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Altersgerechtes Wohnen in Berlin: Zehntausende Wohnungen für Senioren fehlen

Bewegung hält fit. Und macht gute Laune.

Bewegung hält fit. Und macht gute Laune.

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Bauer

Wer alt wird, möchte möglichst lange in der eigenen Wohnung leben. Doch das ist oftmals sehr schwierig, weil die wenigsten Wohnungen auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind. Rund eine halbe Million Seniorenhaushalte gibt es zurzeit in Berlin – davon haben aber laut Kuratorium Deutscher Altershilfe nur etwa fünf Prozent eine altersgerechte Wohnung.

Nach Schätzungen des Analysehauses Bulwiengesa fehlen in Berlin mehrere zehntausend Wohnungen für ältere Menschen. Immerhin: In der Hauptstadt sollen bis zum Jahr 2019 rund 3000 Wohnungen für Senioren neu errichtet werden, wie aus dem am Montag veröffentlichten Neubaureport der Wohnungsbaugesellschaft Howoge und des Analysehauses Bulwiengesa hervor geht.

Die Neubauaktivitäten konzentrieren sich überwiegend auf die Bezirke außerhalb des S-Bahnrings wie Treptow-Köpenick oder Lichtenberg. Die landeseigenen Wohnungsunternehmen haben an den Projekten einen Anteil von etwa 20 Prozent.

Beim Bau von Seniorenwohnungen sollte der Fokus verstärkt auf „multifunktionale altersgerechte Wohnungen zur selbstständigen Lebensführung“ gerichtet sein, sagt Howoge-Chefin Stefanie Frensch. Das heißt: Die Wohnungen sollen so ausgestattet sein, dass die Menschen dort lange leben können. Dazu muss eine Wohnung nicht unbedingt neu gebaut werden.

Umbauten für Barrierefreiheit

Viele lassen sich auch umrüsten: Badewannen können durch den Einbau von bodengleichen Duschen ersetzt werden. In Bad und Küche können Haltegriffe montiert werden. Häuser lassen sich zudem mit Aufzügen oder einem Treppenlift nachrüsten. Über Rampen am Eingang können die Wohngebäude barrierefrei zugänglich gemacht werden.

Wie ein seniorengerechtes Wohnquartier aussehen kann, testet die Howoge gerade in einem Pilotprojekt „Am Tierpark“ in Lichtenberg. Dort wird den rund 11.000 Mietern mit einem ortsansässigen Partner ein frei wählbarer Betreuungs- und Pflegeservice angeboten. Auch die Vermittlung von Haushaltshilfen gehört dazu.

Im Haus in der Mellenseestraße 39-41 entstanden nach einer umfassenden Sanierung 83 altersgerechte Wohnungen mit Bädern, die eine bodengleiche Dusche haben. Balkone bieten einen Blick ins Grüne. Die Bewohner zahlen für die 26 bis 83 Quadratmeter großen Wohnungen eine Kaltmiete von rund 6,50 Euro je Quadratmeter. Dazu kommen Betriebskosten von rund 2 Euro je Quadratmeter.

Hinzu kommt eine Servicepauschale von rund 90 Cent pro Quadratmeter für einen Concierge-Service, der dort angeboten wird. Kleinere Wohnungen, die gut ausgestattet sind, werden künftig stärker gefragt sein, sagt Howoge-Chefin Stefanie Frensch. Denn jeder Quadratmeter zusätzlicher Wohnraum kostet mehr Miete.

Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag stellte am Montag ein Modellprojekt in der Zobeltitzstraße in Reinickendorf vor, das ebenfalls stark auf kleine Wohnungen für Ältere setzt. „Wohn!Aktiv-Haus“, nennt die Gewobag das Projekt. Mit dem Namen setzt sie sich von dem bisherigen Begriff der „Seniorenresidenzen“ ab und baut darauf, dass viele Ältere noch im hohen Alter aktiv sind.

Die Idee ist, dass die neuen Bewohner in Gemeinschaft zusammen leben. Für Aktivitäten gibt es eine Gemeinschaftsküche, eine Bibliothek und einen Hobbyraum. Dafür sind die Wohnungen, die ebenfalls eine bodengleiche Dusche im Bad haben, mit zirka 27 Quadratmetern eher klein. Die Warmmiete ist moderat: ab 380 Euro monatlich.



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