Neuer Inhalt

„Street Food auf Achse“ : Street Food in der Kulturbrauerei  

Mahlzeit! Essen außer Haus geht in Berlin immer.

Mahlzeit! Essen außer Haus geht in Berlin immer.

Foto:

Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin -

Wer das neue, kulinarische Berlin sucht, der kommt um den Street Food Thursday nicht herum. In der Markthalle Neun in Kreuzberg drängeln sie sich jeden Donnerstag Touristen und Hipsterbartträger, Zugezogene und Urberliner, Alte und Junge, um sich in kleinen Portionen einmal um den Erdball zu futtern.

Es gibt koreanische Ramen-Burger mit Kimchi, britische Pies und thailändische Tapioka-Dumplings. Wer mag, bestellt dazu einen Bio-Apfelpunsch. Zwischen dampfenden Woks und zischenden Pfannen wird Teig geknetet, gedämpft und gebraten, was das Zeug hält.

Am Stand namens Bao Kitchen ist die Schlange an diesem Abend besonders lang. Gerade haben sich auch Chris und Elyse einen taiwanesischen Bao-Burger auf die Pappschale geladen, dazu einige mit Schweinefleisch und Szechuanpfeffer gefüllte Teigtaschen.

Ein Bissen, und die beiden geraten ins Schwärmen: „Wonderful! Delicious!“ Chris und Elyse kennen Streetfood aus ihrer Heimat, den USA. Als sie auf Instagram Bilder aus der Kreuzberger Markthalle sahen, setzten sie den Streetfood Thursday für ihren Berlin-Besuch sofort auf die Liste – gleich hinters Brandenburger Tor.

Streetfood-Märkte kennt man aus Asien und aus Metropolen wie London und New York schon lange. In Vietnam, China oder Thailand gehören mobile Garküchen mit fix zubereiteten lokalen Spezialitäten seit jeher zum Straßenbild. In den USA wurden die Streetfood-Märkte schließlich zum Trend, vor allem in New York, Los Angeles und Chicago, wo Food-Trucks schon lange die Imbisskultur prägen.

Tacos vom Transporter

Auch in Berlin begann die Bewegung vor drei Jahren mit Trucks. Plötzlich sah man fahrende Straßenküchen vor Clubs und Galerien. Junge Köche verkauften aus umgebauten Transportern heraus chinesische Dumplings und mexikanische Tacos, die Standorte wurden per Facebook und Twitter verbreitet.

Weil es schwer ist, für die mobilen Imbisse eine Genehmigung zu bekommen und man sonst auf öffentlichen Straßen und Plätzen nicht stehen darf, waren die Streetfood-Märkte für experimentierfreudige Köche ein willkommener Ausweg.

Der Streetfood Thursday wurde schnell zur Erfolgsgeschichte. Angefangen haben die Organisatoren im Frühjahr 2013 mit 30 Ständen. Heute sind es 45 – und bis zu 10 000 Besucher pro Abend. Mit dem Bite Club und dem Village Market sind bereits zwei Nachfolger entstanden. Ständig kommen neue dazu – wie ab nächster Woche in der Kulturbrauerei. Die Märkte mischen die Imbisskultur in Berlin ordentlich auf.

Die Frau, die die Streetfood-Szene entscheidend nach vorn gebracht hat, ist Kavita Meelu. Die 31-Jährige hat den Streetfood Thursday mitbegründet. „Als ich vor sechs Jahren aus London hierher kam, habe ich Berlin kulturell als total offen erlebt. Aber die Gastronomieszene kam mir doch recht angestaubt vor – Schnitzel und weiße Tischdecken.“

Was ihr fehlte: die Leidenschaft fürs Essen. Dass die vielen Einwanderer, die hier leben, ihre Küchen präsentieren können. Oft fanden solche kulinarischen Treffen zwar in privatem Kreis zu Hause statt – mit authentischer Küche, besser als in jedem Restaurant.

Doch Meelu wollte mehr, sie wollte die multikulturelle Vielfalt der Hauptstadt an einen großen Tisch bringen. Essen als Integrationsmodell, wenn man so will. Zunächst startete sie den Supperclub „Mother’s Mother“ und ließ einmal im Monat Hobbyköche aus aller Welt für eine Gruppe von 30 Gästen kochen. Auf die Teller kam das Lieblingsgericht ihrer Mütter oder Großmütter. Die Nachfrage war riesig, bald schon mussten die Teilnehmer ausgelost werden.

„Es gibt in dieser Stadt so viele junge Köche, die sich ausprobieren wollen, ohne gleich das große finanzielle Risiko eines Restaurants stemmen zu können“, sagt Kavita Meelu, die als Tochter indischer Eltern in England geboren wurde.

Essen, das auch ein Stück Lebensgeschichte erzählt

Für diese Köche sind Märkte wie der Streetfood Thursday mit ihren kleinen Ständen die ideale Plattform. Dahinter steckt mehr als reiner Konsum, wie Nikolaus Driessen von der Markthalle Neun betont: „Wir wollen bessere Lebensmittel, und andere für dieses Thema begeistern.“ Essen mit gutem Gewissen – da ist der trendbewusste Hauptstädter zur Stelle.

Wenn ein Ramen-Burger dann acht Euro kostet, erscheint das erst mal viel. Die Macher halten jedoch dagegen, dass die eingesetzten Produkte hochwertig sind, oft aus der Region stammen – und dass sie alles selbst machen. Oft erzählt das Essen auch ein Stück Lebensgeschichte.

Zum Beispiel die von Tom Klemann. Seine taiwanesischen Teigtaschen von Bao Kitchen sind nach dem Rezept seiner Großmutter gemacht. In neun Ländern hat Tom schon gelebt, auch in Taiwan. Dort hat er die Straßenküche kennengelernt, war auf den berühmten Nachtmärkten, die stinkenden Tofu, Fisch am Stiel und andere landestypische Spezialitäten offerieren. Tom will bald ein eigenes Lokal eröffnen. Dass sein Essen beim Streetfood Thursday so gut angekommen ist, hat ihm den dafür nötigen Mut gegeben.