Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Altkleidung: Weg mit der Tonne
05. November 2011
http://www.berliner-zeitung.de/10657430
©

Altkleidung: Weg mit der Tonne

Legal, illegal, ganz egal? Einer von Tausenden Altkleider-Containern.

Legal, illegal, ganz egal? Einer von Tausenden Altkleider-Containern.

Foto:

Imago

Mit alten Kleidern ist gut Geld verdienen. Entsprechend schnell wächst die Zahl der Altkleider-Container in der Stadt. Sehr zum Ärger vieler Bezirkspolitiker. Oft verkommen die Sammel-Stellen zu Schmutzecken, die Container werden beschmiert, manche stören Fußgänger und Radfahrer. Zudem nehmen es viele Aufsteller mit dem Gesetz nicht so genau. Für Behälter auf öffentlichem Grund müssten sie eine Genehmigung beantragen. Doch kaum einer tut das. Allein in Tempelhof-Schöneberg stünden 500 Container illegal auf öffentlichem Straßenland, sagt Stadtrat Oliver Schworck (SPD). Er geht jetzt rigoros gegen den Wildwuchs vor und lässt illegale Container abräumen. Die ersten 20 wurden schon kassiert, nächste Woche ist eine weitere Aktion geplant.

Viele dubiose Unternehmer

Bis zu 10.000 Altkleider-Container stehen in Berlin, schätzt das Deutsche Rote Kreuz. Das DRK hat 1100 Sammelbehälter aufgestellt. Die meisten stehen auf Privatgrund, wo sie keiner Genehmigung bedürfen. Neben karitativen Organisationen sammeln viele Firmen, die Alttextilien ins Ausland verkaufen oder weiterverarbeiten. Auf dem lukrativem Markt tummeln sich viele dubiose Unternehmer. "Die versuchen mit allen Kniffs und Tricks an gute Ware zu kommen", sprich an tragbare Textilien, sagt Andreas Voget vom Dachverband FairWertung, der den Altkleider-Markt beobachtet. Zu den Tricks gehört, dass für den Spender oft nicht ersichtlich ist, wer wirklich für einen guten Zweck sammelt. Und: "Illegale Container schießen wie Pilze aus dem Boden."

Einige Bezirke sind seit längerem dazu übergegangen, gar keine Genehmigung mehr für Container auf öffentlichem Land zu erteilen, etwa Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Standen dann doch welche da, mahnten sie die Aufsteller - wenn diese zu ermitteln waren. Passiert sei aber meist nichts, sagt ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes Neukölln.

Seit einem Verwaltungsgerichtsurteil Ende September zu einem Fall in Spandau, das auch die Räumung erlaubt, gehen die Bezirke härter vor. Erste Erfolge seien sichtbar, heißt es in Neukölln. In Mitte seien 32 Standorte geräumt worden, so Stadtrat Carsten Spallek. Für 112 Standorte wurden die Aufsteller zur Räumung aufgefordert.

Darauf achten, wofür man spendet

Es sei nicht nötig, öffentlichen Grund für Container zur Verfügung zu stellen, sagt Stadtrat Schworck. Dafür gebe es genug private Flächen. In Charlottenburg-Wilmersdorf setzt man dagegen seit einem Jahr auf eine Mischung. Der Bezirk hat 15 Container-Plätze ausgeschrieben. Die Vergabe wurde an Kriterien wie Gemeinnützigkeit geknüpft. Das DRK bekam den Zuschlag. Illegale Container werden konsequent geräumt, so Stadtrat Marc Schulte. Generell ablehnen will er Container nicht. Viele Bürger wollten ja gerne Kleider spenden.

Dabei sollten sie darauf achten, wofür sie spenden. FairWertung und das Zentralinstitut für soziale Fragen raten: Misstrauen ist angebracht bei sehr emotional klingenden Vereinsnamen oder fehlenden Adressen auf den Containern. Wer will, dass seine Kleider einem guten Zweck zugute kommen, sollte sie direkt bei einer Einrichtung abgeben.

nächste Seite Seite 1 von 2