18.01.2012

Aktion in Berlin: Mission sauberes Schulklo

Von Martin Klesmann
Sieht sauber aus, könnte aber einladender sein: Eine Schultoilette im Berliner Albert-Einstein-Gymnasium.
Sieht sauber aus, könnte aber einladender sein: Eine Schultoilette im Berliner Albert-Einstein-Gymnasium.
Foto: BLZ/Paulus Ponizak
Berlin –  

Betritt man ein Örtchen, das viele Menschen benutzen, hat man oft nur einen Wunsch: Schnell wieder raus! Ganz schlimm steht es häufig um Schulklos. Die German Toilet Organization und ein US-Experte inspizieren deswegen jetzt Berliner Schultoiletten - und geben Tipps für Sauberkeit.

Tom Keating erinnert sich gut. Entsetzt sei er  damals gewesen, als ihm seine Kinder erzählten, dass sie ihre Schultoilette nicht benutzen würden, weil sie so dreckig und unheimlich wären. Für  den heute 70-Jährigen war das der Auslöser für einen jahrzehntelangen Kampf gegen die Vernachlässigung von Schultoiletten. Der Mann aus Atlanta  im US-Bundesstaat Georgia gründete  das „Projekt Clean“ und wurde ein bekannter Ratgeber in Toilettenfragen. Saubere Klos sind  seither seine Mission.

Weniger trinken, damit man nicht aufs Klo muss

Keating  steht vor dem Jungenklo im Albert-Einstein-Gymnasium in  Britz. Eine  typische Berliner Schultoilette, versteckt im letzten Winkel des alten Schulgebäudes der 50er Jahre. Keating ist gemeinsam mit Thilo Panzerbieter  gekommen, dem  Geschäftsführer der German Toilet Organization.  „40 Prozent der Schüler meiden die Schultoiletten“, sagt Panzerbieter.

Um den Gang zur Toilette zu umgehen, würden viele Schüler zu wenig trinken und essen. Das sei ungesund. Keating und die German Toilet Organization inspizieren in dieser Woche  an 16 Berliner Schulen die Toiletten. In der Aktionswoche „Toiletten machen Schule“ geben sie Tipps, wie die Klos sauberer werden können. Schulleiter Holger Ambrosius, der Hausmeister und zwei Schülerinnen sind mit dabei.

Es riecht modrig, die Leitung knirscht

Vor dem Jungenklo lobt Keating zunächst das bunte Gemälde, das Schüler an die Eingangstür gemalt haben. „Ein positives Zeichen“, sagt er im  getragenen Tonfall eines Predigers. In der Toilette bittet Keating dann, erst mal die Augen zu schließen. „Um den Raum kennenzulernen.“ Man hört die knirschende Wasserleitung, es riecht modrig. „Augen auf!“, heißt es dann. Man sieht die gesprungenen Kacheln, das übergelaufene Urinal, den bröckelnden Putz...

„Es ist zu dunkel hier, es fehlt Beleuchtung, man wollte Geld sparen“, kritisiert Keating. Dann bemerkt er Graffiti-Reste. „Graffiti sollten stets möglichst schnell und komplett entfernt werden.“  Nun geht es hinüber zur Mädchentoilette. Die Wände zwischen den Kabinen seien zu niedrig, sagt Panzerbieter. Mädchen könnten sich beobachtet fühlen.

Aufenthalte in Asien und Afrika

Vor sechs Jahren gründete Panzerbieter, der an der TU Berlin Wasserbauingenieur studiert hat, die German Toilet Organization. Bei seinen Aufenthalten in Asien und Afrika war ihm aufgefallen, dass viele Menschen gar keine Sanitäranlagen kennen. „40 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen.“

Ziel der Organisation ist es, Toiletten für Entwicklungsländer bereitzustellen. Um Krankheiten einzudämmen. Und um das Leben der Menschen würdevoller zu machen. Toiletten hätten immer etwas mit Menschenwürde zu tun, sagt er. Auch  Panzerbieter hat seine Mission gefunden.

Verantwortlich sind alle

Inzwischen ist die Gruppe im Erweiterungsbau der Schule angekommen. Die Toiletten hier sind eng, es fehlt Toilettenpapier, dafür sind die Klowände recht hoch. Panzerbieter spricht zum Schluss so etwas wie die Zauberformel: Man müsse vor allem drei Aspekte beachten, um Toiletten sauber zu halten, sagt er.

Erstens seien technische Verbesserungen wie mehr Licht wichtig. Zweitens müssten sich alle Schüler und Lehrer für die Toiletten verantwortlich fühlen. Und drittens brauche man klare Zuständigkeiten. Es müsse klar sein, wem fehlendes  Klopapier oder eine  kaputte Spülung gemeldet werden.

Der Direktor denkt nach

Der  Haushalt des Landes Berlin sieht  nur wenig Geld für Toilettensanierung vor. Aber die  Vorschläge von Keating und Panzerbieter sind auch ohne viel Geld relativ einfach umzusetzen. Die beiden machen sich auf zur nächsten Schule.

„Bisher wäre ich nie auf die Idee gekommen, bei fehlendem Toilettenpapier oder defekter Klospülung gleich dem Hausmeister Bescheid zu sagen“, sagt Neuntklässlerin Marlena. „Das werde ich künftig tun.“ Und auch Holger Ambrosius, der das angesehene Gymnasium leitet, zeigte sich angetan. „Ich werde jetzt über einiges nachdenken“. sagte er.

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