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Agrar-Demo: Kreuzberg schnippelt Möhren

Gemüse schnippeln für Protestsuppe: Passt irgendwie zu Kreuzberg.

Gemüse schnippeln für Protestsuppe: Passt irgendwie zu Kreuzberg.

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dpa

Berlin -

Mütter von Halbwüchsigen klagen ja oft über das Desinteresse ihrer Kinder an Küchenarbeit. Am Freitagabend können sie sich in der Markthalle IX in Kreuzberg eines Besseren belehren lassen: Dort werden ab 18 Uhr bis zu 400 junge Leute hingebungsvoll und ausdauernd Gemüse putzen. Eine Tonne Karotten, Kartoffeln, Rüben und Kohl werden zerkleinert – bei der Schnippeldisko, bei der zwei DJs auflegen und so die jungen Leute bei Laune halten. Das Gemüse, das brandenburgische Bauern spenden, wird für einen Eintopf benötigt. Dieser wird am Sonnabend bei der Agrar-Demo für gutes Essen und gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft ausgeteilt, zu der anlässlich der Grünen Woche bis zu 25.000 Teilnehmer erwartet werden.

Die Markthalle IX an der Eisenbahnstraße versteht sich als eine Art Stützpunkt für eine nachhaltige Landwirtschaft. Eine, die verantwortlich mit Ressourcen umgeht und auf Qualität von Lebensmitteln setzt. Fast alles, was dort verkauft wird und in den Kochtopf kommt, stammt aus der Region. Dafür sorgt auch der Kooperationspartner der Hallenbetreiber, die Organisation Slow Food, die sich für die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt einsetzt. In Berlin hat Slow Food etwa 700 Mitglieder, bundesweit sollen es 13 000 sein.

Nadja Flohr-Spencer koordiniert die Jugendarbeit von Slow Food. Die Schnippeldisko gehört zu ihren Aktionen. Die erste 2012 war sogar ein Exportschlager, sagt sie: „Da waren junge Franzosen dabei, die inzwischen sieben ähnliche Aktionen in Frankreich durchgeführt haben.“

Auch gemeinsames Essen gehört zu den Grünen Tagen in der Markthalle IX. Am Sonnabend gegen 7 Uhr kommen Busse mit rund 300 Bauern aus Bayern dort an. Bei einem Bauernfrühstück will man sich stärken, ehe es zur Agrar-Demo (Beginn um 11 Uhr am Hauptbahnhof) geht. Gegen einen kleinen Obolus kann jeder mitfrühstücken.