23.01.2012

Promireiches Finale: Sei cool, zieh' nach Berlin

Von Eva Dorothée Schmid und Anne Lena Mösken
        

Hatten Spaß bei ihrem Auftritt: Andreas Weizel  und Alina Süggeler von der Band Frida Gold brachten das Publikum vor der Michalsky-Show in Stimmung.
Hatten Spaß bei ihrem Auftritt: Andreas Weizel und Alina Süggeler von der Band Frida Gold brachten das Publikum vor der Michalsky-Show in Stimmung.
Foto: DAPD
Berlin –  

Am letzten Abend der Fashion Week war der Auflauf bei Michalsky am größten. Das liegt vielleicht daran, dass der 44-Jährige als einziger Designer seine Präsentation zum Event hochstilisierte.

Die Prominenz hatte am letzten Abend der Fashion Week die Qual der Wahl. Gleich drei Veranstaltungen buhlten am Freitag um ihre Gunst: Michael Michalskys Stylenite im Tempodrom, die Show von Unrath & Strano im stillgelegten U3-Tunnel unter dem Potsdamer Platz sowie die Fashion Rock Night in der Kulturbrauerei. Und es war Michalsky, der das Rennen machte.

Das liegt vielleicht daran, dass der 44-Jährige als einziger Designer seine Präsentation zum Event hochstilisierte. Das heißt: Gleich drei Modenschauen in einer, viel nackte Haut, drei Live-Bands sowie ein Trans-Gender-Model.

Das Programm lockte auch Boris Becker an, der mit seinem am Mittwoch 18 Jahre alt gewordenen Sohn Noah die Front Row schmückte. Das allerdings führte zu der Frage: „Wo ist eigentlich Beckers Ehefrau Lilly?“ Becker erklärte, seine Frau sei zurückgeflogen, weil der kleine Amadeus krank geworden sei. Sohn Noah hingegen eiferte Michalsky nach, was das Werbetrommelrühren für die Hauptstadt betrifft. Er kam mit einem weißen T-Shirt auf dem stand: „Let’s be cool, move to Berlin and buy T-Shirts“ (Sei cool, ziehe nach Berlin und kaufe T-Shirts). Sein Vater schoss Handyfotos, die er via Twitter veröffentlichte. Besonders schien es ihm die erste Show von Roeckl angetan zu haben. Die wurde von Models bestritten, die außer den Accessoires der Münchner Firma nur Farbe auf den nackten Körpern trugen. Außerdem traten Tänzerinnen des Friedrichstadtpalasts auf, und das war auch gut so: So hoch wie sie hätte kaum ein Model die Beine in der Girls-Reihe bekommen. Dazu spielte live das New Yorker Trio Jessica 6.

 Mal Mann, mal Frau: Andrej Pejic auf dem Catwalk.
Mal Mann, mal Frau: Andrej Pejic auf dem Catwalk.
Foto: dapd

Danach gab es noch einmal Live-Musik, und zwar von Frida Gold. Sängerin Alina Süggeler sang zwar schön, gab aber durch ein all zu weit geschlitztes neongrünes Strickkleid auch unschöne Blicke auf ihre Strumpfhose frei. Danach war das Berliner Label C’est tout an der Reihe, dessen Kollektion mit indianischen Ethnoprints allerdings nur wenige überzeugte.

Musikalisches Highlight war die walisische Songwriterin Marina and the Diamonds, bevor Michalsky seine Kollektion zeigte. Das Motto „Lust“ erklärt, warum die langen Roben so transparent waren, dass sie bestenfalls als Negligé im Schlafzimmer taugen und warum sie so schrill mit einem Neonschriftprint bedruckt waren, dass man sich darin wie ein Paradiesvogel vorkommen muss. Und warum hochgeschlossene Plissee-Kleider mit transparenten Latexleggins kombiniert wurden.

Beim letzten Mal hatte Michalsky ein Seniorenmodel engagiert, diesmal durfte Trans-Gender-Model Andrej Pejic eine apricotfarbene Jacke aus Teddystoff für Frauen vorführen, bevor er am nächsten Tag als Mann für Gaultier warb. Zum Defilee dann eine Version von Sinatras „New York, New York“, die bei Michalsky auf „Berlin, Berlin“ umgedichtet wurde.

Verona Pooth und Regina Halmich schauten sich Unrath & Strano an.
Verona Pooth und Regina Halmich schauten sich Unrath & Strano an.
Foto: GETTY

Nach der Insolvenz 2010 hat es das Berliner Label von Klaus Unrath und Ivan Strano, das zehn Jahre lang so etwas wie das deutsche Pendant zu Dolce & Gabbana war, nun wieder geschafft, sich zu etablieren. Zur Show im U-Bahn-Tunnel waren prominente Gäste eingeladen, die wie das Label bereits eine oder mehrere Karrieren hinter sich haben – und es ebenfalls schaffen, immer wieder aufzutauchen: Regina Halmich, einst Boxerin, dann Fernsehmoderatorin, dann Fitnessberaterin; Katarina Witt, Eiskunstläuferin, Unternehmerin, Eiskunstlauf-Fernsehstar; und Verona Pooth, von der man eigentlich gar nicht sagen kann, was sie so genau war und ist. Modisch jedenfalls ist Verona Pooth derzeit mit dem Textildiscounter KiK verbunden, für den sie wirbt. Ziemlich sicher dürfte allerdings sein, dass das tief ausgeschnittene, hautenge Minikleid, das sie trug, etwas mehr gekostet hat als die Kik-Modelle.

Unrath & Strano jedenfalls zeigten sich wandelbar und verwirrend, schön, wenn eine Schau derart zum Gesamtkunstwerk wird. Zur Fashion Week präsentierte Klaus Unrath übrigens auch seinen neuen Lebenspartner: Ron Perduss, Moderator beim Berliner Rundfunk.

Und bei der Fashion Rock Night war der prominenteste Gast schließlich der Neuberliner Thomas Gottschalk, der zuvor bereits bei der Modemesse Premium gesichtet worden war.

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