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„The Voice of Germany“: Ivy Quainoo kann nur gewinnen

Auftritt mit Stretch-Limousine: Ivy Quainoo auf dem Pariser Platz.

Auftritt mit Stretch-Limousine: Ivy Quainoo auf dem Pariser Platz.

Foto:

BrauerPhotos / Neugebauer

Berlin -

Es ist gar nicht so leicht, den Anforderungen an einen Star gerecht zu werden. Am Mittwochvormittag gab es auf dem Pariser Platz riesiges Gedrängel, lautes Geschrei und peinliches Geschubse. Kim Sanders, Ivy Quainoo, Max Giesinger und Michael Schulte sollten fotografiert werden. Angesichts der herrschenden Temperaturen und der notorischen Ruppigkeit von Pressefotografen ein zweifelhaftes Vergnügen.

Doch natürlich stellten sich die vier brav auf und ließen sich nach Belieben hin und her dirigieren. Schließlich sind sie die letzten Verbliebenen der Castingshow „The Voice of Germany“, die am Freitag ihr Finale findet (20.15 Uhr, Sat1).

„Sehr entertainig“

Mit diesem Finale findet ein Showformat ein Ende, von dem Pro Sieben/Sat1-Unterhaltungschef Wolfgang Link am Mittwoch sagte, es habe „die Fernsehlandschaft verändert“. Nun darf man über den Zustand dieser Landschaft verzweifeln, wenn es ausreicht, dass in einer Casting-Show fähige Kandidaten von fairen Juroren bewertet und fachkundig begleitet werden. Link sagte noch, Respekt und Anstand stünden bei „The Voice“ ganz oben, Spaß und Freude auch und doch sei die Show „sehr entertainig“.

Tatsächlich scheint ihm die Resonanz recht zu geben. Die Quoten in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen pendelten zwischen 15 und 20 Prozent (zum Vergleich: Die Sender kommen im Jahresdurchschnitt auf 11,6 Prozent). Mehr als 50 Millionen Mal sei die Show-Homepage schon angeklickt worden, sagte Link, auf Facebook verfolgten 400 000 Anhänger das Geschehen. Die Produktionshalle des Studios Berlin in Adlershof ist seit Beginn der Liveshows Anfang Januar jedes Mal ausverkauft.

Diese Resonanz mache sie stolz, sagt Ivy Quainoo, einzige Berlinerin unter den Finalisten. Die Deutsch-Ghanaerin ist eine der Überraschungen bei der Show. Bei ihr konnten die Fernsehzuschauer über Monate große Veränderungen beobachten. Aus einem zurückhaltenden Teenager, der in der Masse kaum auffiel, ist eine selbstbewusste Künstlerin geworden.

Arbeit, Arbeit, Arbeit

Noch vor anderthalb Monaten antwortete sie auf die Frage, ob sie gewinnen könne: „Wahrscheinlich nicht.“ Am Mittwoch klang sie schon kesser, aber immer noch hübsch geerdet. Sie wolle gewinnen, um von „der Anerkennung der Leute da draußen“ etwas zurückzugeben. Sie sagte nicht, dass sie etwas besser könne als die anderen, sie vielleicht sogar einen Vorsprung habe – was angesichts der gestandenen Musikerin Kim Sanders und der ebenso gesangsbegabten männlichen Konkurrenz (Schwiegermutterliebling Michael Schulte und Berufs-Badenser Max Giesinger) wohl auch vermessen wäre.

Ivy Quainoo will die Chance nutzen. Gefragt, was sie tun würde, wäre sie bereits ausgeschieden, sagte sie: „Ich wollte Gesang studieren. Das hätte ich dann gemacht.“ Bereits während ihrer Schulzeit und erst recht nach ihrem Abitur am Schiller-Gymnasium in Charlottenburg vorigen Sommer hat die 19-Jährige die Bühnenkunstschule in Kreuzberg besucht. Bei „The Voice“ gehört sie dem Team der Berliner Country-Coverband BossHoss an. Deren Management hat sie unter ihre Fittiche genommen, Songs und Bühnenpräsenz geprobt, Tipps gegeben, für Garderobe gesorgt. Ivy Quainoo kann eigentlich nur gewinnen.

Dafür sind die Tage vor den Shows intensiv. Die Kandidaten wohnen in einem Hotel in Friedrichshain, von wo sie täglich ins Studio gefahren werden. Schließlich trägt jeder Kandidat im Finale am Freitag, wenn nur noch das Publikum über Sieg und Niederlage entscheidet, drei Lieder vor: allein, mit seinen Coaches und mit einem Gast-Star (in Ivys Fall ist dies die britische Band Florence And The Machine). Das bedeutet Arbeit, Arbeit, Arbeit – und da bleibt kaum Zeit für Freunde und Familie.

Von Star-Rummel könne bisher nicht die Rede sein, „ich bin aus Berlin, hier fällt man nicht so schnell auf“, erzählt sie. Wobei: Am Dienstag hatte sie einen Termin bei einem Radiosender in Charlottenburg, um die Ecke ihrer alten Schule. „Da waren Siebtklässler, die wollten Autogramme. Von mir.“