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18. Jüdisches Filmfestival Berlin & Potsdam: Jüdisches Filmfestival mit „Max Raabe in Israel“

Max Raabe war mit seinem Orchester in Israel. Auf der Gastspiel-Reise ist ein Film entstanden, und der wird jetzt auf dem Festival gezeigt.

Max Raabe war mit seinem Orchester in Israel. Auf der Gastspiel-Reise ist ein Film entstanden, und der wird jetzt auf dem Festival gezeigt.

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Christian Schulz

Berlin -

Wenn Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck Berlin lobt, folgt der Schmeichelei oft eine grinsend vorgetragene Boshaftigkeit. Am Montagabend im Hans-Otto-Theater Potsdam war es wieder so weit. Vor Stolz darüber, die Eröffnung des 18. Jüdischen Filmfestivals Berlin in die Landeshauptstadt Brandenburgs gelockt und damit eine Ergänzung des Festivalnamens um den Zusatz „& Potsdam“ veranlasst zu haben, platzte Platzeck fast. Und brachte erst am roten Teppich und dann auch drinnen in seiner Eröffnungsrede seine liebste Frechheit gegen die Bundeshauptstadt an: „Berlin ist bedeutend, aber Potsdam ist schön!“

Der Start des Festivals war extra um einen Tag verschoben worden, damit die Hauptperson des Eröffnungsfilms anwesend sein konnte. Nicola Galliner, die Direktorin des 18. Jüdischen Filmfestivals, die von Moderator Knut Elstermann als die „Mutter Courage des jüdischen Kinos“ angesagt wurde, wollte unbedingt Max Raabe als Ehrengast zur Eröffnung mit dem Dokumentarfilm „Max Raabe in Israel“ begrüßen. Der Sänger und sein Palastorchester aber standen am Sonntagabend noch in Weimar auf der Bühne und sind für einen Auftritt am Donnerstag in Moskau gebucht.

Jüdische Texter und Komponisten am Leben erhalten

Also wurde der Festivalauftakt am Montagabend gefeiert. Auch Raabe lag viel daran, bei der Premiere des Films, der bei seinem Gastspiel in Israel im Jahr 2010 entstand, dabei zu sein. Wenn der Protagonist fehlt, wird das schnell als Distanzierung vom Film interpretiert (was ja oft genug auch genau so verstanden werden muss). Raabe bekannte sich im Gegensatz dazu auf Sängerart zum Film: Mit Gesang. Direkt nach der Filmvorführung trat er auf.

Für Raabe und seine Musiker war die kleine Tour durch Israel mit ihren Konzerten in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem eine heikle Mission. Schließlich singt er seine Lieder auf Deutsch, in der Sprache also, die viele Holocaust-Überlebende nie wieder hören wollten. Es hat schon so manchen Eklat bei Auftritten anderer Künstler in Israel gegeben. Raabe erinnert sich: „Auf dem Flug nach Israel habe ich gedacht: Hoffentlich geht alles gut. Und es ging dann ja auch alles gut.“ Besonders berührend fand er die Gespräche nach den Konzerten, bei denen er Menschen kennenlernte, die gern in Deutschland geblieben wären, aber von den Nazis vertrieben wurden. Seinen Gesamteindruck von Israel umschreibt er so: „Ein wunderschönes Land mit sehr herzlichen Menschen.“

Raabe hält durch seinen Gesang Schlager und Couplets jüdischer Texter und Komponisten am Leben, von denen viele durch die Nazis verfolgt, vertrieben oder getötet wurden. Er wurde 2010 von einem Drehteam im Auftrag der Produktionsfirma Shark TV von Sönke Wortmann begleitet. Neben Aufnahmen von den Auftritten fingen die Fimemacherinnen Brigitte Bertele, Julia Willmann und Sabine Scharnagl auch welche ein, die einen Max Raabe zeigen, den man in der Öffentlichkeit bisher nicht kannte: Ohne Frack beim Bad im Toten Meer oder an der Klagemauer.

Nach dem Start im Hans-Otto-Theater und vier Tagen im Filmmuseum Potsdam wird das Jüdische Filmfestival im Berliner Kino Arsenal weitergehen. Zum Abschluss sollen am 17. Juni in den Kinos Eiszeit, Toni und Filmkunst 66 je zwei Höhepunkte des Festivalprogramms laufen.

„Mehr Juden ins Kino“

Neben Schirmherr Matthias Platzeck hält sich das Jüdische Filmfestival in diesem Jahr – man kann schließlich nicht genug Unterstützer haben – mit den Schauspielern Meret Becker und Richy Müller zwei Paten. Müller beschreibt seine Funktion so: „Präsenz zeigen!“ Festivaldirektorin Nicola Galliner provoziert 2012 mit dem Festivalplakat „Mehr Juden ins Kino“ und erklärt die Motivation: „Ein wichtiges Anliegen des Festivals ist und war immer, den Anteil jüdischer Filme, Filmemacher und Themen erneut in der Filmlandschaft in Deutschland zu stärken.“ Wolf Biermann, der wie Günther Jauch und Rolf Eden zu den Eröffnungsgästen gehörte, hält den Slogan für ein gutes Zeichen: „Schön, dass man solche frechen Witze wieder machen kann. Das spricht für Deutschland und das spricht für die Leute, die das hier organisieren.“

So viele Filme, wie bei der 18. Ausgabe des Festivals, bot das Programm noch nie: 25 Lang- und fünf Kurzfilme werden diesmal gezeigt. Zwölf der Filme sind deutsche Produktionen oder Ko-Produktionen. Andere stammen aus Israel, den USA, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Zehn der Filme werden als Deutschlandpremieren gezeigt.



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