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Berliner Zeitung | Ämter-Chaos in Friedrichshain-Kreuzberg: Bezirk schließt Elterngeldstelle
06. August 2014
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Ämter-Chaos in Friedrichshain-Kreuzberg: Bezirk schließt Elterngeldstelle

Eltern müssen manchmal geduldig sein, nicht nur wenn die Kinder scheinbar beim Spaziergang ohne Grund schreien.

Eltern müssen manchmal geduldig sein, nicht nur wenn die Kinder scheinbar beim Spaziergang ohne Grund schreien.

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dpa

Berlin -

Erneut verzögert sich die Auszahlung des Elterngeldes, das Mütter oder Väter erhalten, die nach der Geburt eines Kindes erst einmal zu Hause bleiben. Dieses Mal trifft es den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die dortige Elterngeldstelle bleibt bis zum 29. August geschlossen, die Sprechstunden vor Ort fallen so lange aus. „Wir müssen erst einmal unsere Rückstände aufarbeiten“, bestätigte die stellvertretende Jugendamtsdirektorin Katinka Beber.

Derzeit würde es leider 12 bis 14 Wochen dauern, ehe die Anträge bearbeitet seien und das Geld überwiesen werde. Eigentlich soll dies spätestens innerhalb von acht Wochen geschehen, denn sonst wird es für viele Familien finanziell eng. Neue Anträge können Eltern nur in den Hausbriefkasten im Rathaus an der Frankfurter Allee stecken oder per Post senden. An drei Wochentagen gibt es vormittags eine telefonische Sprechstunde.

Immer wieder müssen Elterngeldstellen oder auch Bürgerämter wegen Überlastung vorübergehend schließen. Für besonderes Aufsehen sorgte die Elterngeldstelle von Charlottenburg-Wilmersdorf, die ab November 2012 wegen Überlastung monatelang geschlossen wurde. Vor den Sommerferien im vergangenen Jahr mussten Mütter und Väter dort sogar ganze 22 Wochen auf ihr Elterngeld warten.

Viele Bezirkspolitiker machen den anhaltenden Stellenabbau in den Ämtern verantwortlich für die Überlastung. Allerdings gibt es auch Elterngeldstellen, die zügig arbeiten, zum Beispiel das Amt in Mitte, so dass vieles auch eine Frage der Organisation zu sein scheint.

Susanne Graf von der Piraten-Fraktion im Abgeordnetenhaus, mahnt, dass selbst die durchschnittliche Bearbeitungsdauer von acht Wochen pro Antrag zu lang sei. „Vor allem Geringverdiener und Alleinstehende geraten nach der Geburt schnell in finanzielle Engpässe“, sagte sie und forderte, wenigstens 300 Euro direkt nach der Geburt eines Kindes auszuzahlen.

Väter oder Mütter erhalten zwei Drittel des bisherigen Nettolohnes als Elterngeld, maximal 1800 Euro monatlich. Dies ist über einen Zeitraum von höchstens 14 Monaten möglich, wenn beide Elternteile gleichzeitig oder nacheinander eine Auszeit vom Beruf nehmen.

In Friedrichshain-Kreuzberg sind acht Mitarbeiter in der Elterngeldstelle beschäftigt, manche in Teilzeit. Nun hat eine weitere Mitarbeiterin Elternzeit genommen, eine andere arbeitet nach dem Hamburger Modell Teilzeit. Man könnte Mitarbeiter von der Kita-Gutschein-stelle in die Elterngeldstelle umsetzen, sagt Katinka Beber. Aber auch dort sei der Bedarf wegen der vielen Kleinkinder größer geworden.