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0 Uhr 30: Der Hobbit aus der U7

Ringe im Schlund des Feuerbergs zu zerstören scheint für Hobbits eine leichtere Aufgabe zu sein, als Münzensammeln in der Berliner U-Bahn.

Ringe im Schlund des Feuerbergs zu zerstören scheint für Hobbits eine leichtere Aufgabe zu sein, als Münzensammeln in der Berliner U-Bahn.

Foto:

dpa-Film Warner

Berlin -

Müde Gesichter kurz nach Mitternacht in der U7. Zwei Männer telefonieren, zwei Frauen wischen auf ihren Smartphones herum, eine andere streicht sich durch ihre langen feuerrot gefärbten Haare. Die eine Seite hat sie abrasiert – der immer wiederkehrende Hipster-Style namens Undercut. Gelangweilt nutzt sie ihr Telefon als Spiegel, prüft, ob jedes Haar die richtige Seite gefunden hat.

An der Yorckstraße springt ein kleiner dicker Mann in die Bahn. Er zieht einen Rollkoffer mit einem cornflakesschachtelgroßen Verstärker hinter sich her. Er erinnert mich an einen Hobbit aus „Herr der Ringe“.

Breit grinsend drückt er auf „Play“, zückt seine Trompete und trötet los. Die Feuerrote rollt mit den Augen. Der Verstärker krächzt, der Bläser tanzt. Dann setzt er seine Trompete ab, läuft hopsend durch das Abteil, fängt an zu singen: „Hit the road Jack and don't you come back no mooooore“.

Die Rothaarige wirft ihre halbe Mähne nach hinten, fasst sich genervt an die Stirn. Die anderen Fahrgäste bestrafen den Musiker mit Ignoranz. „Noch ein zweites Lied“, ruft er, lacht und macht weiter. Er wedelt mit seinem Pappbecher unter meinem Kinn. Ich will ihm Geld geben, weil ich ihn so furchtbar finde, dass ich ihn schon wieder gut finde. Doch ich habe keine einzige Münze.

Nur einen Schlüssel, ein Plektrum und zwei tschechische Kronen finde ich in meinem Münzfach. Traurig gucke ich ihn an. Er lacht, hopst zurück zu seinem Rollkoffer, springt aus der Bahn. Keiner hat ihm was gegeben. Geknickt steige ich am Südstern aus. Ab jetzt: Extra Münzen für Hobbits sammeln. Oder doch lieber Ringe?