02.02.2012

Anschläge: Dritte Rohrbombe explodiert

Von Jens Blankennagel
Henningsdorf –  

Auf dem Henningsdorfer Havelplatz detoniert ein weiterer Sprengsatz. Verletzt wurde niemand. Bislang gibt es keinerlei Hinweise auf politisch motivierte Taten. Bereits am vergangenen Freitag waren dort zwei selbst gebastelte Bomben explodiert.

Es war am Dienstag um 20.10 Uhr, als mehrere Zeugen in Hennigsdorf (Oberhavel) einen lauten Knall hörten. Sie befanden sich am Havelplatz, der nicht mal 300 Meter vom S-Bahnhof entfernt ist. Sie alarmierten sofort die Polizei – die Hennigsdorfer sind sensibilisiert, weil am Freitagabend bereits zwei selbst gebastelte Bomben am Bahnhof explodiert waren. „Die Passanten hörten einen dumpfen, lauten Knall“, sagte Toralf Reinhardt, Sprecher der Polizeidirektion Nord.

Auch diesmal handelte es sich offensichtlich um eine selbst gebaute Rohrbombe. Die Experten von der Spurensicherung fanden auf dem Platz in der Nähe einer Parkbank einen Verschluss für ein entsprechendes Rohr. Auch diesmal wurde niemand verletzt, es gab auch keinen Sachschaden. Zwar hat der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, aber bislang haben die Kriminalisten keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass es sich bei den Explosionen um politisch motivierte Taten handelt. „Wir haben bislang keinerlei Hinweise auf mögliche Täter und auch keine Bekennerschreiben“, sagte Reinhard.

S-Bahnverkehr lange unterbrochen

Meist bekennen sich politisch motivierte Täter schnell zu ihren Taten, weil sie beispielsweise gegen Castor-Transporte mit der Bahn protestieren oder politische Gegner abschrecken wollen. All dies scheint nicht der Fall zu sein. Am Havelplatz, an dem sich Hotels, Geschäfte und Wohnungen befinden, gibt es auch keine Institutionen, die Angriffsziele sein könnten. Auch im Internet finden sich bislang keine Bekenner-Hinweise. Deshalb kommen wohl eher „Hobby-Pyromanen“ als Täter infrage. Unklar ist auch noch, ob alle drei Bomben vom selben Täter stammen.

Die Passanten, die am Montag die dritte Rohrbombe hörten, waren sogenannte Knallzeugen, die ähnlich wie bei einem Verkehrsunfall nur den Zusammenstoß gehört haben, aber nichts sahen. Auch am Freitag hörte ein Zeuge nur einen Knall, als gegen 22.20 Uhr eine Rohrbombe im Aufzug am Bahnhof explodierte. Als dann die Ermittler den Tatort untersuchten, fanden sie am Aufgang zu den Bahnsteigen 6 und 7 die Spuren einer weiteren Explosion, die wahrscheinlich gleichzeitig mit der ersten stattfand. Wegen der Spurensuche musste der S-Bahnverkehr für fast dreieinhalb Stunden unterbrochen werden.

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