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Bei der Wiesenweltmeisterschaft fliegen Hasen und Elche um die Wette. Danach vergibt die Jury Poesie-Werte - für den Umgang mit den Plüschtieren: Kuscheltier auf dem Katapult

Alle Augen sind auf Nina gerichtet: Die Fliegerbrille tief ins Gesicht gezogen sitzt sie auf einem grünen Katapult und wartet auf das Startzeichen ihrer Trainerin Emma. Die ist gerade mal fünf Jahre alt. Nina ist ein Marienkäfer - genau genommen ein Plüschtiertier. Beide, Nina und Emma, haben gestern im Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide an der siebten Wiesenweltmeisterschaft der Kuscheltiere teilgenommen. Disziplin: KuscheltierweitflugUnd da das Signal: Vorsichtig spannt die Fünfjährige das Gummiseil, an dem der Sitz befestigt ist, und lässt los: Der kleine Marienkäfer fliegt in hohem Bogen über die blaue Matte und landet etwas unsanft auf der Wiese daneben. 2,93 Meter. Ein passabler Flug, aber die Jury gibt noch keine Wertung bekannt. Das Wichtigste fehlt noch, die B-Note, die hier Poesie-Wert genannt wird. "Hier geht es nicht nur um Leistung, sondern vielmehr darum wie die Kindern mit ihrem Kuscheltier umgehen", sagt Organisatorin Saskia Thomas, die sich die Disziplin Kuscheltierweitflug ausgedacht hat. "Weitflug, nicht Weitwurf!", betont sie, "Denn wegwerfen sollen die Kinder ihre Tiere nicht, das wäre negativ."Emma hat das Prinzip verstanden: Vorsichtig dreht sie den Marienkäfer um, streichelt ihn und überprüft, ob er sich auch nicht verletzt hat. Fragend schaut sie Frau Dr. Dr. Schneidewitz an, eine von Thomas' Helferinnen, die schon mit Arztköfferchen und einer überdimensionalen Spritze bereitsteht. Alles in Ordnung entscheidet sie und injiziert dem Kuscheltier aber vorsorglich noch ein paar Vitamine.Die Idee zur Kuscheltierweltmeisterschaft ist Thomas, die eigentlich das "Freie Theaterwerk Gavroche" leitet, vor etwa sechs Jahren im Flugzeug auf dem Weg nach Mallorca gekommen. Im Bordprogramm schusselte damals gerade Mr. Bean mit seinem Teddybär über den Bildschirm. "Das ist es", dachte sie damals und organisiert seitdem mit ihren Helfern wie dem Juryvorsitzenden Jaques Schnickschnaques und Trösterin Schwester Malheur die Weltmeisterschaft für die Kinder. Und für deren Eltern, die irgendwann selbst vom Turniergeist gepackt werden und konzentriert, mit vollem Einsatz kleine Häschen und Krokodile durch den Hindernisparcours manövrieren, die zweite Disziplin der Wiesenweltmeisterschaft.Wer sein eigenes Kuscheltier vergessen hat, kann sich übrigens eines bei Fräulein Heidschnucki casten. "Da muss natürlich genau geguckt werden: Sind die Nerven des Tieres stark genug? Sind die Beine für die andere Disziplin, den Parcours, lang genug?", sagt sie und blickt auf das Mattenlager, auf dem die Kinder ihre Kuscheltiere auf den Wettkampf vorbereiten: Massage, Muskellockerung, psychologische Intensivbetreuung.Dort wird Emma ihren Marienkäfer auch gleich auf ihre Paradedisziplin, den Parcours vorbereiten. Beim Weitflug konnten sich die beiden leider nicht gegen ihre zehn Mitstreiter durchsetzen. Ein Wurm flog weiter - oder war es der Elch?------------------------------Foto: Mit Schutzbrille und Flughilfe - eigentlich ein Haarreif düst Marienkäfer Nina los. Die fünfjährige Emma hinter dem Katapult hat ihr Kuscheltier vorher trainiert. Das Training hat sich gelohnt: auf stolze 2,93 Meter bringen es die beiden beim Kuscheltierweitflug.



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