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Ausschreibung: Chinesen greifen nach Berliner S-Bahn

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Bald unter neuer Leitung?
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Foto: dapd

Die erste Phase des Wettbewerbs um die Berliner S-Bahn ist beendet: Ausländische Unternehmen glauben, dass sie besser als die DB sind. Sie haben ihre Bewerbungen eingereicht.

Die geplagten Fahrgäste der Berliner S-Bahn können gespannt sein. Denn aus dem Ausland hat sich Hilfe angekündigt, um die Reisenden von Kurzzügen, Verspätungen, Zugausfällen und anderem Ärger zu erlösen. Große Verkehrsunternehmen aus China, Frankreich und Großbritannien wollen einen besseren Service bieten als die Deutsche Bahn (DB), die derzeit noch alle S-Bahnen in Berlin und Brandenburg betreibt. Das haben sie jedenfalls versprochen. MTR aus Hongkong, RATP aus Paris und National Express aus London haben ihr Interesse bekundet, ein Drittel des S-Bahn-Verkehrs zu übernehmen. Das hat die Berliner Zeitung aus gut informierten Kreisen erfahren.

Dass die Chinesen ganz gut Spielzeug, Smartphones und Solaranlagen produzieren können, haben sie inzwischen bewiesen. Ob sie möglicherweise auch einen ordentlichen S-Bahn-Verkehr hinkriegen würden, wird nun vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg geprüft. Offiziell gelangt nichts nach draußen.

Denn hier handelt es sich um ein nichtöffentliches, streng geregeltes Ausschreibungsverfahren, das die beiden Bundesländer in die Wege geleitet haben. Es geht um die Frage: Wer betreibt von Dezember 2017 an für 15 Jahre die beiden Ringlinien sowie die Strecken nach Königs Wusterhausen, Spindlersfeld und Hohen Neuendorf? In der jetzt abgeschlossenen ersten Phase dieses Wettbewerbs sollten interessierte Unternehmen nachweisen, dass sie ausreichend leistungsfähig und erfahren sind.

MTR? Nie gehört!

Noch kennt in Deutschland kaum jemand die MTR Corporation aus der chinesischen Sonderverwaltungszone. Doch anderswo in Europa hat sich die Mass Transit Railway etabliert. Das Privatunternehmen aus Fernost hat die Stockholmer U-Bahn und, übrigens gemeinsam mit der DB, die Overground-Bahn in London übernommen (jeweils mit einheimischem Personal).

In England hat ein anderes großes Unternehmen, das in Berlin S-Bahnen betreiben will, seinen Sitz – National Express. Der börsennotierte Konzern, weltweit einer der großen seiner Art, hat einen Ableger in Düsseldorf gegründet, der sich um das Hauptstadt-Engagement kümmert. Und dann sind da noch die Franzosen. Längst ist das Staatsunternehmen RATP nicht mehr nur für die Métro und die Busse in Paris verantwortlich. Nach Städten in England, Australien, Portugal und Italien nimmt es nun Berlin ins Visier.

So viel steht fest: Die DB muss sich in Berlin auf eine starke internationale Konkurrenz einstellen. „Das Interesse an der S-Bahn ist groß“, sagt Engelbert Recker vom Verband Mofair, der DB-Konkurrenten vertritt. Er findet das erfreulich: „Die Bewerber werden zeigen, dass sie es besser können.“ Mal sehen.

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