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Armut in Berlin: Zahl der armen Schüler sinkt

In Berlin ist die Anzahl der armen Schüler in den vergangenen zwei Schuljahren leicht zurückgegangen. Im laufenden Schuljahr 2013/14 kommen 31,2 Prozent aller Schüler aus Familien, die auf Sozialtransfers angewiesen sind. Vor zwei Jahren waren es noch gut zwei Prozent mehr, wie die Senatsbildungsverwaltung auf Anfrage mitteilte. Damit hat sich dieser Wert auf einem hohen Niveau eingependelt.

„Trotz dieser immer noch hohen Quote machen sich die leicht sinkenden Arbeitslosenzahlen und eine etwas stärkere Wirtschaft offenbar bemerkbar“, sagte Lieselotte Stockhausen-Doering, Vorsitzende des Landeselternausschusses. Als armer Schüler gilt derjenige, dessen Eltern die pro Schuljahr anfallenden 100 Euro für Schulbücher nicht zahlen müssen. Das geschieht, wenn die Eltern Hartz IV, Wohngeld oder auch Bafög und andere Sozialleistungen beziehen.

Die Kinder gelten dann als lernmittelbefreit – abgekürzt „lmb“. Diese „lmb“-Quote spielt eine immer wichtigere Rolle. Schulen mit mehr als 40 Prozent armer Schüler erhalten nämlich zusätzliche Lehrerstunden, das jüngst von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) vorgestellte Bonus-Programm für Schulen in schwieriger Lage sieht weitere Unterstützung vor, wenn die „lmb“-Quote noch höher ist.

In Mitte leben die meisten armen Schüler

Ganz unterschiedlich verteilen sich die armen Schüler. In Mitte leben mit gut 57 Prozent die meisten, in Steglitz-Zehlendorf mit 11 Prozent die wenigsten armen Schüler. Eltern müssen in der Regel jedes halbe Jahr nachweisen, dass sie die 100 Euro für die Schulbücher nicht aufbringen können. „Sie legen dann den Berlin-Pass in seinen unterschiedlichen Stufen vor oder auch den Nachweis über Bafög-Bezug“, sagt Werner Munk, Leiter der Reinhardswald-Grundschule in Kreuzberg.

Er selbst ist der Meinung, dass die Lernmittelbefreiung keineswegs ein sicheres Indiz für Armut und gleichzeitige Bildungsferne ist. „Eben weil auch Studenten oder zum Beispiel Künstler oft befreit sind“, sagt Munk. Auch Stockhausen-Doering warnt vor einer Diskriminierung der Menschen, die nicht für die Schulbücher aufkommen müssen. „Es gibt viele Alleinerziehende, die darunter fallen und ihren Kindern gleichwohl auch zu Hause Bildung bieten“, sagte sie.

Wenig lernmittelbefreite Kinder an Privatschulen

Auffällig indes ist, dass der Anteil der lernmittelbefreiten Kinder an allgemeinbildenden Privatschulen mit 10,2 Prozent viel geringer ausfällt als an staatlichen Schulen (33,4 Prozent). Hier wirkt oft das Schulgeld als Barriere für Kinder armer Eltern, auch wenn es an freien Schulen mitunter Stipendien oder Zuschüsse gibt. Besonders deutlich ist die Diskrepanz in Reinickendorf, wo 32 Prozent der Schüler an staatlichen Schulen nicht für die Bücher zahlen müssen, aber nur gut vier Prozent der dortigen Privatschüler. Auch in Mitte oder Lichtenberg ist der Unterschied besonders groß.

Für die Ausstattung der Schulen ist zudem relevant, wie viele Kinder aus Haushalten kommen, in denen vornehmlich eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird. Sind mehr als 40 Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache, erhält die Schule ebenfalls eine zusätzliche Förderung. Schulbürokratisch spricht man von der „ndH“-Quote. Diese Quote ist in den vergangenen zehn Jahren von 22 auf gut 33 Prozent gestiegen. Das heißt: Jeder dritte Schüler hat nichtdeutsche Wurzeln. Tendenz steigend. Doch diese migrantischen Schüler stammen eben keineswegs nur aus armen Familien.