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Ausländische Rentner, die ihren Ruhesitz in Thailand nehmen möchten, treffen nicht selten auf betrügerische Geschäftsleute: Mafia am Traumstrand

HUA HIN. Die Kugelschreiber liegen bereit, die Notizbücher sind aufgeschlagen. Aber der Polizeioffizier, der seinen Namen nicht nennt, wird erst einmal ziemlich deutlich gegenüber den Ausländern, die im Versammlungssaal des Roten Kreuzes im thailändischen Badeort Hua Hin um ihn herum sitzen. "Es gibt hier keine Mafia!", sagt der Polizist mit energischer Stimme und ärgerlich gerunzelter Stirn. In der kleinen Stadt am Golf von Thailand, etwa 200 Kilometer südlich von Bangkok, steht schließlich der Palast, in dem König Bhumiphol die meiste Zeit verbringt. Folgerichtig muss in Hua Hin auch alles mit rechten Dingen zugehen.Die Ausländer, die zum Haus des Roten Kreuzes gekommen sind, haben einen anderen Eindruck. Ein niederländischer Zahnarzt, der sich vor ein paar Monaten zur Ruhe gesetzt hat, erzählt: "Wir haben weder einen Besitztitel noch einen Landtitel. Aber unser Geld sind wir los." Hereingelegt fühlen sie sich von einem Landsmann. Eine Britin klagt: "Ich habe mich geweigert, weitere Raten zu zahlen, weil der Hausbauer seinen Vertrag nicht erfüllt. Jetzt will er mich rauswerfen."Der Niederländer und die Britin waren, wie viele andere ältere Ausländer, nach Hua Hin gekommen, um sich einen Traum zu erfüllen: Ruhestand am Tropenstrand. Doch statt paradiesischer Zustände trafen sie auf halbseidene Geschäftemacher - ebenfalls Ausländer, keine Thais -, die mit Versprechungen von "luftigen Villen im Bali-Stil", bunten Prospekten und jeder Menge Ausreden operieren.Rohe Mauern statt einer Villa"Hätte ich früher verstanden, wie es hier zugeht, wäre ich nie nach Hua Hin gekommen", sagt der pensionierte US-Universitätsprofessor Donald Whiting, der gemeinsam mit seiner Ehefrau ein Anwesen auf Hawaii verkaufte und nach Hua Hin zog. Jetzt befindet sich der 62-Jährige auf einer Art Kreuzzug, um andere gutgläubige Käufer zu warnen - und Unternehmern wie George Mastronikolis das Leben schwer zu machen, von dem er sich hereingelegt fühlt. "Wenn ich vor Gericht gehe, dauert das hier in Thailand unglaublich lang", sagt Whiting, "außerdem wollte sich kein einziger Anwalt meiner Sache annehmen."Rund 200 000 Euro zahlte Whiting über einen Zeitraum von einem Jahr nach Vertragsunterzeichnung an die Firma von George Mastronikolis. Doch als er samt Hausrat aus Hawaii eintraf, fand er alles andere als die zugesagte "Bali-Villa". Es standen nur ein paar Mauern - roh, unverputzt. Aus dem Gutachten einer thailändischen Fachfirma geht hervor, dass die Qualität so schlecht ist, dass nur 20 Prozent der Bausubstanz stehen bleiben können. Der aus Griechenland stammende Mastronikolis, dem auch das Lokalblatt "Hua Hin Today" gehört, beteuert, er habe alle Verpflichtungen erfüllt. Ehemalige Partner, mit denen er sich inzwischen zerstritten habe, seien für die Probleme verantwortlich.Mastronikolis, der den ehemaligen Polizeichef von Hua Hin zum PR-Chef seiner Firma machte und in seinem Lokalblatt eifrig Werbung für weitere Bauprojekte betreibt, operiert auch auf internationaler Ebene. Über die Webseite www.globalrealestateinvestor.com versuchte er im Jahr 2005, die Summe von 4,5 Millionen Euro für zukünftige Projekte bei Investoren aufzutreiben. Er verschickte E-Mails, in denen er mit dem Slogan "Zu viel Risiko in Phuket, schauen sie stattdessen auf Hua Hin" warb. Das Projekt platzte. Manche Investoren, die sich jeweils mit mindestens 90 000 Euro beteiligen mussten, sahen ihr Geld nie wieder."Das Geschäft mit Wohnungen und Häusern hier in Hua Hin hat vor etwa 18 Monaten angezogen", sagt Duangjai Kraus in ihrem weiß getünchten Büro an der Hauptstraße. Ihr Unternehmen gilt als so seriös, dass sich manche der geprellten Ausländer hilfesuchend an sie wenden. Sie hoffen, sich bei ihren Streitigkeiten auf Anwälte und Fachleute der Maklerfirma verlassen zu können. "Phuket ist für Leute, die gerne mit Booten leben. Hua Hin bieten wir als Ort für Familien an", sagt Duangjai Kraus. Die meisten Interessenten stammen bislang aus der Schweiz, aus Großbritannien, den Niederlanden. Langsam erwacht auch das Interesse in Deutschland. "Wir haben Kunden, die wegen