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Arne Piepgras in Berlin-Kreuzberg: Dragoner-Areal soll für 36 Millionen Euro unter den Hammer

Die ehemalige Garde-Dragoner-Kaserne in Kreuzberg

Die ehemalige Garde-Dragoner-Kaserne in Kreuzberg

Foto:

Imago/Schöning

Die Entscheidung über den künftigen Eigentümer des bundeseigenen Dragoner-Areals in Kreuzberg scheint gefallen zu sein. Der Berliner Unternehmer Arne Piepgras hat sich nach eigenen Angaben mit einem Gebot in Höhe von 36 Millionen Euro gegen 40 weitere Interessenten durchgesetzt.

„Wir haben den Zuschlag bekommen“, sagte Piepgras am Dienstag. Zu Piepgras gehört die Besitzgesellschaft des Stadtbades Wedding, die das Kaufangebot mit dem Unternehmer eingereicht hat. Wirksam wird der Verkauf aber erst, wenn der Haushaltsausschuss des Bundestags zustimmt. Dagegen regt sich Protest. Das Bündnis „Stadt von Unten“, das sich für eine alternative Grundstückspolitik einsetzt, forderte den Bund und den Senat auf, den Verkauf zu stoppen.

Historische Reithallen

Das 47.132 Quadratmeter große Dragoner-Areal liegt zwischen Mehringdamm, Obentrautstraße und Yorckstraße. Es ist eines der letzten großen und damit besonders begehrten Areale in Kreuzberg. Im 19. Jahrhundert befand sich auf der Fläche die Garde-Dragoner-Kaserne – daher stammt der Name. Noch heute gibt es mehrere Pferdeställe und zwei Reithallen. Ein Teil des Areals steht unter Denkmalschutz.

„Wir planen im Bestand der Denkmäler eine kulturelle Nutzung, im übrigen Gewerbe und bezahlbaren Wohnraum“, sagte Arne Piepgras. Insgesamt sollen für etwa 150 Millionen Euro rund 90.000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen. Eine Fläche von knapp 9000 Quadratmetern soll kulturell genutzt werden – sie ist unter anderem für 30 Künstlerateliers vorgesehen. Auf 28.000 Quadratmetern sind rund 300 Wohnungen geplant. Beim Bau der Wohnungen will Piepgras mit einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft kooperieren. Mit welcher, steht noch nicht fest.

58.000 Quadratmeter sind für gewerbliche Nutzung geplant. Sie sollen von einem Hotel, einem Lebensmittelmarkt sowie von Start-up-Unternehmen belegt werden. Den Biomarkt LPG will Piepgras auf dem Areal halten, jedoch nicht unbedingt im jetzigen Gebäude an der Obentrautstraße/Ecke Mehringdamm. Dort könnte ein für das Areal geplantes George-Grosz-Museum errichtet werden.

Arne Piepgras will möglichst schnell mit den Bauarbeiten beginnen. Wenn alles klappt, möchte er im nächsten Jahr starten und in zwei Jahren fertig sein, sagte er. Ob ihm das gelingt, ist fraglich. Der Bezirk hat eigene Vorstellungen. Der Stadtplanungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg sprach sich gerade erst dafür aus, das Areal als mögliche Erweiterungsfläche für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) zu sichern – wenn die neue ZLB am Standort der Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz errichtet wird. Wohnungen wollen auch die Bezirkspolitiker auf dem Dragoner-Areal errichten, in Partnerschaft mit einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft.

Bezirk zunächst zurückhalten bei den Plänen

Der Bezirk äußerte sich am Dienstag zurückhaltend zu den Bauplänen von Piepgras. Das Konzept werde in mehreren Ausschüssen beraten, sagte Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach. Er betonte, dass es ein großes Interesse am Bau von Wohnungen gebe, die für Haushalte mit niedrigen Einkommen geeignet sind.

Der Bezirk und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatten vor Kurzem Leitlinien für das Dragoner-Areal verabschiedet. Darin ist unter anderem festgelegt, dass 33 Prozent der Wohnungen zu Mieten bis 7,50 Euro je Quadratmeter errichtet werden sollen. Da die Forderung vom jetzigen Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) stammt, dem designierten Regierenden Bürgermeister, kommt ihr besonderes Gewicht zu.

Das Bündnis „Stadt von Unten“ erklärte zum bevorstehenden Verkauf des Dragoner-Areals: „Es kann nicht angehen, dass die wenigen verbleibenden, noch in öffentlicher Hand befindlichen Grundstücke nun mit einer Art politisch-kultureller Mischkalkulation vergeben werden“. Auf bundeseigenen und landeseigenen Grundstücken müssten zu 100 Prozent bezahlbare Wohn- und Arbeitsflächen entstehen.



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