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Berliner Zeitung | 25. Todestag des ehemaligen Tierparkdirektors: Das Erbe von Tierpark-Gründer Dathe lebt
05. January 2016
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25. Todestag des ehemaligen Tierparkdirektors: Das Erbe von Tierpark-Gründer Dathe lebt

Heinrich Dathe mit Löwen im Büro. So machte man das damals.

Heinrich Dathe mit Löwen im Büro. So machte man das damals.

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freunde hauptstadtzoos

In der DDR kannte ihn jedes Kind: Professor Dathe, Gründungsdirektor des Berliner Tierparks Friedrichsfelde. Für Leser mit Westsozialisation so viel: Heinrich Dathe war der „Grzimek des Ostens“. Durch seine Sendungen „Teletreff“ und „Im Tierpark belauscht“, die über Jahrzehnte in Funk und Fernsehen der DDR liefen, genoss er weit über Berlin hinaus große Popularität.

An diesem Mittwoch jährt sich zum 25. Mal sein Todestag. Aus diesem Anlass gibt es eine offizielle Kranzniederlegung an seinem Ehrengrab in Karlshorst. Curt Heinrich Dathe wurde am 7. November 1910 in Reichenbach im Vogtland geboren. Als er 14 war, zog seine Familie nach Leipzig, wo er ab 1930 Zoologie, Botanik und Geologie studierte. 1934 wurde er Assistent im Zoo Leipzig und 1940 Stellvertretender Direktor des Zoos.

1954 kam Dathe nach Berlin, um im Schlosspark Friedrichsfelde einen Tierpark für den Ostteil Berlins aufzubauen. Der traditionsreiche Berliner Zoo war durch die Teilung der Stadt im Westteil beheimatet. Schon 1955 konnte die Eröffnung auf den ersten 60 Hektar gefeiert werden. Tausende Berliner hatten in zahllosen freiwilligen Aufbaustunden geholfen, den verwilderten Park herzurichten. Heute ist der Tierpark in Lichtenberg mit seinen 160 Hektar der größte Landschaftstiergarten Europas.

35 Jahre Tierparkdirektor

35 Jahre, bis Ende 1990, leitete Heinrich Dathe den Tierpark und erwarb sich international große Reputation unter den Zoologen. Kurz nach seinem 80. Geburtstag war er vom Senat in den zwangsweisen Ruhestand versetzt worden. Sein Sohn Falk Dathe, heute Zoologischer Leiter im Tierpark, erinnert sich: „Das Aufhören an sich war nicht das Problem, aber die Art und Weise war nicht fein.“ Wenige Wochen nach der Kündigung starb der Vater.

Trotz des hohen Alters war Heinrich Dathe in seinem letzten Lebensjahrzehnt noch überaus produktiv, erzählt Falk Dathe. Er publizierte viel und realisierte in den 80er-Jahren mit der Pinguinanlage und dem Krokodilhaus wichtige Neubauten für den Tierpark.

Der 64-jährige Falk Dathe, der im Tierpark groß geworden ist, berichtet von einem Empfang, von dem sein Vater hungrig nach Hause zurückkehrte: „Mutter fragte ihn, warum er nicht gegessen habe. Da sagte er, dazu sei keine Zeit gewesen. Er hatte Leute getroffen, denen er die Freigabe von zwei riesigen Gewächshäusern abringen konnte, die er für das Krokodilhaus brauchte. Gewächshäuser waren in der DDR Mangelware und wurden dringend für die Gemüseversorgung der Bevölkerung gebraucht. Aber so lief das damals eben.“

Noch neun Tiere aus Dathes Zeit

Maria Rückert, die ihn als Rundfunkreporterin Karin Rohn jahrzehntelang im Tierpark begleitet hatte, erinnert sich auch gern an den Charme und die Überzeugungskraft „ihres Prrrofessors“. „Die Idee zu unserer Sendung kam von ihm“, erzählt die 86-Jährige, „er ging auf den Berliner Rundfunk zu, nicht umgekehrt. Und er hielt durch – 35 Jahre lang, Woche für Woche. Immer gut gelaunt und stets leicht sächselnd.“

Im Tierpark gibt es noch neun Tiere, die dort schon zu Zeiten von Heinrich Dathe lebten. Drei sind auf dieser Seite abgebildet: Alligator Mao, Nashorn Belur, Eisbärin Aika. Weiterhin „kannten“ den Professor noch fünf Elefanten, darunter Kewa, die am Neujahrstag ein Baby bekommen hat, sowie der Tibetanische Halbesel Mira, geboren am 26. Juni 1987 in Friedrichsfelde.