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Anwohner um Tegel: „Man gewöhnt sich nicht an die Flugzeuge“

Rolf-Roland Bley lebt seit fast 50 Jahren am Flughafen Tegel.

Rolf-Roland Bley lebt seit fast 50 Jahren am Flughafen Tegel.

Seit fast 50 Jahren wohnt Rolf-Roland Bley unweit vom Flughafen Tegel; seit zwölf Jahren sitzt er als Mitglied der Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz in der Fluglärmkommission. Der 74-jährige Staakener glaubt: Geld für Tegel verursacht mehr Flugverkehr.

Herr Bley, wären Sie gern dabei gewesen bei der Sitzung des Aufsichtsrates?

Als Mäuschen schon. Mich hätte interessiert, mit welchen Argumenten die Erweiterung von Tegel begründet wird.

Dass 30 Millionen Euro investiert werden sollen, hat Sie überrascht?

Absolut, das war ein Schock. Wissen Sie, wir haben 2004 gegen den Bau des Terminals C protestiert. Damals hieß es, der Bau sei nötig, um die längere Abfertigung an den Gates auszugleichen. Tatsächlich hatte der Ausbau eine Kapazitätssteigerung zur Folge. Als Folge gab es mehr Flüge.

Und damit rechnen Sie jetzt auch?

Ja. Das wird weitere Fluggesellschaften dazu animieren, nach Tegel zu kommen.

Aber Sie müssen doch zugeben, dass Tegel oll ist …

Die können von mir aus die Toilettenschüsseln auswechseln – aber hinter diesen 30 Millionen steckt der Versuch, Tegel für die nächsten zwei Jahre zu etablieren. Und die Zahl der Flüge wird weiter steigen.

Sie sind genervt vom Fluglärm?

Ja. Die Zahl der Flüge hat seit 2012 noch mal stark zugenommen.

Wo genau wohnen Sie?

Wir haben ein Haus in Staaken, etwa sieben Kilometer von Tegel entfernt. Die Flugzeuge sind dort 300 bis 350 Meter hoch – und kommen inzwischen in ganz kurzen Abständen, knapp über eine Minute. Im Freien müssen wir ein Gespräch unterbrechen. Der Lärm ist ja auch nicht gleich vorbei, das Flugzeug hört man ja mindestens 30 Sekunden. Und nach 30 Sekunden kommt schon das nächste.

Gewöhnt man sich nicht daran?

Nein, das hängt mit dem Frequenzbereich des Fliegens zusammen. Das Problem ist außerdem, dass man vorher nie weiß, wie laut es denn nun wird. Das beschäftigt einen sehr. Die Seele ist automatisch beteiligt. Manchmal wache ich morgens schweißgebadet auf.

Haben Sie die Flugzeuge über Ihrem Haus mal gezählt?

Nein, das ist nicht zu bewältigen. Aber ich bekomme eine Statistik über die Fluglärmkommission. Die besagt, dass es 2012 im Schnitt 469 Flüge pro Tag waren. Am Wochenende sind es weniger, unter der Woche weitaus mehr. In Schönefeld sind es 2012 pro Tag nur 197 Flüge gewesen. Im Vergleich zu 2011 sind die Zahlen dort im vergangenen Jahr sogar leicht gesunken.

Fliegen Sie eigentlich manchmal selbst?

Früher schon, aus beruflichen Gründen, nun aber nicht mehr. Meine Frau hasst das Fliegen regelrecht. Jetzt fahren wir Auto oder Bahn.

Was glauben Sie – wann eröffnet der Großflughafen in Schönefeld?

Keine Ahnung. Das ist überhaupt nicht abzusehen.

Das heißt, auch dieses Jahr freuen Sie sich nicht auf den Sommer.

Stimmt. Wenn irgendwo ein Kieselstein auf einer Rollbahn liegt, kommt wieder eine Maschine verspätet in Tegel an – und fliegt nach 23 Uhr über unser Haus. Lufthansa hat zurzeit große Probleme mit den Abendverbindungen in London …

Sowas wissen Sie?

Ja, ich schaue täglich im Videotext nach und im Flugplan. Ich sehe jede Maschine.

Das klingt nach einer Ganztagsbeschäftigung.

Ich wünschte, es wäre anders.

Wenn Sie zu sagen hätten, wie es weiter geht, was würden Sie tun?

Erstens: mit Akribie aufzuklären, wer den Schlamassel zu verantworten hat. Zweitens: alles daran zu setzen, Tegel nicht zu ertüchtigen. Und drittens Fluggesellschaften zur Verlagerung von Tegel nach Schönefeld zu animieren. Es ist ein Wunder, dass auf dem Flughafen Tegel noch kein Unglück passiert ist.

Das Gespräch führte Claudia Fuchs.