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Alexanderplatz: Debatte um Gehry-Hochhaus entbrannt

Der Sieger: Nach dem Entwurf des US-Architekten Frank O. Gehry soll ein „verdrehter“ Turm gebaut werden. Der Entwurf des zweitplatzierten Jan Kleihues orientiert sich stark an den Nachbargebäuden. Das Büro Barkow Leibinger, das den dritten Preis gewann, setzt auf große Fenster.

Der Sieger: Nach dem Entwurf des US-Architekten Frank O. Gehry soll ein „verdrehter“ Turm gebaut werden. Der Entwurf des zweitplatzierten Jan Kleihues orientiert sich stark an den Nachbargebäuden. Das Büro Barkow Leibinger, das den dritten Preis gewann, setzt auf große Fenster.

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dpa

Einen Tag nach Vorstellung der Entwürfe für das erste 150 Meter hohe Turmhaus auf dem Alexanderplatz ist eine neue Debatte über die Gestaltung des Areals entbrannt – dabei geht es vor allem darum, inwiefern die Bauten aus der DDR-Zeit respektiert werden.

„Höhe und Volumen des geplanten Hochhauses lassen das gegenüberliegende Haus des Reisens geradezu winzig erscheinen“, kritisierte die Vize-Präsidentin der Architektenkammer, Theresa Keilhacker. Gerade diese beiden Häuser seien aber wichtig, weil sie in einer Art städtebaulicher Torsituation wahrgenommen würden. Hier sei „besondere Sensibilität“ gefragt, mahnte Keilhacker.

Der US-Architekt Frank O. Gehry wurde, wie berichtet, zum Sieger im Wettbewerb für das erste 150 Meter hohe Turmhaus auf dem Alex gekürt. Der US-Investor Hines will in dem Haus rund 300 Wohnungen und ein Hotel errichten. Baurecht für das Gebäude gibt es noch nicht, doch soll es nun geschaffen werden. Gleichzeitig will die Koalition von SPD und CDU den Masterplan für den Alex überarbeiten lassen, nach dem zehn Hochhäuser errichtet werden sollten. Grund: Der Plan sieht an etlichen Stellen noch den Abriss bestehender Gebäude vor, den aber keiner der Investoren bisher will.

Die Linke bemängelt das Vorgehen. Erst müsse der Masterplan überarbeitet werden, dann über das Hochhaus entschieden werden, sagte die Abgeordnete Katrin Lompscher. Sie lehnt ein 150 Meter hohes Haus ab. Die bisherige städtebauliche Struktur mit dem 125 Meter hohen Hotel und den übrigen 60 bis 70 Meter hohen Gebäuden werde damit „infrage gestellt“. Vorstellbar sei allenfalls ein bis zu 100 Meter hohes Gebäude, sagte Lompscher.

Stimmann warnt vor Solitären

Der Präsidentin der Berliner Architektenkammer, Christine Edmaier, reicht die angekündigte Überarbeitung des Masterplans nicht aus. Sie sagte: „Wir fordern einen neuen städtebaulichen Wettbewerb.“ Für den früheren Senatsbaudirektor Hans Stimmann steht etwas anderes im Vordergrund. „Es ist ein historischer Moment, dass wieder Wohnhochhäuser geplant werden“, sagte er. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass der Platz zu einer Ansammlung von Solitären werde.

Diese Gefahr ist beim Entwurf des Zweitplatzierten, des Berliner Architekten Jan Kleihues, noch am geringsten. Grundidee seines Entwurfs sei es, „die Architekturen der unterschiedlichen Gebäude am Alexanderplatz in der Gestaltung aufzunehmen, um eine harmonische Einbindung in das Umfeld zu garantieren“, heißt es in einer Mitteilung seines Büros. Die Drittplatzierten, das Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger, äußerten sich nicht zu ihrem Entwurf.

Während Politiker und Architekten über Bauhöhen und Fassaden debattieren, freut sich die Industrie- und Handelskammer über die geplante Investition: „Was Stadtplaner schon vor 20 Jahren voraussagten, nimmt nun endlich Konturen an“, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter.

Für die Genehmigung des Hochhauses könnte womöglich ein ganz anderer Aspekt wichtig werden: Der Vorschlag des Senats, die Karl-Marx-Allee und das Hansaviertel zum Unesco-Weltkulturerbe zu erklären. Das Hochhaus-Grundstück befinde sich in der von der Unesco definierten Pufferzone, warnt Theresa Keilhacker. Das müsse berücksichtigt werden.

Die Entwürfe der Wettbewerbsgewinner sind bis zum 12. Februar Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin, ausgestellt.



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