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Alexanderplatz: Das Ende von Klein-Manhattan

Am Alexanderplatz steht bislang nur ein Hochhaus, das 125 Meter hohe Hotel Park Inn. Nun ist der Neubau von voraussichtlich zwei 150 Meter hohen Türmen realistisch.

Am Alexanderplatz steht bislang nur ein Hochhaus, das 125 Meter hohe Hotel Park Inn. Nun ist der Neubau von voraussichtlich zwei 150 Meter hohen Türmen realistisch.

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dpa

Dass die Senatsbaudirektorin die Hochhausplanung für den Alexanderplatz infrage stellt, kommt wenig überraschend. Es ist die logische Konsequenz aus dem bisher fehlenden Bauwillen der meisten Investoren. Sie haben zwar offiziell in den vergangenen Jahren immer wieder verlauten lassen, am Bau der 150 Meter hohen Türme interessiert zu sein. Doch passiert ist – den US-amerikanischen Investor Hines ausgenommen – nichts.

So wurde die Idee von einem Klein-Manhattan am Alexanderplatz über viele Jahre künstlich erhalten. Doch wie es aus Eigentümerkreisen heißt, sei die „Diskussion um die Hochhäuser und die Höhe der Türme vom Wert her genauso einzuschätzen wie die um den Weiterbetrieb von Tegel“. Gemeint ist: Sie sehen für den Bau der Türme am Alex keinen Bedarf.

Der Alexanderplatz der Zukunft

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Grafik: Rita Böttcher

Lediglich das Familienunternehmen Hines plant tatsächlich den Bau eines Hochhauses. Derzeit wird zusammen mit dem Senat der Bebauungsplan für das Grundstück an der nordöstlichen Ecke des Platzes angepasst. Hines will auf dem 1400 Quadratmeter großen Areal einen 150 Meter hohen Turm errichten, der an das 2008 fertiggestellte Saturn-Gebäude angebaut werden soll.

Wie Christoph Reschke, der Geschäftsführer der Hines Immobilien GmbH, sagt, werde an der Realisierung des Turms mit überwiegender Wohnnutzung gearbeitet. Berlin sei reif für ein solches Konzept. Es wäre das erste Hochhaus, das am Alex neu gebaut wird. Und könnte möglicherweise auch das einzige bleiben. Nach der ursprünglichen Senatsplanung hätten dort bis zu zehn 150-Meter-Türme entstehen können, das Konzept dafür hatte Architekt Hans Kollhoff 1993 entworfen.

Hines hat bereits das Saturn-Gebäude errichtet, das 2009 an eine Immobilientochter der Commerzbank verkauft wurde und später an die DMG Dogan Media Group, dem größten türkischen Medienkonzern, weiter veräußert worden sein soll. In dem Hochhaus, für dessen Bau 200 Millionen Euro veranschlagt werden, könnten rechnerisch 300 bis 500 Wohnungen eingerichtet werden. Laut Investor steht noch kein Nutzungskonzept fest. Mit dem Senat wurde ein Architekturwettbewerb verabredet, der Sieger wird im Spätherbst verkündet.

Nur für ein weiteres Hochhaus gibt es derzeit Chancen, überhaupt realisiert zu werden – neben dem wegen seiner rosa Fassade kritisierten Einkaufszentrum Alexa. Investor ist das portugiesische Unternehmen Sonae Sierra. Das ist allerdings auf den Bau von Shoppingcentern spezialisiert. Es sucht daher nach einem Käufer.

Interessenten sprangen auch wegen der Bankenkrise immer wieder ab. Sonae Sierra sei „derzeit in Gesprächen, um für die Bebauung des Grundstücks neben dem Alexa Lösungen zu finden“. Die Suche nach Interessenten für das Projekt werde fortgeführt, habe aber bislang kein zufriedenstellendes Ergebnis erbracht, teilte Sonae Sierra mit. Zur Hochhausplanung wolle man sich nicht weiter äußern.

Die Metro Group, der die Galeria Kaufhof gehört, positioniert sich klarer. Man verfolge „derzeit keine Pläne, ein Hochhaus am Standort Berlin Alexanderplatz zu bauen, da die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts nicht gegeben ist“, sagt eine Sprecherin von der Immobilientochter Metro Properties.

Auch das US-amerikanische Unternehmen Blackstone, dem das große Grundstück mit dem Hotel Park Inn gehört, verfolgt keine Hochhausplanungen. Drei Türme hätten errichtet werden können. Wie es heißt, gebe es „keine unmittelbaren Bauabsichten“. Vielmehr wird jetzt nur der bestehende Flachbau neben dem Hotel hergerichtet. Wie Projektmanager Peter Goslar sagt, werden für das irische Bekleidungshaus Primark rund 8000 Quadratmeter Fläche ausgebaut. Primark will seine zweite Berliner Filiale zum Jahresende eröffnen.

Obwohl sich die Investoren in städtebaulichen Verträgen mit dem Land Berlin verpflichtet hatten, die Wolkenkratzer bis 2013 zu bauen, haben sie die Planungen dafür nicht forciert. Auch die TLG Immobilien GmbH, die Ende 2012 vom Bund an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft wurde, sieht die Hochhausplanung distanziert. Dem Unternehmen gehört das langgestreckte Bürogebäude, das frühere Haus der Elektroindustrie. Es müsste abgerissen werden, um dort die zwei geplanten Türme zu bauen.

„Wir haben keine Ambitionen, unser Gebäude zu ersetzen“, sagt TLG-Sprecherin Sabine Pentrop. Vielmehr sei man nach dem Auszug von mehreren Bundesministerien dabei, die freien Flächen wieder zu vermieten. Allein 2012 wurden 8000 Quadratmeter Flächen neu vergeben, Mieter ist etwa der Automobilclub ADAC.


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