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85 Jahre Konnopke's in Berlin-Prenzlauer-Berg: Die Currywurst-Dynastie aus dem Osten

Von Generation zu Generation: Mutter Waltraud Ziervogel, geb. Konnopke (r.), und ihre Tochter Dagmar Konnopke.

Von Generation zu Generation: Mutter Waltraud Ziervogel, geb. Konnopke (r.), und ihre Tochter Dagmar Konnopke.

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Christian schulz (2)

Na, wo gibt’s die beste Currywurst der Stadt? Bei Konnopke’s an der Schönhauser? Bei Curry 36 am Mehringdamm oder am Zoo? Bei Bier’s am Kudamm 195 oder in Lange’s Imbiss an der Holzhauser in Reinickendorf? In der Curry Baude am Gesundbrunnen oder bei Witty’s am Wittenbergplatz mit seinen Bio-Produkten? Bei Krasselt’s am Steglitzer Damm? Bei Curry mit Biss am Europa-Center? Bei Curry mit Chili an der Osloer in Wedding? Oder doch in der Bratpfanne an der Schlossstraße? Ein endgültiges Urteil muss naturgemäß ausbleiben. Und eines ist ganz sicher: Die Liste guter Imbisse wird damit garantiert nicht vollständig sein, auch wenn hier eine Auswahl aus einschlägigen Gastro-Ranglisten versammelt ist.

Zumindest sollte geklärt sein, wer in Berlin auf die längste Tradition zurückblicken kann. Am Montag wurde unter dem Hochbahnviadukt der U2 an der Schönhauser Allee ein Buch vorgestellt: „Konnopke’s Imbiss – Das Original in Berlin seit 1930“. Seit 85 Jahren also wird dort heiße Wurst an den schnellen Esser gebracht.

Die Ersten im Osten

Nun ist die Entstehungsgeschichte der Currywurst nicht zweifelsfrei geklärt. Eingebürgert hat sich die Theorie, nach der Imbissbetreiberin Herta Heuwer im September 1949 als erste in einer Bude in Charlottenburg ihre Würste in Curry-Soße tunkte. Mindestens so wahrscheinlich ist, dass zu der Zeit gleich mehrere Gastronomen nach einem Ersatz für den nachkriegsbedingt knappen Ketchup suchten und dabei mit unterschiedlichen Gewürzmischungen experimentierten. Wie auch immer – in Ost-Berlin jedenfalls, so heißt es, war Konnopke’s der erste Imbiss mit Currywurst. 1960 sei das gewesen.

Heute führen Waltraud Ziervogel und ihre Tochter Dagmar Konnopke den Laden, den einst Waltrauds Vater Max Konnopke gegründet hat. Gestern wurde mit viel Publikum, Luftballons, Blumen und Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“ 85. Geburtstag gefeiert.

Vegan ist nicht der Renner

Die beiden Chefinnen ließen zu dem Anlass die Zeiten Revue passieren – während ihre Angestellten ungerührt eine Curry nach der anderen auf Porzellantellern durch die Futterluke reichten. Dabei wurde rasch klar, dass die beiden Frauen die Feier zwar gerne mitnehmen, mit purer Nostalgie aber ansonsten wenig am Hut haben. Natürlich habe sich in den vergangenen Jahrzehnten viel verändert, sagen beide. Doch man habe immer versucht mit der Zeit zu gehen. So haben sie heute sogar eine vegane Wurst im Angebot. Noch aber sei sie kein Renner, berichtete Dagmar Konnopke.

Ihre Mutter spricht über ein Thema ausgesprochen ungern: die Sache mit ihrem Sohn Mario Ziervogel, ebenfalls ein Spross aus der Brater-Dynastie. Mario hat, nach zwei Jahrzehnten im Familienunternehmen, seinen eigenen Laden aufgemacht, ein paar hundert Meter die Schönhauser runter Richtung Alex. Einen U-Bahnhof weiter, am Senefelderplatz, betreibt er seit drei Jahren das „Ziervogel’s Kult-Curry“, einen Imbiss in einem festen Haus. Das allein hätte Mutter Waltraud Ziervogel möglicherweise noch hingenommen, sagte sie („Dann macht halt jeder seins“), wenn auch seine Klage vor dem Arbeitsgericht nicht bei der gesamten Familie gut ankam. Dass aber Mario seinem Laden den Beinamen „Currywurst seit 1960“ gab, brachte beide erneut vor Gericht. Damals habe Mario ja noch gar nicht gelebt. Ergebnis: Der Sohn benutzt den Zusatz „Currywurst seit 1960“ nicht mehr.