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Antisemitismus: Rabbiner Daniel Alter ist jetzt arbeitslos

Rabbiner Daniel Alter.

Rabbiner Daniel Alter.

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dpa/Florian Schjuh

Daniel Alter ist ein besonderer Rabbiner. Der 56-Jährige hat in den letzten Jahren als Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde ein Gesicht gegeben. Diese Gemeinschaft, so war an seiner Person abzulesen, engagiert sich in Schulen und Projekten sowie interreligiös gegen Antisemitismus. Darüber hinaus war die Aufgabe vor drei Jahren einem Mann übertragen worden, der selbst Opfer eines antisemitisch motivierten, gewalttätigen Überfalls gewesen ist.

Damit ist die Fallhöhe jener Nachricht beschrieben, die am Donnerstag in ein paar dürren Zeilen in einigen Medien auftauchte: Daniel Alter hört auf. Sein Vertrag läuft aus und wird nicht verlängert. Aus finanziellen Gründen, hört man. Aber ganz so einfach ist es nicht. Wie oft bei Nachrichten aus der Jüdischen Gemeinde ist eine persönliche Auseinandersetzung der Trennung vorausgegangen.

Ilan Kiesling, der Sprecher der Jüdischen Gemeinde, versendete am Donnerstag seine Stellungnahme zum Fall Alter schriftlich. „Für die Jüdische Gemeinde zu Berlin ist die Tätigkeit eines Antisemitismusbeauftragten so wichtig, dass sie vor drei Jahren entschieden hat, erstmals die Stelle eines hauptamtlichen Antisemitismusbeauftragten zu schaffen“, so Gemeindesprecher Ilan Kiesling. Die Stelle sei auf zwei Jahre befristet gewesen, dann um ein Jahr verlängert worden und jetzt ausgelaufen. Aus dem Folgenden ist herauszulesen, dass die Gemeinde finanziell überfordert ist, weil parallel die Gehälter der Mitarbeiter erhöht wurden. Es folgt ein Seitenhieb auf den Senat, mit dem sich die Gemeinde wegen finanzieller Ansprüche schon vor Gericht auseinandergesetzt hat.

Mit keinem Wort wird allerdings erwähnt, dass sich die Gemeinde auch mit Rabbiner Alter schon vor Gericht getroffen hat. Das war vor einem Jahr, als der Vertrag schon einmal auslief. Auch Daniel Alter nimmt dazu am liebsten schriftlich Stellung: „Damals wurde mir ein Vertrag zur Verlängerung vorgelegt der für mich inakzeptabel war.“ Er wäre jederzeit kündbar gewesen, sagt Alter. Vor Gericht sei dann als Kompromiss der bestehende Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert worden. Am Telefon sagt Daniel Alter, er wolle keine schmutzige Wäsche waschen. Er hat sich jetzt erstmal arbeitslos gemeldet. Man kann wohl davon ausgehen, dass Daniel Alter nicht zu jenen Gemeindemitgliedern zählt, auf die Vorstand Gideon Joffe bei den bevorstehenden Wahlen zum Gemeindeparlament bauen kann. Die etwa 11 000 Mitglieder wählen am 20. Dezember ihre Repräsentanten.