01.11.2011

Ärzte schlagen Alarm: Katastrophale Zustände in Berliner Kliniken

Von Benedikt Paetzholdt
Operationsaal in Berlin: In den Krankenhäusern in der Hauptstadt haben Ärzte oft hundert Überstunden und mehr zu leisten. Darunter leiden die Patienten.
Operationsaal in Berlin: In den Krankenhäusern in der Hauptstadt haben Ärzte oft hundert Überstunden und mehr zu leisten. Darunter leiden die Patienten.
Foto: dpa
Berlin –  

Berliner Ärzte schlagen Alarm: Die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern werden immer schlechter. Die Patienten haben darunter zu leiden.

Wer als Patient in ein Berliner Krankenhaus geht, möchte gut behandelt werden und wieder nachhause gehen, wenn er gesund ist. So sollte es sein. Doch  im Alltag sieht es nach Aussage  von Günther Jonitz,  Präsident der Berliner Ärztekammer, ganz anders aus. „In vielen Krankenhäusern geht es mittlerweile nur noch um die Rendite und den ökonomischen Erfolg. Das hat zur Folge, dass immer weniger Ärzte in immer kürzerer Zeit immer mehr Patienten versorgen müssen.“ Die Folge sei, dass die Qualität der Patientenversorgung in den letzten Jahren Zentimeter um Zentimeter gesunken sei.

Um auf die Probleme in Berliner Krankenhäusern hinzuweisen, präsentierte Jonitz, stellvertretend für die Delegiertenversammlung des Marburger Bundes Berlin Brandenburg, am heutigen Dienstag  Anforderungen an den „Arbeitsplatz Krankenhaus“ aus ärztlicher Sicht.

Die Vertreter des Marburger Bundes fordern zudem Patienten auf, sich über eine schlechte Behandlung zu beklagen. Wenn die Beschwerden zunähmen, könne sich die Politik diesem Problem nicht verschließen.
Die Vertreter des Marburger Bundes fordern zudem Patienten auf, sich über eine schlechte Behandlung zu beklagen. Wenn die Beschwerden zunähmen, könne sich die Politik diesem Problem nicht verschließen.
Foto: dpa

„Was wir fordern, mag wie eine Selbstverständlichkeit klingen, doch das ist es leider nicht“, sagt er. So weist der Bund darauf hin, dass eine humane Behandlung der Patienten nur durch humane Arbeitsbedingungen wie geregelte Arbeitszeiten möglich ist. Zudem sei es dringen erforderlich, dass auf jeder Station ein Untersuchungs- und Beratungszimmer einzurichten sei, in dem ein vertrauliches Verhältnis zwischen Arzt und Patient entstehen kann. Die Ärztevertreter fordern außerdem, eine Qualitäts- und Kostentransparenz herzustellen.

Bis zu 400 Überstunden

 Um die schlechten Arbeitsbedingungen zu untermauern, verweist Kilian Tegethoff, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Berlin Brandenburg im Marburger Bund auf einen Dienstplan, den er in einer Abteilung der Charité vorgefunden habe. Bei 60 Prozent der Ärzte betrage das Überstundenkonto mehr als hundert Stunden. Bei den Oberärzten sehe die Lage noch dramatischer aus. Hier stehen teilweise bis zu 400 Überstunden zu Buche. „Wenn die Ärzte diese Überstunden mit Urlaub ausgleichen, fehlen sie 10 Wochen. Da bricht der ganze Klinikbetrieb zusammen“, sagt Tegethoff.

Im Hinblick auf die Unterversorgung bestünden zwischen den kommunal geführten und privat geführten Kliniken kaum Unterschiede, sagt Jonitz. Bei den fächerübergreifenden Bereitschaftsdiensten werde das Problem besonders deutlich: „Eigentlich sollte ein Nervenarzt Patienten mit entsprechenden Leiden behandeln. In der Bereitschaft muss dieser jedoch als Internist agieren, ein Urologe wird kurzerhand zum Chirurg“, sagt er. Es sei sogar schon vorgekommen, dass ein Urologe bei einem Kaiserschnitt helfen musste.

Die Vertreter des Marburger Bundes fordern zudem Patienten auf, sich über eine schlechte Behandlung zu beklagen. Wenn die Beschwerden zunähmen, könne sich die Politik diesem Problem nicht verschließen.

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