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„Die Abenteuer des Huck Finn“: Mit Mark Twain auf der Flucht

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Berlin –  

„Die Abenteuer des Huck Finn“ feiert Premiere in der Kulturbrauerei. Es ist die zweite Mark Twain-Verfilmung der Regisseurin Hermine Hundtgeburth. 2011 erschien bereits „Tom Sawyer“, welcher in diesem Jahr beim Deutschen Filmpreis für den besten Kinderfilm nominiert wurde.

Zumindest in Genderfragen scheint die etwa Zehnjährige fit zu sein. Sie steht an diesem Sonntagnachmittag mit ihrer Oma, ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder von dem Kino in der Kulturbrauerei und schaut sich das Plakat an: „Die Abenteuer des Huck Finn.“ In einer Stunde geht der Film los, vorher müssen noch die ganzen Schauspieler und Ehrengäste den roten Teppich passieren.

„Da sind ja fast nur Männer zu sehen, nur eine Frau“, sagt sie zur Oma. Diese nickt zustimmend. Tatsächlich, auf den im Wildwest-Stil gehaltenen Fotografien vertritt einzig Heike Makatsch das weibliche Geschlecht. „Habt ihr eigentlich das Buch gelesen?“, fragt die Oma schließlich. „Nee, ich glaube nicht.“

Auf den Arm genommen: der  Jungschauspieler Leon Seidel mit Jacky Ido.
Auf den Arm genommen: der Jungschauspieler Leon Seidel mit Jacky Ido.
Foto: dapd

Die Zehnjährige ist bei weitem nicht die einzige an diesem Sonntagnachmittag. Ein Kamerateam befragt die in dicke Jacken eingepackten Kinder nach ihren Erwartungen für den Film. Doch die wenigsten der Interviewten können etwas mit dem Namen Mark Twain anfangen. Auch die berühmte Romanvorlage, ein zentraler Klassiker der amerikanischen Literaturgeschichte, scheint bei den Kindern nicht im Regal zu stehen. Umso mehr scheinen sie sich aber zu freuen, diesen verregneten Tag in der Kulturbrauerei verbringen zu können, umgeben von Stars des deutschen Kinos.

„Die Abenteuer des Huck Finn“ ist die zweite Mark Twain-Verfilmung der Regisseurin Hermine Hundtgeburth. 2011 erschien bereits „Tom Sawyer“, welcher in diesem Jahr beim Deutschen Filmpreis für den besten Kinderfilm nominiert wurde.
Das Team ist in den wesentlichen Aspekten das gleiche geblieben. Der 15-jährige Leon Seidel spielt wieder den Huck, während Louis Hoffmann den Tom Sawyer gibt. Auch Heike Makatsch ist wieder als Tante Polly dabei. Das Drehbuch ist wie beim ersten Film von Sascha Arango, die Produktion von Boris Schönfelder.

Ein Landstreicher

Der Film erzählt die Geschichte vom einstigen Landstreicherjungen Huckleberry Finn, der durch einen Schatz zu großem Reichtum gekommen ist. Das passt ihm nicht wirklich, weil er nun in der Obhut der Witwe Douglas (Margit Bendokat) und Miss Watsons (Rosa Enskat) ein angepasstes Leben führen muss. Zudem versucht sein Vater (August Diehl), ein stadtbekannter Trunkenbold, an die Kohle seines Sohnes zu kommen. Zusammen mit dem Sklaven Jim, der an Sklavenhändler verkauft werden soll, fährt er auf einem Floß den Mississippi hinunter in Richtung Ohio, wo es keine Sklaverei gibt. Auf der Reise treffen sie immer wieder gefährliche, aber auch skurrile Gestalten wie etwa den König (Michael Gwisdek) und den Herzog (Kurt Krömer), zwei abgebrühte Hochstapler, die die beiden Reisenden in eine Falle locken wollen.

Die Premiere am Sonntag läuft recht emotionslos ab. Das Filmteam, ohne die abwesenden Heike Makatsch und Kurt Krömer, stellt sich vor die Fotografen, beantwortet ein paar Fragen der Kamerateams und gibt den überall herumwuselnden Kindern die gewünschten Autogramme. Die Darsteller wirken freundlich, aber routiniert. Einzig Jacky Ido scheint richtig Spaß an der Arbeit zu haben, grinst unentwegt und erzählt von seinen Erfahrungen am Set.

Es gibt weder Gekreische noch andere große Überraschungen. Selbst die Kinder scheinen recht souverän damit umzugehen, dass es hier offenbar um ein bisschen mehr geht, als um einen gewöhnlichen Kinobesuch. Die am roten Teppich aufgestellten Ordner ermahnen hier und da die Gäste, den Weg doch bitte freizuhalten. Ansonsten haben sie wenig zu tun.

Ein Mitarbeiter des Kinos sagt zu seiner Kollegin: „Das ist die langweiligste Premiere aller...“ Er bricht ab, weil er merkt, dass er ein bisschen zu laut geredet hat. „Naja“, sagt er schließlich, „zumindest eine der langweiligsten“.

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