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Berliner Zeitung | Angriff auf Zeitung: Wieder Anschlag auf die Lausitzer Rundschau
10. September 2014
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Angriff auf Zeitung: Wieder Anschlag auf die Lausitzer Rundschau

Hetzparolen und Drohungen wurden in Spremberg an die Fenster geschmiert.

Hetzparolen und Drohungen wurden in Spremberg an die Fenster geschmiert.

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dpa

Cottbus -

Die Täter schmierten mit weißer Farbe ein großes Hakenkreuz und mit schwarzer Farbe die Schriftzüge „Juden“ und „Sieg heil“ an das Panoramafenster der Lokalredaktion der Lausitzer Rundschau in Lübbenau. Das war in der Nacht zum Dienstag. Bereits in der vorigen Woche war die Redaktion in Spremberg zum Ziel von Rechtsextremisten geworden. Unbekannte hatten die Schaufenster mit vier Hakenkreuzen und Parolen wie „Juden, kill them“ und „Wir kriegen euch alle!!“ besprüht. Die Polizei schließt einen Zusammenhang beider Taten nicht aus. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen. Am Mittwoch erklärt Staatskanzlei-Chef Albrecht Gerber bei einem Besuch in der Redaktion, die Landesregierung werde alles tun, „um die Pressefreiheit und damit verbunden die Meinungsfreiheit in Brandenburg zu schützen“.

Es sind nicht die ersten rechtsextremistischen Attacken, derer sich die Redaktion erwehren muss. Bereits vor zwei Jahren hatten Unbekannte Hetzparolen an das Redaktionsgebäude in Spremberg geschmiert und Tierinnereien am Eingang befestigt. Für Chefredakteur Johannes M. Fischer, steht fest, dass die Lausitzer Rundschau wegen ihrer Berichterstattung über rechtsextremistische Umtriebe in der Region ins Visier der Neonazis geraten ist. „Wir sind nicht erst seit gestern Zielscheibe von Rechtsextremen. Gegenüber extremistischen Bestrebungen haben wir unsere klare Position immer wieder öffentlich gemacht“, sagt Fischer am Mittwoch der Berliner Zeitung. Das werde auch weiter so geschehen.

Der Anschlag in der vergangenen Woche geschah nur wenige Tage nachdem die Zeitung über einen Prozess um den Überfall mutmaßlicher Rechter auf einen Spremberger Jugendclub berichtet hatte.
Fischer sagt, dass sich die Redaktion nicht einschüchtern lasse und auch weiterhin kritisch berichten werde. „Wir sind zwar Opfer von Kriminellen geworden, aber wir lassen uns nicht noch einmal zum Opfer machen.“ Man werde nicht mit Gewalt zurückschlagen, sondern mit Verstand. „Worte sind die stärkste Waffe gegen Sprühdosen und Baseballschläger“, so der Chefredakteur.

Fischer erzählt, dass die Redaktion kontrovers diskutiere, wie auf die Attacken zu reagieren sei und welches Podium man den Tätern geben solle. „Es wird keine fetten Schlagzeilen geben“, sagt er. Trotz der Drohungen, die die Täter an die Fenster gesprüht haben, hätte niemand Angst. „Ich brauche den Redakteurinnen und Redakteuren nicht viel Mut zuzusprechen, den haben sie schon.“

Im Juni vor zwei Jahren war die rechtsextremistische Vereinigung „Widerstandsbewegung Südbrandenburg“, die vor allem in der Lausitz aktiv war, vom damaligen SPD-Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke verboten worden. Das Neonazi-Netz- werk, wegen seines Internetauftritts auch „Spreelichter“ genannt, war vor allem wegen seiner nächtlichen flashmobartigen Fackelzüge berüchtigt, bei denen die Rechtsextremisten ihre Gesichter hinter weißen Masken verbargen. Die Lausitzer Rundschau hatte regelmäßig über die Umtriebe der Gruppierung berichtet und auch die Verbindungen zur Kickboxszene in der Region öffentlich gemacht.

„Das Verbot der Organisation hat schon Wirkung gezeigt“, sagt Fischer. Seiner Ansicht nach könnte aber der Verfolgungsdruck auf den harten Kern noch erhöht werden.