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Berliner Zeitung | Berichte über den Nahost-Konflikt: So erleben Betroffene die Gaza-Offensive
24. July 2014
http://www.berliner-zeitung.de/772484
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Berichte über den Nahost-Konflikt: So erleben Betroffene die Gaza-Offensive

„Beide Seiten müssen fragen: Was haben wir falsch gemacht?“

Wir leben in Birzeit im Westjordanland, da spürt man den Konflikt nicht so wie in Gaza. Aber wir hören die Sirenen; allein gestern Nacht gab es sechs Militärpatrouillen, die durch unseren Ort fuhren. Die Angst ist immer da – die Sorge um die Menschen ist sehr, sehr groß. Das ist kein normales Leben mehr. Die Angst, angegriffen und vertrieben zu werden, war noch nie so schlimm wie jetzt. Wir versuchen, so weit wie möglich zu Hause zu bleiben. Man weiß nicht, wohin dieser Unsinn noch führen soll.

Die Spirale von Gewalt und Gegengewalt dreht sich immer schneller – es wird von Mal zu Mal brutaler. Es gibt immer mehr Tote. Das wird sich nicht ändern, solange man nicht an die Wurzeln des Konflikts geht. Es ist eine Tatsache, dass Israel eine Besatzungsmacht ist.

Die Menschen hier haben keine Bewegungsfreiheit und keine Entwicklungsmöglichkeit. Bei uns in Birzeit leben 15 oder 16 Frauen aus Gaza, die seit über 15 Jahren ihre Familien nicht mehr haben besuchen dürfen. Da kann man nicht einfach sagen: Wir nehmen das hin, was ihr mit uns macht.

Es ist schade zu sehen, dass der Friedensweg nicht funktioniert und man die andere Seite nur mit Gewalt zum Gespräch zwingen kann. Ja, die Hamas und der Islamische Dschihad erfahren mehr und mehr Unterstützung. Wenn Israel das Gespräch nicht sucht, es sogar gelingen sollte, die Struktur von Hamas zu zerstören, dann haben wir es als Nächstes mit Al-Kaida zu tun.

Dann gibt es kein Gespräch mehr. Das ist meine Angst. Deshalb fordere ich, dass man auch bei der Hamas nach den positiven Ansätzen Ausschau hält.

Man muss auf beiden Seiten den Mut haben zu fragen: Was habe ich falsch gemacht, was könnte ich anders machen? Da die Israelis und Palästinenser so bockig sind und so falsch liegen, brauchen wir die dritte Partei, die internationale Gemeinschaft, also Europa und die USA. Die haben die Macht.

Die meisten Palästinenser halten es für möglich, dass wir nebeneinander leben in Freiheit und Frieden. Wir müssen auf die schrecklichen Ideologien verzichten, die sagen, das Land gehöre nur einer Seite. Es gehört beiden Seiten; es gibt genug. Wir brauchen nur Ja zu sagen. (Sumaya Farhat-Naser)

(Beide Texte wurden aufgezeichnet von Martin Oehlen.)

„Beide Seiten müssen fragen: Was haben wir falsch gemacht?“

Wir leben in Birzeit im Westjordanland, da spürt man den Konflikt nicht so wie in Gaza. Aber wir hören die Sirenen; allein gestern Nacht gab es sechs Militärpatrouillen, die durch unseren Ort fuhren. Die Angst ist immer da – die Sorge um die Menschen ist sehr, sehr groß. Das ist kein normales Leben mehr. Die Angst, angegriffen und vertrieben zu werden, war noch nie so schlimm wie jetzt. Wir versuchen, so weit wie möglich zu Hause zu bleiben. Man weiß nicht, wohin dieser Unsinn noch führen soll.

Die Spirale von Gewalt und Gegengewalt dreht sich immer schneller – es wird von Mal zu Mal brutaler. Es gibt immer mehr Tote. Das wird sich nicht ändern, solange man nicht an die Wurzeln des Konflikts geht. Es ist eine Tatsache, dass Israel eine Besatzungsmacht ist.

Die Menschen hier haben keine Bewegungsfreiheit und keine Entwicklungsmöglichkeit. Bei uns in Birzeit leben 15 oder 16 Frauen aus Gaza, die seit über 15 Jahren ihre Familien nicht mehr haben besuchen dürfen. Da kann man nicht einfach sagen: Wir nehmen das hin, was ihr mit uns macht.

Es ist schade zu sehen, dass der Friedensweg nicht funktioniert und man die andere Seite nur mit Gewalt zum Gespräch zwingen kann. Ja, die Hamas und der Islamische Dschihad erfahren mehr und mehr Unterstützung. Wenn Israel das Gespräch nicht sucht, es sogar gelingen sollte, die Struktur von Hamas zu zerstören, dann haben wir es als Nächstes mit Al-Kaida zu tun.

Dann gibt es kein Gespräch mehr. Das ist meine Angst. Deshalb fordere ich, dass man auch bei der Hamas nach den positiven Ansätzen Ausschau hält.

Man muss auf beiden Seiten den Mut haben zu fragen: Was habe ich falsch gemacht, was könnte ich anders machen? Da die Israelis und Palästinenser so bockig sind und so falsch liegen, brauchen wir die dritte Partei, die internationale Gemeinschaft, also Europa und die USA. Die haben die Macht.

Die meisten Palästinenser halten es für möglich, dass wir nebeneinander leben in Freiheit und Frieden. Wir müssen auf die schrecklichen Ideologien verzichten, die sagen, das Land gehöre nur einer Seite. Es gehört beiden Seiten; es gibt genug. Wir brauchen nur Ja zu sagen. (Sumaya Farhat-Naser)

(Beide Texte wurden aufgezeichnet von Martin Oehlen.)

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