blz_logo12,9

Audiodeskription für Blinde: "Greta" ermöglicht den Kinobesuch

Dank „Greta“ nun wieder häufiger im Kino: Bloggerin Barbara Fickert.

Dank „Greta“ nun wieder häufiger im Kino: Bloggerin Barbara Fickert.

Foto:

BLZ/David Oliveira

Barbara Fickert ist leidenschaftliche Kinogängerin. Egal ob Action, Komödie oder Romanze, sie schaut sich alles an. Obwohl das eigentlich nicht ganz korrekt ist. Denn Barbara Fickert ist blind. Und das bringt im Kino selbstredend einige Probleme mit sich. Egal ob Kussszenen wie bei Titanic oder lustige Grimassen wie bei Mr. Bean, wer nur hört, versteht vieles nicht. „Immer wenn auf der Leinwand Funkstille herrschte und das Publikum gelacht oder sonst eine Gefühlsregung von sich gegeben hat, habe ich mich ein bisschen außen vor gefühlt“, sagt Fickert.

Damit das nicht mehr passiert, wurde in Berlin die App „Greta“ entwickelt. Sie bietet zahlreiche Audiodeskriptionen zu Filmen an. Dabei werden zwischen den Dialogen Handlungen oder Orte beschrieben, die man normalerweise nur sehen kann. Mit „Greta“ können Blinde einfach einen Kopfhörer aufsetzen und die Szenenbeschreibungen hören, ohne andere Zuschauer zu stören. Die App erkennt den Filmstart automatisch und spielt die Audiodeskription synchron ab. „Dank der App war ich im vergangenen Jahr so oft im Kino wie schon lange nicht mehr“, sagt Fickert. Allerdings sei der praktische Helfer noch immer relativ unbekannt unter Blinden. Um das zu ändern, schreibt Fickert in ihrem Blog Filmrezensionen zu den neuesten Streifen, die sie sich dank „Greta“ entspannt anhören kann.

Früher nur Sondervorstellungen

Auch früher gab es schon Audiodeskriptionen. Im Kino waren sie vor der App aber eine absolute Seltenheit, da diese den sehenden Kinobesucher stören würden. Blinde konnten also nur in gesonderte Vorführungen gehen, von denen es aber so gut wie keine gab. Außerdem wurden, wohl um Zeit und Kosten zu sparen, bei vielen Filmen zum Kinostart noch gar keine Audiodeskriptionen produziert.

Das Problem der fehlenden Hörfilmbeschreibungen gibt es auch bei der App „Greta“ immer noch, wodurch Blinde in ihrer Filmwahl weiterhin eingeschränkt werden. Am Aufwand und den Kosten dürfte es eigentlich nicht liegen. „Bei einem 90-minütigen Film kostet es 6 000 Euro, eine Hörfilmbeschreibung zu produzieren“, sagt Fickert. Weitere 1 500 Euro würden fällig, wenn man die Tonspur über „Greta“ zugänglich machen will. Im Vergleich zu den Produktionskosten vieler Filme ein Klacks. Zumal Fördermittel für bis zu 50 Prozent der Kosten beantragt werden können. Ein Lichtblick war hingegen eine Änderung des Filmförderungsgesetzes vor zwei Jahren. Seitdem ist eine Audiodeskription Pflicht, wenn man Fördermittel vom Staat haben möchte.

Feuer und Flamme

Bloggerin Fickert reicht das aber nicht aus. Deshalb ergreift sie selbst die Initiative. Als etwa im August der Film „Kartoffelsalat – Nicht fragen!“ in den Kinos ohne Audiodeskription erschien, nahm sie Kontakt zu den Produzenten auf, damit zumindest die DVD-Version blindengerecht wird. „Die waren gleich Feuer und Flamme“, erinnert sich die Berlinerin. An der Organisation wollten sie sich zwar beteiligen, finanziell allerdings kaum. Doch auch davon ließ sich Fickert nicht abschrecken. Sie bezahlte das Ganze aus eigener Tasche. Natürlich war dies nur eine Ausnahme, allerdings verdeutlicht es das Problem der fehlenden Audiodeskriptionen: Solange es gerade für kleine Filmverleiher eine finanzielle Belastung ist, sind die meisten Blinden auf das Engagement von Menschen wie Barbara Fickert angewiesen.

Barbara Fickerts Blog: www.blindgaengerin.com. Alle Infos zur App „Greta“ www.gretaundstarks.de/greta


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?