blz_logo12,9

"Ich muss niemanden fragen, wenn ich früher gehen will"

Mutter und Chefin: Franziska von Hardenberg, Gründerin von Bloomy Days.

Mutter und Chefin: Franziska von Hardenberg, Gründerin von Bloomy Days.

Foto:

Bloomy Days

Berlin -

Mitte, Gormannstraße, Hinterhof, Erdgeschoss eines mehr als hundert Jahre alten Fabrikgebäudes. Bis vor einigen Monaten befand sich hier noch ein Dunkelrestaurant, ein lichtloser Ort mit schwarzen Wänden und verhangenen Fenstern. Man braucht einiges an Fantasie, um sich das vorzustellen. Wer denkt schon an Dunkelheit, wenn satter Blumenduft in dem jetzt lichtdurchfluteten Raum liegt.

An den Fenstern stehen Schreibtische mit Monitoren und liebevoll ausgesuchten Lampen. Es gibt Bänke mit bunten Kissen, Vintage-Sideboards, auf denen Bilderrahmen stehen, und mitten im Raum ein Gewächshaus und eine Holzlaube aus dem Baumarkt, in die man sich zu Meetings zurückziehen kann. Ein Start-up im Landhausstil. „Büro muss auch Spaß machen“, sagt die Chefin.

Franziska von Hardenberg, 31, hat das Unternehmen Bloomy Days vor vier Jahren gegründet. Es ist ein Onlineshop samt Abo-Service für Schnittblumen, der mit seinem Sortiment, dem Erfolg und der fröhlichen Gründerin dazu verführt, das Bild von Flower Power zu strapazieren. Zumal es passen würde. „Nicht reden, machen“ lautet die Devise der jungen Frau, die hier von allen nur Franzi genannt wird.

Beweise dafür hat sie von Anfang an geliefert. Als sie sich als 27-Jährige mit ihrem Businessplan bei Banken vorstellte, um an Startkapital zu kommen, und fantasielose Kreditberater die junge Frau mit „Träum weiter Blondchen“-Attitüde abblitzen ließen, gab sie nicht auf. Über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch warb sie im Internet um Kapital. Nach zwanzig Minuten hatte sie 50.000 Euro zusammen, 100.000 Euro waren es nach eineinhalb Stunden. Das war im Frühsommer 2012.

75 Mitarbeiter

Heute hat Bloomy Days 25 feste Mitarbeiter, zudem 50 Teilzeitbeschäftigte im Versand, und noch immer geht es um Schnittblumen. „Saisonal und vasenfertig“, wie Franziska von Hardenberg sagt. Von ihrem Geschäftsmodell war sie stets überzeugt: Es gebe zwar jede Menge Blumenversender, sagt sie, aber dort gehe es immer um fertige Sträuße „mit viel Grünzeug“, nie um reine Blumen. Diese liefert Bloomy Day per Abo wöchentlich oder 14-tägig nach Hause und an Firmen. „Mindestens drei Tage frischer als Blumen aus dem Laden um die Ecke“, wird versprochen.

Bereits im ersten Jahr nach der Gründung wurden pro Woche 50 000 Blumen verschickt. Den Jahresumsatz schaffte Bloomy Days im Folgejahr bereits nach sechs Monaten. Mittlerweile macht von Hardenberg keine Angaben mehr zu Umsatz, Kundenzahl und Absatz. Die Investoren wünschten es so, sagt sie. Sie seien mit einem „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ beteiligt.

Die kalte Seite der Berliner Gründerszene

Franziska von Hardenberg hat Marketing und Kommunikationswissenschaften studierte und baute danach den Berliner Online-Modeshop Mybrands mit auf. Dort lernte sie auch die kalte Seite der vermeintlich familiären Berliner Gründerszene kennen: Mybrands wurde vom Firmenfabrikanten Rocket Internet finanziert, der gleichzeitig Investor von Zalando war. Als dann die Umsätze von Zalando schneller wuchsen als die von Mybrands, drehte Rocket 2010 den Geldhahn zu. „Wir waren erfolgreich, aber die anderen waren erfolgreicher“, sagt Franziska von Hardenberg. Groll hegt sie nicht. „Es war eine unternehmerische Entscheidung.“ Wenig später gründete sie ihr eigenes Unternehmen. Von dem gibt es inzwischen weltweit rund vierzig Kopien.

Im vergangenen Herbst ist Franziska von Hardenberg Mutter geworden. Nach der Geburt ihrer Tochter wollte sie eigentlich ein paar Monate kürzer treten. Als dann aber das zugesagte Geld eines Investors nicht floss, war sie wieder in der Firma. „So ist das eben als Chefin“, sagt sie. Sie hat längst ihren Rhythmus gefunden. Eine Nanny kümmert sich tagsüber um ihre Tochter. Um halb vier verlässt sie das Büro, sitzt dann aber oft abends noch zu Hause am Schreibtisch. Es läuft gut, sagt sie. Mutter und Chefin zu sein, habe schließlich auch Vorteile: „Ich muss niemanden fragen, wenn ich früher gehen will.“