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„Hufeisern gegen Rechts“: Bürger wollen Neonazis aussperren

Die Hufeisensiedlung im Berliner Bezirk Neukölln, die von 1925 bis 1933 nach Plänen von Bruno Taut und Martin Wagner entstand.

Die Hufeisensiedlung im Berliner Bezirk Neukölln, die von 1925 bis 1933 nach Plänen von Bruno Taut und Martin Wagner entstand.

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dpa

Die fremdenfeindliche Hetze, die Pogromstimmung – was in Hellersdorf passiert ist, wird sich in Neukölln nicht wiederholen. Das jedenfalls hoffen die Organisatoren einer Infoveranstaltung über eine neue Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Britz. Am Donnerstagabend steht sie zur Debatte. Etwa 200 Anwohner werden in der Fritz-Karsen-Schule am Rande der Hufeisensiedlung erwartet. Dabei Es geht um ein Heim für 400 Asylsuchende, das der Bezirk an der nahe gelegenen Neuen Späthstraße errichten lassen will.

Es ist eine Bürgerinitiative (BI), die dazu eingeladen hat – frühzeitig, noch bevor der Bezirk selbst die Anwohner informiert hat. „Hufeisern gegen Rechts“ nennt sie sich, von Anwohnern der Hufeisensiedlung vor einem Jahr als Reaktion auf rechtsradikale Übergriffe im Süden Neuköllns gegründet. Die NPD und sogenannte autonome Nationalisten sind dort besonders aktiv, einige ihrer Mitglieder leben in der Gegend. Jetzt setzt sich die BI für die Flüchtlinge ein. Seit Wochen wirbt sie in der Siedlung für die Infoveranstaltung. „Wir haben 1 500 Einladungen in Briefkästen verteilt“, sagt Jürgen Schulte von der Initiative.

Damit es gar nicht erst zu Szenen wie in Hellersdorf kommt, haben sich Schulte und seine Mitstreiter abgesichert. „Wir machen von unserem Hausrecht Gebrauch“, sagt er. Personen, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, würden gleich ausgeschlossen.

Trotzdem könnte es erneut zu Auseinandersetzungen kommen. Schon im Vorfeld gab es Proteste von Anwohnern gegen die Unterkunft. Auch die NPD will zeitgleich ab 19.30 Uhr an der Parchimer Allee demonstrieren. Am Mittwoch gab es in Hellersdorf wieder eine NPD-Kundgebung gegen das dortige Flüchtlingsheim. Laut Polizei kamen allerdings nur fünf bis sechs Teilnehmer.

Flüchtlingen Hilfe anbieten

Jürgen Schulte geht es um Aufklärung und Willkommenskultur. „Wir sind wohl die erste zivilgesellschaftliche Organisation, die so eine Veranstaltung organisiert“, sagt er. „Es ist gut, wenn sich Anwohner offensiv mit dem Thema auseinandersetzen.“ Bei der Diskussion will Schulte auch die Frage aufwerfen, wo die Menschen herkommen und warum sie ihre Heimat verlassen mussten. „Wir wollen erreichen, dass die Anwohner Verständnis für sie entwickeln“, sagt Schulte. Ziel sei es auch, Initiativen zu gründen, um den Flüchtlingen Hilfe anzubieten. An der Veranstaltung werden unter anderem Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Grüne) und Franz Allert, Präsident des für die Verteilung der Flüchtlinge zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso), teilnehmen.

Kritik gibt es an der Standortentscheidung des Bezirks. Die Unterkunft soll auf einem Gelände der Firma Möbel Krieger zwischen Haarlemstraße und Teltowkanal gebaut werden, am Rande eines Industriegebiets. Bis mindestens Ende 2015 darf der Bezirk die Fläche dafür nutzen. Ursprünglich sollte das Heim an der Haarlemstraße gegenüber einer Wohnsiedlung entstehen. Doch dann gab es dort eine Unterschriftenkampagne dagegen. Ende August kippte die Bezirksverordnetenversammlung das Vorhaben und entschied mit den Stimmen von SPD und CDU, das Heim am östlichen Rand, direkt am Kanal zu errichten. Die Anwohner sollten durch das Heim nicht beeinträchtigt werden, hieß es in dem Beschluss, der den für September geplanten Baubeginn unmöglich macht. Die Flüchtlinge würden so in die Ecke gedrängt und stigmatisiert, kritisieren Grüne und Linke.

Mehrere Parteien und Organisationen haben für den Abend Gegenkundgebungen rund um die Fritz-Karsen-Schule angemeldet. Darunter die Gewerkschaft Verdi, die Linke und die Grünen. Angekündigt sind rund 500 Teilnehmer, die Polizei rechnet mit Konfrontationen und wird mit einem größeren Aufgebot vor Ort sein.


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