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Ausschreibung: Investoren für Behala-Grundstück in Kreuzberg gesucht

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Blick von der Schillingbrücke auf das Behala-Gelände. Im Hintergrund zu sehen: der denkmalgeschützte Viktoriaspeicher.

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 imago/PEMAX

Es ist ein Filetgrundstück in schönster Wasserlage mitten in der Stadt: das Areal der landeseigenen Berliner Hafen- und Lagerhausbetriebe (Behala) an der Köpenicker Straße in Kreuzberg. Das gut vier Hektar große Areal soll seit Jahren  verkauft werden, weil die Behala es nicht mehr benötigt. Doch bislang ist ein Verkauf nicht geglückt.  Interessenten kamen und gingen wieder. Alle wollten   Wohnungen bauen, vor allem teure.

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Zuletzt versuchte sich ein Immobilienunternehmer aus Stuttgart dort. Er plante fast 600 Wohnungen, die weitgehend abgeschottet vom übrigen Kiez gebaut werden sollten. Weil das aber weder dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg noch dem Senat gefiel, verzichtete er schließlich. 

Jetzt wird  in der Stadtentwicklungsverwaltung ein neuer Versuch zur Entwicklung des Areals unternommen.  Mit einem sogenannten Konzeptverfahren soll potenziellen Investoren von vornherein klargemacht werden, was auf dem Gelände gewünscht ist.

Vorgeschriebene Nutzung

„Wir bereiten derzeit ein solches Verfahren vor, was nichts anderes ist als eine Art Spezial-Ausschreibung“, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung Petra Rohland. In dieser Ausschreibung  spielt aber nicht der Kaufpreis die entscheidende Rolle, sondern das Konzept des Investors für das Areal. Gewünscht wird dort eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe, dazu ein öffentlich zugängliches Ufer, das auch noch eine hohe Aufenthaltsqualität bieten soll. Gesucht wird  also jemand, der die Wünsche der Stadt vor seinen Profit stellt. Und dafür einen Preisnachlass für den Grundstückskauf erhält.

Ein Konzeptverfahren wird immer dann erstellt, wenn ein Gelände wichtig genug ist für die allgemeine Stadtentwicklung. So wurden zum Beispiel an der südlichen Friedrichstraße mehrere Grundstücke nicht an Investoren mit den dicksten  Geldbeuteln vergeben, sondern an solche mit den besten Konzepten für das dort gewünschte Kunst- und Kreativquartier. Seit 2012 entstehen dort Neubauten, in denen Wohnungen, Ateliers und Bildung für die Nachbarschaft angeboten werden.

Ähnlich soll es auf dem Behala-Gelände laufen. Möglichst viele preiswerte Mietwohnungen sollen dort entstehen, dazu Gewerbe, das nicht stört. „Angesichts der Größe des Areals können dort sowohl private Investoren als auch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften zum Zuge kommen“, sagt Petra Rohland.  Die landeseigenen Gesellschaften sollen dabei für die sozialverträglichen Mietpreise sorgen.

Ein Interessent für das Gelände hat sich schon aus der Deckung gewagt, obwohl die offizielle Ausschreibung noch gar nicht existiert: Die Betreiber der Markthalle Neun, die etwa 500 Meter vom Behala-Areal entfernt an der Eisenbahnstraße steht, haben Interesse am  Viktoriaspeicher angemeldet, für das denkmalgeschützte Kernstück auf dem Gelände.

„Störfallbetrieb“ als Hindernis

Seit Langem seien sie mit dem Bezirksamt und der Wirtschaftsverwaltung  im Gespräch, sagt Nikolaus Driessen. Der heute 38-Jährige hatte die Markthalle gemeinsam mit zwei Freunden vor fünf Jahren übernommen und sie zu einem Ort für regionale Lebensmittel entwickelt.

Viele Produkte  werden dort auch produziert. Es gibt einen Bierbrauer, einen Bäcker, eine Metzgerei, je eine  Fleisch- und Fischräucherei und die Tofu-Tussis, wie sie sich selbst nennen. Der Platz in der Halle wird knapp, die Liste der Interessenten immer länger, sagt Driessen:  „Etliche Handwerksbetriebe wollen bei uns arbeiten, zum Beispiel ein Schnapsbrenner, eine Soßenmanufaktur, ein Konditor, ein Eis- und ein Schokoladenhersteller  und ein Kaffeeröster.“ Deshalb würde man den Viktoriaspeicher als Produktionsstätte gern kaufen.

Ob die Markthallen-Betreiber erfolgreich sind,  wird sich zeigen. Ebenso, ob die gewünschte Entwicklung überhaupt möglich ist. Ein Hindernis nämlich wird bislang  ausgespart: Der Chemiebetrieb Otek gegenüber dem Behala-Areal, der laut EU-Richtlinie  als „Störfallbetrieb“ eingestuft ist. Erst wenn das Unternehmen weg ist,  darf gebaut werden. Ein Umzug an den Stadtrand würde Millionen kosten. Wer die bezahlt, ist unklar.