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App für Berlin-Touristen: Berlins Geschichte unterwegs erleben

Die Apps heißen „Berlin History“, „Berlin Kalter Krieg“ und „Berlin Regierungsviertel“. Sie sind GPS-gesteuert. Gratis-Versionen gibt es auch, die erweiterten Fassungen kosten ab 3,69 Euro. Kompatibel sind die Berlin-Apps von City Tour Navigation für iPhone und iPad-geräte ab iOS 6.0.

Die Apps heißen „Berlin History“, „Berlin Kalter Krieg“ und „Berlin Regierungsviertel“. Sie sind GPS-gesteuert. Gratis-Versionen gibt es auch, die erweiterten Fassungen kosten ab 3,69 Euro. Kompatibel sind die Berlin-Apps von City Tour Navigation für iPhone und iPad-geräte ab iOS 6.0.

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blz/markus Wächter

Kritiker könnten vielleicht sagen, das Bernardus Steenbeek etwas entwickelt hat, das ihn selbst und auch seinen Berufsstand bald überflüssig machen könnte. Aber da winkt der 62-Jährige gelassen ab. „Stadtführer wird es immer geben“, sagt der gebürtige Holländer, der gerade drei Apps auf den Markt gebracht hat, die es Touristen ermöglichen, auf eigene Faust die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt zu finden.

Aber Steenbeeks Apps sind nicht etwa nur ein Sammelsurium von Daten und Straßennamen. Hat man die Dateien einmal auf seinem Handy, gibt es Erklärungen, Grafiken und Filme zu geschichtlichen Ereignissen. Das Handy lotst seinen Besitzer sozusagen mühelos durch die Berliner City.

Drei Touren hat Steenbeek entwickelt – eine durch das historische Berlin, eine zum Thema Kalter Krieg und eine Tour durch das Regierungsviertel. „Berlin hat so viele Sehenswürdigkeiten, da bräuchten die Touristen Tage, wenn nicht sogar eine Woche, um wirklich alles zu sehen“, sagt er. Aber soviel Zeit haben eben die meisten nicht.

Krawalle in Kreuzberg

„Die Leute wollen die Orte sehen, von denen sie schon einmal gehört haben“, sagt der 62-Jährige. Also den Reichstag, Relikte aus der Nazizeit, das Brandenburger Tor, den Potsdamer Platz. Mit Steenbeeks Apps ist das möglich. Da gibt es an der Wilhelmstraße, wo einst die Führungsmannschaft der Nazis ihr Domizil hatte, von dem aber heute fast nichts mehr zu sehen ist, umfangreiche Filmsequenzen: Führerbunker, die Reichskanzlei, Goebbels Propaganda-Ministerium werden auf dem Handy gezeigt.

Steenbeek weiß, was die Leute interessiert. Immerhin war er mehr als 20 Jahre Stadtführer. Zuerst nur in Westberlin. Dorthin verschlug es ihn 1981 wegen einer Frau. Die Liebe zu ihr hielt nicht so lange. Aber er entdeckte für sich Berlin. Dabei, sagt Steenbeek, war Westberlin damals eigentlich gar keine schöne Stadt. Was von touristischem Interesse war, ließ sich als Stadtführer schnell absolvieren. Reichstag, Zoo, natürlich die Mauer, Gedächtniskirche, der abgeriegelte Potsdamer Platz – aber das war es dann auch schon. „Ich frage mich manchmal, wie sich damit drei Stunden Stadtführung bestreiten ließen.“ Ein bisschen Abenteuer kam auf, wenn es Richtung Kreuzberg ging – besetzte Häuser, ab und an Krawalle mit der Polizei. „Ein paar Mal sind unsere Busse mit Farbbeuteln beworfen worden, Touristen waren dort nicht erwünscht“, erinnert sich Steenbeek.

Seit 2011 keine Führungen mehr

Dann kam die Wende, aber Steenbeek hatte es erst einmal nach Spanien verschlagen. 1998 kam er zurück – in eine veränderte Stadt. „Ich habe ein Jahr gebraucht, bis ich wieder als Stadtführer arbeiten konnte.“ Schließlich liegen die meisten Sehenswürdigkeiten im Osten der Stadt: die Museumsinsel, das Nikolaiviertel, die Synagoge in der Oranienburger Straße, die Hackeschen Höfe, der Gendarmenmarkt. Und zu jeder Station kann Steenbeek etwas erzählen. Etwa, dass der Gendarmenmarkt, der heute gerne als schönster Platz Europas bezeichnet wird, bis Ende des 18. Jahrhunderts keinesfalls attraktiv war. Dort war einmal das Regiment der Gens d’Armes stationiert – nebst seinen Pferden. Und aus den Ställen stank es erbärmlich.

Rund 100.000 Touristen sind mit Steenbeek im Laufe der Jahre durch die Stadt gezogen. 2011 erkrankte der Holländer schwer, seitdem macht er keine Führungen mehr. Seitdem hat er einen Stadtführer veröffentlicht und die besagten Apps. Die, sagt Steenbeek, sind vor allem für junge Leute gedacht, die nicht so viel Geld haben. Denn das Herunterladen einer App sei doch billiger als eine geführte Stadttour.