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„Original unverpackt“: Kreuzbergs Supermarkt ohne Verpackung

Kommt nicht in die Tüte: Milena Glimbovski (l.) und Sara Wolf bieten ihn ihrem Supermarkt etwa 350 lose Produkte an.

Kommt nicht in die Tüte: Milena Glimbovski (l.) und Sara Wolf bieten ihn ihrem Supermarkt etwa 350 lose Produkte an.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Berlin -

Sie haben es geschafft und sie sind glücklich: Die Unternehmerinnen Sara Wolf (31) und Milena Glimbovski (24) haben es im Laufe von knapp vier Monaten hinbekommen, Berlins ersten Supermarkt einzurichten, der komplett ohne Einwegverpackung auskommen wird. Am kommenden Sonnabend eröffnen sie in Kreuzberg ihren Laden „Original unverpackt“.

Etwa 350 Produkte können Kunden in dem Laden kaufen, das Angebot reicht von Linsen, Nüssen, Nudeln und Müsli bis zu Ölen, Essig, Gewürzen und Kosmetik. Der Großteil der Waren sind Bioprodukte und kommt, wenn möglich, aus der Region. „Unsere Preise sind oft nieriger als im normalen Supermarkt“, sagt Milena Glimbovski. So kostet ein Kilo Nudeln zwischen einem Euro (konventionelle Herstellung) und vier Euro (Bio-Vollkorn). Selbst Zahnpasta wird lose verkauft, nicht in der Tube, sondern in Form von Tabletten, die sich im Mund auflösen und zu Schaum werden.

Kampf gegen den Verpackungsmüll

Die Kunden können ihre eigenen Verpackungsbehälter mitbringen und die losen Waren selbst in der gewünschten Menge abfüllen. Oder sie kaufen im Laden wiederverwertbare Dosen, Gläser, Flaschen und Stoffbeutel. Milch, Joghurt und Tofu, wird in Pfandflaschen und -gläsern angeboten, einmal in der Woche kommt der Käsemann und schneidet den Kunden die gewünschte Menge vom Laib. „Wir sind gegen Lebensmittelverschwendung und gegen Müll“, lautet das Verkaufsprinzip der Unternehmerinnen.

In Berlin werden nach BSR-Angaben jährlich 76.000 Tonnen Leichtverpackungen eingesammelt. In Deutschland entstehen laut Bundesumweltministerium jährlich mehr als 16 Millionen Tonnen Verpackungsabfall. In Europa werden jährlich knapp 100 Milliarden Plastiktüten verwendet, acht Milliarden laden auf dem Müll, ein Großteil auch im Meer.

Sara Wolf hat Internationale Beziehungen in der Schweiz studiert und kam vor vier Jahren nach Berlin, Milena Glimbovski lebt seit zehn Jahren in der Hauptstadt und studierte dort Mediengestaltung und Wirtschaftskommunikation.

Als die beiden Freundinnen im Mai 2014 in einer Crowdfounding-Aktion für ihre Projekt „Original unverpackt“ statt der erhofften 20.000 Euro Startkapital in kürzestes Zeit gleich mehr als 100.000 Euro gespendet bekamen, war klar, dass sie ihr Konzept nun umsetzen können.

Sie suchten einen Laden in Kreuzberg, sie fanden einen in der Wiener Straße, der zwar nicht ganz so groß ist, wie er sein sollte, dafür aber in guter Umgebung liegt. Gleich nebenan gibt es ein großes Fahrradgeschäft und einen Laden für fair gehandelte Biokleidung.

Große Nachfragen und Unterstützung

Am schwierigsten waren die Verhandlungen mit den Lieferanten. Denn selbst Biogroßhändler liefern ihre Waren oft in Folien und in Plastik verpackt. „Wir haben es geschafft, dass unsere Lieferungen nur mit Gurten festgehalten werden“, sagt Sara Wolf. Auch sei längst noch nicht alles so, wie es sich die beiden Firmeninhaberinnen vorgestellt haben, Kompromisse seien noch nötig. „Wir fangen jetzt trotzdem erstmal an“, sagt Sara Wolf.

Zehn Mitarbeiter werden ab Sonnabend im Einsatz sein, um den Kunden zu zeigen, wie das Verkaufssystem ohne Plastetüten und abgepackter Ware funktioniert, dass man sich das Shampoo in kleine Fläschchen füllen kann und für das Olivenöl auch seine leere Flasche von zu Hause mitbringen darf. Linsen, Nüsse und Reis kann man in Stoffbeutel füllen. Hygienische Bedenken sind unbegründet, das Gesundheitsamt hat alles kontrolliert.

Wegen ihres Projekts haben Sara Wolf und Milena Glimbovski viele Nachfragen und viel Unterstützung bekommen. Von den 38.000 Facebook-Freunden sind in den vergangenen Tagen so einige gekommen, um den Laden miteinzurichten. „Ich stand nachts mit wildfremden Leuten im Laden, die alle helfen wollten“, sagt Milena Glimbovski. Über ein Franchise-System sollen nun weitere Geschäfte entstehen. In Berlin ist die nächste Eröffnung Anfang 2015 geplant. „Dieser Supermarkt wird dann noch größer und vielfältiger“, sagt sie.

Der Supermarkt „Original unverpackt“ eröffnet an diesem Sonnabend, 13. September von 8–20 Uhr, Wiener Straße 16, Kreuzberg. Die regulären Öffnungszeiten sind Mo–Sa 9–19 Uhr.


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