blz_logo12,9

Aus Poelchau-Schule wird Sportschule im Olympiapark: Berliner Eliteschule legt Namen von NS-Widerständler ab

Die Schule zieht in den von Nationalsozialisten erbauten Olympiapark – und legt den Namen es NS-Widerstandskämpfers ab.

Die Schule zieht in den von Nationalsozialisten erbauten Olympiapark – und legt den Namen es NS-Widerstandskämpfers ab.

Foto:

imago stock&people

Trotz zahlreicher öffentlich vorgetragener Bedenken ändert die Poelchau-Schule ihren Namen und soll künftig Sportschule im Olympiapark heißen. Das hat die Schulkonferenz – bestehend aus Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern – mehrheitlich beschlossen. Die Poelchau-Schule ist eine von drei Eliteschulen des Sports in Berlin und soll im Sommer aus dem asbestbelasteten Schulbau in Charlottenburg-Nord in die sanierten Gebäude im Olympiapark umziehen.

Den Namen eines NS-Widerstandskämpfers einfach so abzulegen, hatten Kritiker als geschichtsvergessen bezeichnet. Seit 1973, als am Schulstandort in Charlottenburg-Nord eine Gesamtschule eingerichtet wurde, erinnert der Schulname an den NS-Widerstandskämpfer Harald Poelchau und seine ebenfalls im Widerstand agierende Frau Dorothee. Poelchau hatte als Gefängnispfarrer in Tegel und Plötzensee jüdische Familien vor der Deportation in die Vernichtungslager gerettet.

Noch kurz vor Weihnachten hatten die Abgeordneten Karlheinz Nolte (SPD), Monika Thamm (CDU) und Wolfgang Albers (Linke) der Schule einen Besuch abgestattet und das Lehrerkollegium gebeten, den Namen Poelchau auch künftig zu berücksichtigen, zum Beispiel als Poelchau-Schule im Olympiapark. „Wir wollten deutlich machen, dass eine Schule auch eine historische Verantwortung hat“, sagte Thamm.

Neuer Standort als Neuanfang

Schulleiter Matthias Rösner betonte, dass immerhin die repräsentative Eingangshalle des neuen Schulgebäudes nach dem Ehepaar Poelchau benannt werde. Man wolle sich noch intensiver mit dem NS-Widerstand beschäftigen. Er gab allerdings zu bedenken, dass die Schule 1973 als Gesamtschule in einem Stadtteil entstanden war, in dem nahezu alle Straßennamen nach NS-Widerstandskämpfern benannt worden waren. Längst sei man aber eine Eliteschule des Sports, bald an neuem Standort, da passe der Name Poelchau nicht recht zum Schulprofil.

Intern wird argumentiert, dass die Poelchau-Schule vor Jahren einen schlechten Ruf hatte, die Schüler von anderen Jugendlichen als „Poelchoten“ – in Anspielung auf Chaoten – bezeichnet worden waren. Mit dem Sportprofil habe sich die Schule dann positiv entwickelt. Die Schüler selbst hatten sich bei einer Abstimmung über den Schulnamen für den schwarzen Olympiateilnehmer von 1936, Jesse Owens, ausgesprochen.

Der Antrag auf Namensänderung ist nun an die Senatsschulverwaltung geschickt worden. Sie muss der Änderung zustimmen.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?