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„Berlin Tag & Nacht“: Eine Pizzeria als Pilgerstätte

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Die TV-Serie spielt auch im Restaurant von Shpetim Neziri in Lichtenberg. Die Fans haben sich auf den Wänden verewigt.
Die TV-Serie spielt auch im Restaurant von Shpetim Neziri in Lichtenberg. Die Fans haben sich auf den Wänden verewigt.
Foto: Berliner Zeitung / Markus Wächter
Berlin –  

Die pseudo-dokumentarische Seifenoper „Berlin Tag & Nacht“ von RTL 2 lockt Fans an die Drehorte - zum Beispiel zur Pizzeria Ledi neben dem Bahnhof Lichtenberg.

Von außen ist es eine ganz normale Pizzeria, innen aber locken bizarre Wandmalereien. Auf den Wänden der Pizzeria Ledi neben dem Bahnhof Lichtenberg haben sich Hunderte Gäste verewigt. Viele heben hervor, wie weit sie gereist sind, um diesen Ort zu sehen, manche kamen sogar aus Spanien, der Schweiz oder Holland. Fast alle hinterlassen herzige Grüße an Fabrizio und BTN.

Ständig in Bewegung

Für Uneingeweihte: „BTN“ ist das Fankürzel für die TV-Serie „Berlin Tag & Nacht“, die seit September 2011 an jedem Wochentag läuft und die Quoten des Trash-Senders RTL 2 kräftig nach oben treibt. Diese im Doku-Look gedrehte Seifenoper kreist um eine Kreuzberger Wohngemeinschaft, deren Bewohner unter anderem in der Pizzeria Ledi allerlei Berlin-Abenteuer erleben. Der stiernackige Muskelprotz Fabrizio, von RTL 2 als „rassiger Italiener“ vorgestellt, ist einer von ihnen.

Während viele coole, hippe oder aufgeklärte Berliner diese Serie wegen der prolligen Typen und der platten Dialoge entweder unglaublich peinlich oder unfreiwillig komisch finden oder sie schlichtweg gar nicht kennen, scheint die Beliebtheit der Serie mit dem Abstand zu Berlin zu steigen. „BTN“ führt dem auswärtigen Zuschauer vor: In Berlin wird ständig der Job und der Partner gewechselt – und ansonsten Party gemacht.

Ein Clou der Serie: „Berlin Tag & Nacht“ nutzt gern Schauplätze der Hauptstadt, etwa in den Berlin-Impressionen, die zwischen den Spielszenen laufen und zeigen, dass hier immer alles in Bewegung ist. Die Helden der Serie jobben und feiern an realen Orten, etwa im Classic Tattoo Studio am Alexa oder im Café Goldapfel in der Winsstraße.

Security-Leute bewachen Drehort

Fabrizio und Co tummeln sich oft im Viertel rings um die Oberbaumbrücke und gehen abends ins Matrix, wo sie sich manchmal sogar zwischen realen Gästen bewegen. Den meisten Schauplätzen bringt die Serie neue, junge Kunden. Manche Fans verabreden sich zu regelrechten Rundtouren. So registrieren die Betreiber des Matrix, dass viele Gäste gezielt wegen „BTN“ in ihr Haus kommen und den Barkeepern gern verraten, wie weit dafür sie gereist sind. „Wir haben ein ähnliches Publikum wie die Serie, so zwischen 18 und Mitte 20“, erklärt Marcus Fiedler.

Hauptschauplatz der Serie aber ist die WG, die sich in einer Fabriketage in der Schlesischen Straße befindet. Hier hat die Produktionsfirma Filmpool inzwischen Security-Leute in den Hof stellen müssen, um neugierige Fans fernzuhalten. Firmensprecher Felix Wesseler erklärt, dass die Außenaufnahmen weniger aufwändig als bei konventionellen Dreharbeiten ablaufen: „Wir sind mit einem kleinen Team und HD-Kameras unterwegs, müssen nicht wie andere für ein paar Szenen tagelang eine Straße absperren oder vollparken.“

Vor allem aber erhöhen die echten Schauplätze auch die Authentizität der Darsteller: Denn wenn es tatsächlich eine Pizzeria Ledi gibt, wie unschwer nachzuprüfen ist, so muss doch auch der Pizzabäcker namens Fabrizio echt sein. Dass im Abspann erklärt wird, dass alle Figuren frei erfunden sind, übersehen viele Zuschauer.

Dass junge Fans tatsächlich auf die pseudo-dokumentarische Masche von „BTN“ hereinfallen, hat Shpetim Neziri, Betreiber des Ledi, erfahren müssen: „Als die Folgen mit unserer Pizzeria ausgestrahlt wurden, klingelte mein Telefon fast ununterbrochen. Alle wollten Fabrizio sprechen und wurden wütend, wenn ich ihnen sagte, den gibt es hier gar nicht.“ Manchmal gab er den Hörer auch einfach an einen Angestellten weiter – der dann als Fabrizio sprach. Zu Beginn der Dreharbeiten vor einem Jahr war sich Neziri noch nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee war: „Viele Stammgäste beschwerten sich, weil sie während der Aufnahmen nicht reinkommen durften oder stumm am Tisch sitzen mussten.“

Inzwischen liegt die Ausstrahlung der letzten Folgen aus dem Ledi schon fast ein halbes Jahr zurück – und noch immer pilgern täglich Gäste wegen „BTN“ nach Lichtenberg. Shpetim Neziri hat sich auf den Kult eingestellt. Er darf nach einigen Diskussionen mit RTL 2 inzwischen das Fernsehturm-Logo von „BTN“ verwenden und hat eine Pizza Fabrizio auf der Speisekarte – mit Spinat und Hühnerfleisch. Der Serienheld hilft ihm sogar beim Energiesparen. Auf der Toilettentür steht Fabrizios Bitte, doch beim Verlassen das Licht auszuschalten. „Früher hat sich keiner dran gehalten – aber jetzt tun sie es“, erklärt der Wirt – der immer noch darüber staunt, was eine Fernsehserie so alles bewirken kann.

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