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„More than Shelters“ als Betreiber: Ein Flüchtlingsdorf in Tempelhof

Flüchtlinge in einem Hangar am ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Flüchtlinge in einem Hangar am ehemaligen Flughafen Tempelhof.

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dpa

Die geplante Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge am Rande des Tempelhofer Feldes wird größer und funktionaler als bisher bekannt. Nach Entwürfen des Senats entstehen auf dem Vorfeld des alten Flughafengebäudes soziale Angebote, die das Leben der Menschen erleichtern und den bisherigen Charakter als reine Massen-Notunterkunft aufwerten sollen. Dazu gehören eine Schule, ein Fußballfeld mit Tribüne, mehrere Sporthallen, eine Großküche, ein Jobcenter sowie Räume für Werkstätten, medizinische Versorgung oder Materiallager.

In unmittelbarer Nähe des Vorfeldes sollen zudem temporäre Unterkünfte errichtet werden. Dafür muss allerdings noch das Tempelhof-Gesetz geändert werden, denn seit dem Volksentscheid 2014 sind Bauten auf dem früheren Flugfeld verboten. Die Beratungen im Abgeordnetenhaus verzögern sich jedoch. Vor Mitte Februar dürften in Tempelhof also keinen neuen Notunterkünfte wie Traglufthallen oder Container entstehen.

Bisher nutzt der Krisenstab des Senats lediglich Hangars, am Donnerstag wurde die vierte Halle in Betrieb genommen. Wie viele Flüchtlinge in Tempelhof perspektivisch unterkommen sollen, ist nicht bekannt. Nach den Plänen dürften es rund 8?500 Menschen sein, die notfalls dort Platz finden können. Zurzeit sind es gut 2000 Personen. Die Hangars sind schwer zu beheizen und es mangelt an Sanitäreinrichtungen.

Betreiber „More than Shelters“ mit Erfahrung aus Jordanien

Um die Bedingungen zu verbessern, will der Senat auch im Management neue Wege gehen. Nach Informationen der Berliner Zeitung konnte er als Betreiber des Flüchtlingsdorfes die Organisation „More than Shelters“ gewinnen. Dieses Sozialunternehmen wurde in Hamburg gegründet, entwickelt mobile Raumsysteme für Krisenregionen und hat sich international einen guten Ruf erarbeitet.

Unter anderem ist es in einem der weltweit größten Flüchtlingscamps in Jordanien tätig. auch in Hamburg betreibt es Unterkünfte. „More than Shelters“ will erreichen, dass Flüchtlingslager nicht mehr nur als kurzfristiges Problem betrachtet werden. Man müsse daraus Orte machen, die individuellen Bedürfnissen nachkommen und aktiv von den Flüchtlingen mitgestaltet werden können, heißt es auf der Internetseite der Organisation.

Der neue Betreiber soll sich auch an der Erstaufnahmestelle beteiligen, die der Senat in der Haupthalle des Flughafengebäudes vorbereitet. Ähnlich wie in der Bundesallee in Wilmersdorf sollen dort alle für Asyl zuständigen Behörden von Bund und Land unter einem Dach arbeiten. Die neue Großeinrichtung soll Ende Januar starten.