hoher Lebenshaltungskosten ihren Besitz in Spanien verkaufen", sagt Duangjai Kraus.Hua Hin mit seinem kleinen, sauberen Zentrum, gemütlichen Restaurants und noblen Boutique-Hotels scheint sich tatsächlich von der berüchtigten Sex-Stadt Pattaya und von der längst überentwickelten Insel Koh Samui zu unterscheiden. Nur wenige Hochhäuser verunzieren den langen Strand. Weitere dürfen noch nur im Abstand von mehreren Hundert Metern von den Wellen gebaut werden. Und bislang galt Hua Hin auch als Ort, in dem es nicht so halsabschneiderisch zugeht wie in anderen Strandorten Thailands."Teilweise", sagt der US-Rechtsanwalt Michael Doyle, der in Bangkok arbeitet, "herrschen Zustände wie im Wilden Westen." Aus Koh Samui etwa melden sich regelmäßig Bewohner eines kleinen Wohnparks bei ihren Botschaften mit Hilferufen. Sie fühlen sich vom deutschen Besitzer der Anlage drangsaliert und bedroht. Die thailändische Ehefrau des Mannes wurde vor einigen Monaten Opfer eines Auftragsmordes. Davon jedenfalls ist die Polizei überzeugt. Seit Monaten versuchen die Behörden auf der Insel zudem, der "Motorrad-Bande" das Handwerk zu legen, die systematisch ausländische Hauskäufer betrügt.Pattaya, seit Jahren das Ziel von Sex-Touristen, gerät nach Ansicht internationaler Polizeiexperten zunehmend in den Griff der russischen Mafia. Immer noch ist ein mysteriöser Mord an zwei Touristinnen von der Wolga aus dem vergangenen Jahr ungeklärt. Experten der russischen Botschaft und Kriminalbeamte anderer Länder glauben, dass die brutale Tat eine Warnung thailändischer Gangster an die Konkurrenz darstellte.Die Hoffnung stirbt zuletzt"Wir dürfen nicht erlauben, dass Hua Hin einmal im gleichen Atemzug mit Orten wie Pattaya oder Koh Samui genannt wird", sagt Tuk Dechapanya. Der rüstige 79-Jährige, der in jungen Jahren gemeinsam mit Thailands König Saxophon spielte, wie er erzählt, betreibt den Service "Hua Hin online". Auch bei ihm melden sich viele geprellte Ausländer. Doch viel Glück hat er mit seinen Vermittlungsversuchen zwischen Bauherren, Behörden und Ausländern, die sich betrogen fühlen, bislang nicht gehabt.Ob daran ein neues Gesetz etwas ändern kann, scheint fraglich. Die Regierung will damit verhindern, dass Käufer ihr Geld beim Scheitern von Bauvorhaben verlieren. Das gilt zunächst vor allem für Thailänder, die Opfer von windigen Geschäftsleuten werden. Für Ausländer kommt erschwerend hinzu, dass sie kein Land besitzen, sondern nur pachten dürfen. Viele Firmen in Ausländerbesitz, die beim Bauboom an Thailands Stränden mitmischen wollten, operieren angesichts der Gesetzeslage auf wackligem Boden.Der US-Amerikaner Donald Whiting glaubt inzwischen nichts mehr. "Ich habe schon an Zeitschriften und Zeitungen geschrieben", sagt er, "aber die Reaktion hier in Thailand ist gleich null." Er ist einer wenigen, die bereit sind, öffentlich aufzutreten und Missstände anzuprangern.Denn viele andere geprellte Ausländer neigen dazu, den Beteuerungen ausgerechnet jener Geschäftsleute zu glauben, die sie bereits hereingelegt haben. "Was sollen wir machen", sagt ein Deutscher, der auf sein lang ersehntes Ruhestandsdomizil wartet, "wenn wir auf Konfrontation gehen, sehen wir nie etwas. So bleibt uns wenigstens die Hoffnung, dass wir doch noch bekommen, wofür wir bezahlt haben."------------------------------Mallorca wird zu teuerSteigende Preise ließen (west-)deutsche Rentner schon in den 70er-Jahren das Weite suchen. Sie ließen sich auf den damals noch billigen Inseln Mallorca und Teneriffa nieder. Doch die Teuerung ist inzwischen auch auf den Balearen und Kanaren zu spüren. "Das exotische Thailand ist für Rentner als Alterssitz zunehmen attraktiv geworden", schreibt die in Thailand für "Urlauber und Residenten" erscheinende deutschsprachige Zeitung "Der Farang" (www.der-farang.com). Farang ist das thailändische Wort für Ausländer.10 000 bis 15 000 Deutsche leben in Thailand, schätzt das Auswärtige Amt. Genaue Zahlen gibt es nicht, da keine Registrierungspflicht besteht.Senioren-Residenzen werben mit speziellen Angeboten für Pflegebedürftige und Alzheimerpatienten. Die medizinische Versorgung in Thailand gilt als sehr gut.------------------------------Foto : Weißer Sand, Sonne, Tropen: So wie dieser Mann möchten immer mehr Rentner ihren Lebensabend verbringen.