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Angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen: Das miese Spiel der rechten Russlanddeutschen

Unterstützer des Konvents der Russlanddeutschen demonstrieren vor dem Kanzleramt in Berlin (23.01.2016).

Unterstützer des Konvents der Russlanddeutschen demonstrieren vor dem Kanzleramt in Berlin (23.01.2016).

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REUTERS

Die russisch-deutsche Gemeinschaft Berlins habe „tatsächlich einen ersten kleinen Sieg bei der Verteidigung ihrer gemeinsamen, lebenswichtigen Interessen“ errungen. So feiert sich der Internationale Konvent der Russlanddeutschen jetzt nach der Demonstration am vergangenen Sonnabend vor dem Kanzleramt. Nachzulesen ist das auf seiner Internet-Seite „genosse.su“. Die wiederum heißt im Untertitel „Site der sowjetischen Deutschen“.

Bei der Protestaktion ging es um den Fall des 13-Jährige Mädchens, der seit Tagen Schlagzeilen macht. Für den Verein und seinen Vorsitzenden Heinrich Grout steht fest, dass das Mädchen aus Marzahn vergewaltigt worden ist und dass die Behörden den Vorfall vertuschen wollen. Auf diesen in Deutschland bis dahin nahezu unbekannten Verein berief sich das russische Staatsfernsehen bei seiner Berichterstattung.

Auch wenn er nur 700 Menschen mobilisierte – für den Konvent ist das ein Erfolg. Er repräsentierte bislang eine Randgruppe der Russlanddeutschen, eine am rechten Rand. Der Konvent wurde 2002 in Berlin gegründet, der Chef – 1951 in Kasachstan geboren – gehörte nach seiner Übersiedlung aus Russland zeitweise dem Vorstand der Deutschen Partei an. Die bezeichnet sich selbst als „nationalkonservativ“, wird jedoch von Beobachtern als rechtsextremistisch eingeordnet.

Schon lange versucht der Konvent, Russlanddeutsche und andere Migranten gegeneinander auszuspielen. Grout behauptete bereits vor mehr als zehn Jahren, Ausländer und nicht Aussiedler seien eine finanzielle Last für Deutschland, schrieb Tatiana Golova in dem Sammelband „Zuhause fremd: Russlanddeutsche zwischen Russland und Deutschland“ (2006). Russlanddeutsche seien vielmehr die „letzte ethnische Reserve der deutschen Nation“, die das Land vor der demografischen Katastrophe rette.

Ende Dezember vergangenen Jahres blickte Grout mit Sorge in die Zukunft des vor sich hin dümpelnden Konvents. „Ich muss einräumen, dass es heute sehr schwer ist, die weitere gesellschaftliche Tätigkeit der Russlanddeutschen in Deutschland und auf internationaler Ebene zu planen“, heißt es am Schluss seines Tätigkeitsberichts 2013 bis 2015.

Wenig später ruft Grout seine Leute dazu auf, „aktiver auf die Straße zu gehen und teil(zu)nehmen an Protestaktionen gegen die bösartige Überflutung Deutschlands und anderer europäischer Staaten mit Migranten“. Der Fall in Marzahn mobilisiert. Am 27. Februar will der Konvent erneut vor dem Kanzleramt demonstrieren.