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Aktion für Flüchtlinge in Berlin: Mauerkreuze sind nun in Melilla

Gedenkkreuze für Maueropfer vor dem Marie-Elisabeth-Lueders-Haus am Spreeufer (Archivbild).

Gedenkkreuze für Maueropfer vor dem Marie-Elisabeth-Lueders-Haus am Spreeufer (Archivbild).

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imago/blickwinkel

Die weißen Kreuze, die am Spreeufer neben dem Reichstagsgebäude seit Jahren an Mauertote erinnern, sind verschwunden. Nur leere Metallrahmen sind übrig geblieben. Auf ihrer Internetseite bekennt sich die Initiative „Zentrum für Politische Schönheit“ zu dem Diebstahl. „Wir haben die Kreuze in Sicherheit gebracht“, sagt deren Sprecher Philipp Ruch. Er meint das ironisch. Denn eigentlich geht es ihm um das Gegenteil: Ruch und seine Mitstreiter wollen Aufruhr. Die Aktivisten nutzen das bevorstehende Mauerfalljubiläum, um auf Missstände in der europäischen Flüchtlingspolitik aufmerksam zu machen.

Aufmerksamkeit ist ihnen jedenfalls sicher. Der Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, spricht von einer pietätlosen Aktion von ideologischen Wirrköpfen. Der Vorsitzende der Berliner CDU-Fraktion, Florian Graf, sagt, der Diebstahl von Mauerkreuzen entwürdige das Andenken an die Menschen, die für ihre Freiheit gestorben sind. Und auch im Bezirk Mitte hat man kein Verständnis. Nur aus der Senatskulturverwaltung kommen mildere Töne. „Prinzipiell ist es wichtig, auf das Schicksal vieler Flüchtlinge an den europäischen Grenzen aufmerksam zu machen. Wir sollten uns aber vor dem Hintergrund unserer Geschichte davor hüten, unterschiedliche Formen des Unrechts gleichzusetzen oder gar gegeneinander aufzurechnen“, sagt Sprecher Günter Kolodziej. Gedenkkreuze einfach eigenmächtig entfernen, das gehe nicht.

Die Kreuze mahnen seit 1971 zum Gedenken an die Toten der innerdeutschen Grenze. Der Berliner Bürger-Verein hatte sie damals an der Grenzmauer angebracht. Seit 2003 befindet sich die Installation am Spreeufer. Namen und Todesdaten von 13 Menschen waren verzeichnet – darunter von Günter Litfin, der 1961 im Humboldthafen erschossen worden war und Ingo Krüger, der im selben Jahr in der Spree ertrank.

Das Kreuz mit Ingo Krügers Namen befindet sich jetzt in einem Wald vor Melilla, der spanischen Enklave in Marokko. Auf ihrer Internetseite haben die Aktivisten ein Foto veröffentlicht, auf dem zwei Männer das Kreuz halten. Andere Berliner Kreuze befinden sich nach Angaben der Initiative in Bulgarien und Griechenland an stacheldrahtbewehrten Zäunen. „Die Mauertoten wären bei dem bevorstehenden Gedenkzirkus gar nicht beachtet worden“, sagt Ruch. Stattdessen schotte sich Europa weiter ab, täglich kämen Menschen zu Tode.

Wegen der offensichtlich politischen Motivation der Täter ermittelt jetzt der polizeiliche Staatsschutz.



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