18.01.2012

Ausgehen in Berlin: Die Oranienburger lockt immer

Von Katja Hanke
Draußen gesessen werden kann in der  Oranienburger auch im Winter und spät in der Nacht. Die Straße ist  bei Touristen beliebt.
Draußen gesessen werden kann in der Oranienburger auch im Winter und spät in der Nacht. Die Straße ist bei Touristen beliebt.
Foto: Benjamin Pritzkuleit
Berlin –  

In den Bars in der Oranienburger Straße wird rund um die Uhr gefeiert. Der neue Central Club muss sich allerdings erst noch etablieren.

Die beiden indischen Restaurants am Anfang der Oranienburger Straße sind rot und blau erleuchtet. Junge Männer stehen davor, halten Vorbeilaufenden die Speisekarten hin und reden penetrant auf sie ein wie in Touristenorten am Mittelmeer. Dabei ist drinnen auch um 23 Uhr noch fast jeder Platz besetzt. Denn längst sind die meisten Restaurants auf der Oranienburger Straße auch Cocktailbars: Die Gäste bleiben nach dem Essen und gleiten mit der Happy Hour in die Nacht. Schon seit Jahren ist die Straße abends ein Highlight für Berlin-Touristen: In Gruppen drängeln sie sich auf den Gehwegen. Seit einiger Zeit gibt es dort auch die organisierten Sauftouren für junge Hostel-Touristen.

An diesem Freitagabend ist es erstaunlich ruhig. Vielleicht liegt es an der Kälte. Vor den Bars stehen einzelne Gruppen unter Heizpilzen, rauchen und stoßen mit bunten Getränken an. Vier solariumgebräunte Typen trinken ihr Bier im Gehen, einer torkelt hinterher und grölt: „Eh, wartet, ihr Ficker.“ Kleine Männergruppen haben sich um die Prostituierten in hohen weißen Stiefeln und knappen, weißen Felljäckchen geschart, die in gleichmäßigen Abständen von der Friedrichstraße bis zum Hackeschen Markt stehen. Sie scherzen und lachen. „Ach, das kannst du dir ja wohl leisten“, ruft eine einem Mann hinterher, der mit seinen Freunden in die Bellini-Lounge an der Ecke Auguststraße geht.

Elektronische Klänge und housige Musik

Die Bar ist ein Touristenmagnet und nicht zu übersehen: Grelles lila Licht fällt durch die großen Fenster auf die Straße. Gruppen von fünf bis zehn Personen sitzen auf niedrigen schwarzen Hockern vor einem Aquarium, das an die Zeit erinnert, als GMF-Macher Bob Young hier seine schicke 808-Bar betrieb. Elektronische Klänge hallen durch den Raum – aufgelegt von einem DJ, der vor dem großen Fenster steht. Zwei Mädchen reden mit ihm und kichern. Wenig später wird die Musik housig. Eines der Mädchen steht auf, streckt einen Arm in die Luft und dreht sich um sich selbst. Ihre Freunde wollen aber nicht tanzen.

Ausgehtipps und Termine
Im Klub Brunnen 70 kann sich jeder nach seinem Geschmack vergnügen. Am Freitag wird dort zum Festival Royal Wedding eingeladen.
Foto: Benjamin Pritzkuleit
Donnerstag

Klub der Republik: Wie wir vergangene Woche berichtet haben, schließt der Klub der Republik und somit der letzte ernstzunehmende Ort für elektronische Musik und hedonistische Jugendkultur für Menschen im Alter von 20 bis 60 Jahren. Heute beginnt die letzte Phase des Klubs, nämlich „100 DJs in zehn Tagen“, und mit dabei sind unter anderen Pepe Terrabeats, Anthony Burke, Juli Holz und The Great White Shark. Genießen Sie die letzten Abende im Klub der Republik, bevor in Prenzlauer Berg demnächst wirklich um 20 Uhr die Lichter ausgehen. Bevor das Austrinken der Bestände und der letzte Tanz beginnt, beginnt um 19 Uhr eine Performance. Unter dem durchaus programmatisch zu verstehenden Motto „Die Klubs werden ans Kreuz geschlagen“ protestieren die Macher des KdR gemeinsam mit den ebenfalls durch Immobilieninvestoren aus dem Bezirk gedrängten Betreibern des Icon gegen diese Entwicklung. Unterstützt wird der Auftrieb, der als „Erinnerung an das, was uns in Prenzlauer Berg verloren gegangen ist“ gedacht ist, von der Club Commission, dem Interessenverband der Branche.

Ab 16 Uhr, Pappelallee 81, Prenzlauer Berg

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