Neuer Inhalt

Angriffe auf Flüchtlingsheime: Fremdenfeindliche Übergriffe in Berlin steigen um 46 Prozent

Neonazi-Aufmarsch in Prenzlauer Berg.

Neonazi-Aufmarsch in Prenzlauer Berg.

Foto:

imago/Christian Mang

Mehr als 70.000 Flüchtlinge erreichten im vergangenen Jahr Berlin. Sie leben in Heimen, Containerwohnungen, Turnhallen und anderen Massenunterkünften. Immer öfter kommt es zu rassistischen Übergriffen. 2015 gab es nach aktuellem Stand 57 fremdenfeindlichen Angriffe auf Flüchtlingsheime in Berlin. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Clara Herrmann hervor, die der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch vorlag. Der Anstieg gegenüber 2014 lag bei 46 Prozent. Damals wurden 39 Vorfälle registriert.

Die endgültigen Zahlen für 2015 liegen aber erst in den nächsten Monaten vor. Darauf wies der Senat hin. In Berlin gibt es inzwischen etwa 150 Heime und Notunterkünfte für Flüchtlinge.

Sachbeschädigung und Steinwürfe

Nicht alle Taten sind schwerwiegend. Oft geht es um Sachbeschädigung wie das Umwerfen von Bauzäunen. Dazu kommen Flaschen- und Steinwürfe gegen die Häuser. In drei Fällen ging es jedoch um schwere oder besonders schwere Brandstiftung. Menschen wurden aber nicht verletzt.

In vielen Fällen wurden keine Täter gefasst. Die meisten der in Vorjahren ermittelten Verdächtigen gehörten zur Szene der Rechtsextremisten und Neonazis. Weiterhin geschehen auffallend viele Angriffe in den Ost-Berliner Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Pankow. Aber auch Charlottenburg-Wilmersdorf und weitere West-Bezirke sind betroffen.

Traurige Dimensionen

Angriffe auf Flüchtlinge außerhalb ihrer Unterkünfte wurden in den vergangenen Jahren nicht gesondert in der Polizeistatistiken erfasst. Das geschieht seit Anfang 2016 und soll künftig noch mehr Erkenntnisse über Fremdenfeindlichkeit liefern.
Clara Herrmann sprach von einer „sehr besorgniserregenden Entwicklung“ mit „traurigen Dimensionen“. Die Schuld sah sie auch bei rechtspopulistischen Gruppierungen. „Die menschenfeindliche Stimmung von AfD, Pegida und Co. ist der Nährboden für diese rechtsextreme Gewalt.“ (dpa)