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„Bridge of Spies“: Berliner Filmausstatter Bernhard Henrich für Oscar nominiert

Der Film-Ausstatter Bernhard Henrich vom Studio Babelsberg. Der 63-jährige Berliner ist im Rennen um einen Oscar.

Der Film-Ausstatter Bernhard Henrich vom Studio Babelsberg. Der 63-jährige Berliner ist im Rennen um einen Oscar.

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dpa

Den eigenen Namen im Fernsehen zu hören, passiert in der Regel selten. Auch für Bernhard Henrich war das eine neue Erfahrung. Völlig von den Socken sei er gewesen, als er die Bekanntgabe der diesjährigen Nominierung für den Oscar im Internet verfolgte und sein Name fiel: Der 63-Jährige ist in der Kategorie „Production Design“ für den vom Studio Babelsberg koproduzierten Film „Bridge of Spies – der Unterhändler“ von Regisseur Steven Spielberg nominiert.

Zusammenarbeit mit Cruise, Damon und Clooney

Das ist selbst für den im saarländischen Niederwürzbach geborenen Henrich, der ansonsten schon für Produktionen mit Filmgrößen wie Tom Cruise, Matt Damon und George Clooney gearbeitet hat, ein besonderes Ereignis. „Als ich meinen Namen gelesen habe, hat mich glatt der Schlag getroffen“, erzählt Henrich, der in Babelsberg arbeitet und in Berlin lebt. „Welcher Deutsche wurde als Set Decorator schon einmal für den Oscar nominiert?“

Keiner, lautet die Antwort. Academy Awards gehen zwar regelmäßig nach Deutschland – die letzte Auszeichnung erhielt im vergangenen Jahr der Hesse Dirk Wilutzky für seinen Dokumentarfilm „Citizenfour“. Doch Henrich wäre der erste deutsche Oscar-Preisträger, der als Set Decorator, als Filmausstatter, ausgezeichnet werden würde.

Und dabei begann alles mit relativ wenig Begeisterung, wenigstens nicht von Seiten der Familie. Als Henrich sich zum Schaufensterdekorateur ausbilden ließ, waren seine Eltern nicht angetan von der Berufswahl des Sohnes. Henrich indes bleib bei seiner Wahl, schon früh habe sich sein Hang zum Gestalten gezeigt. Im Anschluss an die Ausbildung ging er nach Berlin und wurde Theaterplastiker am Schiller-Theater.

Durchbruch mit „Der Zauberberg“

Der Wechsel zum Film folgte Mitte der 70er-Jahre. Henrich nahm ohne lang zu überlegen ein Angebot an, als Requisiteur zu arbeiten. Eine gute Wahl, denn mit der Literaturverfilmung „Der Zauberberg“ unter der Regie von Hans W. Geißendörfer von 1982 kam auch für Bernhard Henrich der internationale Durchbruch. Produktionen wie „Der große Bellheim“, „Der Ghostwriter“ oder „Operation Walküre“ mit Tom Cruise folgten, in den 90er-Jahren stieg Henrich zum Set Decorator auf, wie es in der Filmsprache heißt.

Am 28. Februar schlägt dann vielleicht Henrichs große Stunde, wenn es im Dolby Theatre am Hollywood Boulevard wieder heißt „and the Oscar goes to …“ Bis dahin bleibt die Aufregung: „Es ist immer noch total surreal für mich“, so der Filmausstatter und Stiefvater zweier Töchter am Sonntag.


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