtbetonwänden liegt der einzige Teil, der vom alten Bechsteinhaus – das hier bis vor kurzem stand – übrigblieb: das Schwimmbad, das der Klavierhersteller Bechstein einst für seine Angestellten bauen ließ. Nicolas Mönch, Quirin Schwank und Wolfgang Farkas sahen dieses Schwimmbad erstmals im Mai, und allen war klar: „Wir wären schön dämlich, wenn wir hier nichts machen.“

Prince Charles

Die Bar mit Drinks wie Prince Charles oder Lady Di ist mittwochs bis sonnabends ab 20 Uhr geöffnet. An diesem Sonnabend ist ab 23 Uhr Party. Nach einem Live-Auftritt des südafrikanischen Sub-Pop-Künstlers Spoek Mathambo steigt anschließend die Premiere der Partyreihe Ambivalent Skateboard Fraternity. Mit dabei untere anderem lokale Helden wie Rampa oder Marius Krickow.

Und sie machten. In den blaugekachelten Pool legten sie alte Holzdielen und bauten darauf eine Bar von schlichter, schöner Ästhetik. Ein gelbes, hölzernes U legt sich auf Kniehöhe um den Pool, im Becken steht in schwarz wie eine Insel die Bar. Von unten beleuchtet durch die alten Überflussrinnen. „Wir wollten eine Rundbar wie es sie in den 70ern in Hotelbars gab“, erzählt Quirin während er vor einer alten Holzlamellen-Tür neben der Bar sitzt.
Es sind dann auch die kleinen Details im Prince Charles, die einen immer wieder erfreuen. Die kleinen, alten Schlüssellöcher der Holzlamellentüren der alten Sauna, die nun als eine Art Trennwand zwischen Bar und Tanzfläche fungieren. Die goldenen Türangeln, die Abflusssiebe in den Ablaufrinnen des Pools. „Wir wollten hier keinen neuen Raum schaffen“, erzählt Quirin, der bisher in München für kulturelle Zwischennutzungsprojekte wie das Puerto Giesing und das Art Babel verantwortlich war. „Wir wollen den Industriecharme des Raumes, der durch die Rohre die hier verlaufen und durch den Sichtbeton, entsteht, mit alten Materialen paaren.“

Gewisser Standard

Nur einen Club schaffen, wollte man aber auch nicht, wie Nicolas Mönch in einem Café in Mitte erzählt. Eigentlich ist er für die Veranstaltungsplanung des Vice-Magazins zuständig, und Zeit ist gerade Mangelware. Die Idee, erzählt er, war einen Raum zu schaffen, der der aktuellen Entwicklung entgegenwirkt, immer später erst auszugehen. „Berlin ist nicht nur die Afterhour, nicht nur die Party, die um 2 Uhr erst anfängt.“ Natürlich ist das Prince Charles am Wochenende vorrangig Club, aber: „Wir wollten etwas machen das früher anfängt, etwas, das einen gewissen Standard hat.“

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