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Ausschreibung für Chefplaner erfolglos: Der BER ist ein Job für Masochisten

„Folge mir“, steht auf dem Auto, das Flugzeuge lotst. Doch der BER-Kurs ist weiter ungewiss. Es gibt noch nicht einmal einen Chefplaner, der die Richtung vorgeben könnte.

„Folge mir“, steht auf dem Auto, das Flugzeuge lotst. Doch der BER-Kurs ist weiter ungewiss. Es gibt noch nicht einmal einen Chefplaner, der die Richtung vorgeben könnte.

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Der neue Schönefelder Flughafen BER ist noch lange nicht fertig. Denn die Liste der Arbeiten, die dort noch zu leisten sind, ist viel umfangreicher als bisher mitgeteilt. Im Fluggastterminal ist eine „Anpassung mit Teilumbau der technischen Anlagen“ erforderlich – das geht aus der Ausschreibung hervor, mit der die Flughafengesellschaft FBB einen Generalplaner gesucht hat.

Doch nun hat das Unternehmen diese Suche für gescheitert erklärt. Beobachter befürchten, dass sich die Fertigstellung des BER jetzt noch länger hinzieht. „Eine Verzögerung wird es in jedem Fall geben“, sagt Jürgen Marschner, Geschäftsführer der GSE Ingenieur-Gesellschaft und in der Baukammer aktiv.

Eigentlich ist das Fluggastterminal bis auf die Brandschutzanlage fertig, teilen die BER-Planer gern bei jeder Gelegenheit mit. Da verwundert es schon, wie lang die Liste der Planungs- und Ingenieursleistungen ist, für die das Staatsunternehmen FBB mit seiner Ausschreibung vom 15. April einen Generalplaner gesucht hatte.

Die Rede ist von Abwasser-, Wasser- und Gasanlagen, der Gebäudeautomation, lufttechnischen Anlagen, Starkstrom-, Fernmelde- und informationstechnische Anlagen – um nur einige Beispiele zu nennen. Als Optionen sind weitere Bereiche aufgelistet: Verkehrsanlagen, Ingenieurbauwerke, selbst die Küchentechnik. Es geht um Honorare von insgesamt 32,6 Millionen Euro. Der Wert der Bauleistungen, die am BER fällig sind, dürfte viel größer sein.

Das Fluggastterminal sei „in Teilen nicht genehmigungs- beziehungsweise abnahmefähig“, heißt es in der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt weiter. Auch die Funktionsfähigkeit sowie sicherheitsrelevante Bedingungen wären „nicht vollumfänglich gesichert“. Ein Teilumbau sei nötig.

Ein Job für Masochisten

Teilumbau! „Die Situation ist weiterhin so, dass nur noch versierte Fachleute helfen können“, sagt Jürgen Marschner. Doch die Ausschreibung habe dem nicht Rechnung getragen, wie die angekündigten Zuschlagskriterien zeigten. Danach sollte der Preis mit 70 Prozent der wichtigste Faktor bei der Auswahl sein.

Das Konzept der Leistungserbringung inklusive Qualitätsmaßnahmen war mit 30 Prozent nachrangig – bei anderen Ausschreibungen bestimmt es die Auswahl zu 50 Prozent. „Der Flughafen suchte nicht den besten, sondern den billigsten Anbieter“, folgert der Ingenieur.

Der zu erwartende Preisdruck könnte dazu beigetragen haben, dass dem Vernehmen nach keine brauchbaren Angebote eingegangen sind – weshalb die Flughafengesellschaft am Donnerstag bekanntgab, dass das Vergabeverfahren eingestellt wurde.

Der Anreiz, sich mit dem geforderten Aufwand zu bewerben, war nicht groß, so Marschner. Und überhaupt: „Man muss schon Masochist sein, um sich für den BER zu bewerben.“ findet es nicht erstaunlich, dass die Flughafengesellschaft trotz europaweiter Ausschreibung keinen Generalplaner für die weiteren Arbeiten im Terminal gefunden hat.

Der neue Schönefelder Flughafen gilt in der Branche als schwieriges Betätigungsfeld, sagte auch der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. „Wer begibt sich dort in die Verantwortung? Wer bindet sich so ein Projekt ans Bein? Da gibt es nicht mehr viele Unternehmen.“

Auch Ramona Pop, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, erwartet weitere Verzögerungen. „Ohne einen Generalplaner, der die Fäden in die Hand nimmt, wird sich das Chaos auf der Baustelle nicht lichten lassen. Die Fertigstellung wird weiter vor sich hin dümpeln“, sagt Pop. „Damit rückt ein Eröffnungstermin in immer weitere Ferne und die nächsten Kostensteigerungen sind programmiert.“

Die Grünen sehen das Hauptproblem darin, dass die bisherigen Generalplaner gmp und JSK 2012 gekündigt wurden. Einer der Gekündigten, Architekt Meinhard von Gerkan, soll sich am 12. September den Fragen des Untersuchungsausschusses BER im Abgeordnetenhaus stellen. Otto vermisst einen Zeit- und Kostenplan. Anfangs sollte der BER 2012 fertig werden, nun wird es wohl vor 2016 nichts mehr werden.

Marschner stimmt den Grünen zu: „Man die Generalplaner-Stelle gleich wieder ausschreiben müssen.“ Stattdessen sei das Projekt planlos fortgeführt worden.

Flughafensprecher Ralf Kunkel erwartet dagegen keine Verzögerungen. „Die FBB hat alle aktuell notwendigen Planungsleistungen für den BER vergeben“, sagte er. Das Verfahren für die Restarbeiten im Terminal werde nun als Verhandlungsverfahren fortgeführt, aufgeteilt in kleinere Aufträge.

Bei der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden gab es einen ähnlichen Fall, sagt Marschner. Dort hatte sich zwar ein Generalplaner gefunden, doch das Verfahren wurde aufgehoben und ebenfalls in kleine Auftragspakete geteilt – das dauerte. Folge: eine Verzögerung von fast einem Jahr.