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Achard-Grundschule in Kaulsdorf: Berlin verschläft Schulsanierung – Abriss nötig

An der Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf ist kein Unterricht mehr möglich.

An der Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf ist kein Unterricht mehr möglich.

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imago/OR

Dieser Fall ist einzigartig. Er offenbart die fehlenden Investitionen in Schulsanierungen besonders drastisch. Jahrelang verfiel das gut 100 Jahre alte Gebäude der Carl-Franz-Achard-Grundschule in Kaulsdorf. Getan wurde dagegen viel zu wenig, eine Sanierung fand nie statt.

Das Ergebnis: Der jahrelang hingenommene Hausschwamm-Befall hat das Gebäude derart beschädigt, dass es einsturzgefährdet ist. Anfang September hatte das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf das Gebäude nur drei Tage nach Schuljahresbeginn eiligst geräumt. Jetzt muss die Schule abgerissen werden.

Abriss kostet 800.000 Euro

„Eine Sanierung des Altbaus würde sechs Jahre dauern und bis zu zehn Millionen Euro kosten“, sagte Bürgermeister Stefan Komoß (SPD). Stattdessen wird der Bau nun für 800.000 Euro abgerissen, bis Ende 2017 soll ein sogenannter modularer Ergänzungsbau mit 24 Klassenräumen entstehen. Der kostet gut fünf Millionen Euro und war eigentlich für die Schiller-Schule geplant. „Diese Option ist am schnellsten und am günstigsten“, so Komoß.

Es ist ein Paradigmenwechsel beim Bau von öffentlichen Schulen in Berlin. Erstmals wird ein komplettes Schulgebäude im Wesentlichen aus vorgefertigten Modulen in Leichtbauweise errichtet. Bisher wurden solche Modulbauten nur aufgestellt, um Schulbauten aus Stein oder Beton zu ergänzen.

In Kaulsdorf gibt es daneben nur noch einen modernen Hortbau. Werden die Schulgebäude des 21. Jahrhunderts in Berlin vornehmlich aus vorgefertigten Materialien hergestellt, weil es die Bezirksämter nicht mehr schaffen, massive Neubauten zügig zu planen und zu finanzieren? Es sieht ganz danach aus.

Kinder müssen zehn Kilometer langen Schulweg zurücklegen

In Kaulsdorf bringt das Ganze erhebliche Belastungen für die Schüler und Eltern mit sich. Die Grundschüler werden seit September täglich mit Bussen in die zehn Kilometer entfernte Marcana-Gemeinschaftsschule nach Marzahn-Nord gebracht. Diese teure Fahrerei wird nun noch zwei Jahre lang weitergehen.

Doch auch die Marcana-Schule ist teilweise unsaniert, die dortigen Schüler müssen nun länger in einem maroden Gebäudeteil ausharren, weil die „Gastschüler“ aus Kaulsdorf den sanierten Schulteil bezogen haben. Nun dürfen sie erst in zwei Jahren umziehen. „Das lähmt die Entwicklung der ganzen Schule“, sagte ein Elternvertreter der Schule.

Bezirksbürgermeister Komoß mahnt indes mehr Geld für Schulgebäude an. „Bisher erhält ein Bezirk nur gut ein Prozent des angenommen Gebäudewerts zur baulichen Unterhaltung“, sagt er. Und verweist auf Bauexperten, die mindestens 50 Prozent mehr Geld fordern. Insgesamt haben alle Bezirke einen Sanierungsstau von nahezu zwei Milliarden Euro für ihre öffentlichen Schulgebäude angegeben.

Knöterich wächst durch die Wand

Die Bildungsverwaltung ist bemüht, die tatsächlichen Kosten systematisch zu erfassen. Oft fehlt es Bezirksämtern auch an Ingenieuren, um anstehende Baumaßnahmen zu bearbeiten. Neueste Bestimmungen etwa zum Brandschutz verteuern Projekte weiter. Im Fall der Achard-Schule sorgten verschiedene Gutachter mit unterschiedlichen Befunden für zusätzliche Verwirrung.

Neben der Achard-Schule in Kaulsdorf steht auch das Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz exemplarisch für den Verfall von Berliner Schulbauten. Dort kommt erschwerend hinzu, dass das Gebäude mit Spitzdächern und Türmchen denkmalgeschützt ist, also besonders aufwendig saniert werden muss. Der Putz bröckelt, einige Bereiche sind abgesperrt. Die prognostizierten Sanierungskosten liegen derzeit bei mindestens 13 Millionen Euro.

Der neue Schulleiter Andreas Steiner ist dennoch verhalten optimistisch, dass sich bald endlich etwas tut. Denn die Senatsveraltung für Stadtentwicklung hat das Bauvorhaben an sich gezogen, die Bauplanung soll europaweit ausgeschrieben werden. 2017 ist mit der Baubeginn vorgesehen – wenn das Gebäude dann noch intakt ist.

In Steglitz-Zehlendorf sammelt der Bezirkselternausschuss indes wieder Material für einen Adventskalender der maroden Schulen. Bereits jetzt machen Fälle wie die der Alt-Lankwitzer Grundschule die Runde, wo Knöterich und Efeu durch die Wand wachsen.