blz_logo12,9
Berliner Zeitung | Amtierende Polizeipräsidentin: Margarete Koppers: Die Entschlossene
07. March 2012
http://www.berliner-zeitung.de/10684424
©

Amtierende Polizeipräsidentin: Margarete Koppers: Die Entschlossene

Beste Aussichten auf das Amt der Berliner Polizeipräsidentin: Margarete Koppers.

Beste Aussichten auf das Amt der Berliner Polizeipräsidentin: Margarete Koppers.

Foto:

dapd

Berlin -

Montagabend, im ehemaligen Restaurant des Flughafens Tempelhof. Hier trifft sich ein Verein von Juden, Christen und Muslimen, die sich zusammentun wollen, nachdem zwei Moscheen und die Jüdische Gemeinde rechtsextreme Drohbriefe erhalten haben. Margarete Koppers, die amtierende Polizeipräsidentin, ist auch gekommen. Sie wird das Publikum später mit ihrer offenen Art einnehmen.

Seit dem Abschied von Dieter Glietsch im Juni 2011 führt die Vizepolizeipräsidentin Margarete Koppers die Behörde kommissarisch. Während sich seitdem mehrere Männer um den Job des Polizeipräsidenten vor Gerichten streiten, ein Auswahlverfahren ergebnislos endete, schafft Koppers Fakten. Sie tritt mutig auf, ordnet Abteilungen der Behörde neu und schärft geschickt ihr öffentliches Profil.

Wenn man Margarete Koppers am Rande des Vereinstreffens nach einem Gesprächstermin für ein Porträt bittet, wird sie schnell verschlossen. Sie stünde im Moment nicht zur Verfügung, sie gebe nur Interviews zu Sachthemen. Man stutzt kurz, und schon ist sie weg.

Sie will Karriere machen

Zu einem Sachthema hat sie sich gerade ausführlich geäußert: „Erfolgsgeheimnisse von Frauen“. Im Interview mit der Zeitschrift Stern, an dem auch Bundesministerin Ursula von der Leyen (CDU) teilnahm, redet sie offen über ihre ungewollte Kinderlosigkeit, Vorurteile gegenüber Frauen und ihren Kleidungsstil. „Ich muss nicht mit kurzen Stoppelhaaren, ungeschminkt und ohne Schmuck herumlaufen, um in der Behörde akzeptiert zu werden“, sagt sie selbstbewusst. Sie berichtet auch, wie man ihr als Richterin zu Beginn ihrer Karriere in der Senatsverwaltung für Justiz nur Aushilfsjobs gab, weil man Frauen grundsätzlich nicht mehr zugetraut habe.

Die Frage des Sterns, ob sie sich denn nun beim neuen Auswahlverfahren um die Stelle des Polizeipräsidenten bewerben werde, umgeht sie elegant, aber sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie Karriere machen will. „Ich war immer entschlossener als man vielleicht von Frauen erwartet“, sagt sie.

Mit dem Gespräch landete sie auf dem Stern-Titel, gleich neben Bundesministerin Ursula von der Leyen. Es ist die perfekte Imagekampagne, weil es nicht so aussieht, als ob Koppers sich in Berlin vordrängen will, gleichzeitig wird sie bundesweit als Spitzenkraft, als Star gefeiert. Jetzt kommt auch Innensenator Frank Henkel (CDU) kaum noch an ihr vorbei.

Er kann sie nicht mehr – wie noch sein Vorgänger Ehrhart Körting (SPD) – vom Bewerbungsverfahren ausschließen. Körting hatte die Ausschreibung so formulieren lassen, dass sich nur Kandidaten mit Polizeierfahrung bewerben durften. Die Juristin Koppers war Vizepräsidentin des Landgerichts Berlin, bevor sie vor zwei Jahren zur Berliner Polizei kam. Genug Erfahrung habe sie ja nun im Führen der Polizeibehörde, sagte Henkel diese Woche. Er machte damit deutlich, dass er diesmal mit ihrer Bewerbung rechne. Frau Koppers mache ihre Arbeit als kommissarische Leiterin sehr gut, lobte er.

Pluspunkte durch Selbstkritik

Auch die Opposition hat wenig zu mäkeln. Die Links-Fraktion freute sich über Koppers Ankündigung, dass sie sich um die Genehmigung wichtiger Demonstrationen künftig persönlich kümmern werde. Aufmerksam, kommunikativ, weltoffen, so beschreibt der grüne Innenexperte Benedikt Lux Margarete Koppers. Ihm gefällt, wie sie auf das Parlament zugeht. Auch aus der Polizeibehörde kommt wenig Kritik. Sie verfüge über Empathie, sagt eine Mitarbeiterin, eine Eigenschaft, die an Vorgänger Glietsch nicht auffiel. Konflikte gibt es aber mit der Personalvertretung über die neue Arbeitszeitregelung. Man solle ihr freundliches Gesicht nicht mit Weichheit verwechseln, heißt es, Koppers könne knallhart sein.

Wie eloquent sie sein kann, kann man bei der Diskussion in Tempelhof erleben. Sie verteidigt die viel kritisierte Verlegung des Integrationsbüros der Polizei zur Präventionsstelle des LKA als Zeichen dafür, wie wichtig ihr das Thema ist. Bisher habe das Büro nicht ausreichend Wirkung entfalten können. Koppers redet ruhig, fast monoton. Trotzdem hören alle gebannt zu.

Sie berichtet von dem Misstrauen, dass sie seit dem Bekanntwerden der Zwickauer Zelle gegenüber der Institution Polizei spüre. Die rechtsextreme Gefahr sei jahrelang unterschätzt worden. Auch ihre Behörde sei nicht frei von Rassismus. Die Selbstkritik kommt gut an.

Bald soll die Ausschreibung fertig sein, dann dürfte sich das Verfahren ein halbes Jahr hinziehen. Am 1. Mai könnte Koppers die letzten Zweifler widerlegen. Ob Henkel die Frau, die eher dem linken Lager zugerechnet wird, wirklich will? Ihm wird nachgesagt, dass er lieber einen Polizeipräsidenten mit CDU-Ausweis hätte, wie den Chef der Bundespolizei, Klaus Kandt. Wieder ein Mann. Der Anteil von Frauen in der Führungsebene der Polizei ist derzeit gering, er liegt bei zehn Prozent.

Hat Koppers nicht auch den Zeitgeist auf ihrer Seite, mit den Forderungen nach mehr Frauen in Chefpositionen? Wie die EU-Kommissarin Viviane Reding und Bundesministerin von der Leyen befürwortet auch sie eine Frauenquote.