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Berliner Zeitung | Ausstellung Pandabären in Berlin: Ein Panda fast wie echt
12. January 2015
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Ausstellung Pandabären in Berlin: Ein Panda fast wie echt

Wieder da: Yan Yan starb 2007 an einer Krankheit im Zoo. Als lebensecht wirkendes Präparat ist sie jetzt zu sehen.

Wieder da: Yan Yan starb 2007 an einer Krankheit im Zoo. Als lebensecht wirkendes Präparat ist sie jetzt zu sehen.

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dpa/lukas schulze

Als zwei Museumsmitarbeiter am Montagmittag im Pandakostüm die präparierte Pandabärin Yan Yan in den Ausstellungssaal vom Naturkundemuseum schieben, denkt man gleich an eine dieser kitschigen Kindershows mit Menschen in Tierkostümen, Tabaluga oder so. Doch beim Rundgang durch die Sonderausstellung wird schnell klar: Das ist kein Kitsch, das ist Wissenschaft. In chinesischen Zuchtstationen tragen die Mitarbeiter Pandakostüme. Schließlich sollen sich die vom Aussterben bedrohten Tiere gar nicht erst an Menschen gewöhnen und nach der Gefangenschaft lebensfähig in der Wildnis sein.

Die Stars der Panda-Schau, die ab dem heutigen Dienstag im Museum zu besichtigen ist, sind Bao Bao und Yan Yan, die beiden Bären aus dem Zoo. Bao Bao kam 1980 als Geschenk der Chinesen an Bundeskanzler Helmut Kohl nach Berlin. Er starb 2012 mit 34 Jahren. Yan Yan lebte seit 1995 im Zoo bei ihm und starb 2007. Nachwuchs brachten die beiden Tiere nicht zustande, obwohl Yan Yan einmal schwanger wurde, wie Frank Göritz, Leitender Tierarzt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, am Montag erzählte. Jahrelang lagerten die Kadaver der verstorbenen Pandas in Berliner Tiefkühltruhen, erst im vergangenen Jahr entschied die chinesische Regierung, dass Yan Yan als präpariertes Exemplar im Sommer 2015 in ihr Heimatland überführt werden solle. Vorher, so die Idee, könnte man sie in Berlin ausstellen. Bao Baos sterbliche Überreste dürfen ohnehin in Berlin bleiben, er war ein Geschenk, keine Leihgabe für Zuchtversuche.

Jeweils sechs Wochen hat Detlev Matzke, Präparator im Naturkundemuseum, an den Panda-Präparaten gearbeitet. „Solche Tiere bekommt man nicht jeden Tag auf den Tisch“, sagt der 62-Jährige, dienstältester Präparator im Museum. Weil Bao Bao bei seinem Tod mit 34 Jahren schon ein ungewöhnlich altes Tier mit Haarausfall und Altersflecken war, hat ihn Matzke so auf einen Baum drapiert, dass man diese Stellen nicht mehr sehen kann. Anhand von Fotos und Filmen zu Lebzeiten, entschied sich Matzke für eine sitzende Yan Yan. So ist sie nun in der Glasvitrine zu sehen.

Vier Berliner Einrichtungen haben bei der Sonderausstellung zusammengearbeitet und wollen diese Arbeit als Kooperationspartner auch fortsetzen: das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), das Museum für Naturkunde, der Berliner Zoo und die Stiftung World Wildlife Fund (WWF). Deren Leiter für Artenschutz, Volker Homes, sagte: „Der Panda ist weit mehr als eine bedrohte Art, er ist ein Symbol, wie wir Menschen mit der Natur auf unserem Planeten umgehen.“ Der WWF habe den Bambusfresser nicht ohne Grund zu seinem Markenzeichen erkoren.

Johannes Vogel, Generaldirektor des Naturkundemuseums, verweist auf die 170-jährige Zusammenarbeit seines Museums mit dem Zoo. Und der Direktor von Zoo und Tierpark, Andreas Knieriem, sagte am Montag angesichts der präparierten Tiere: „Pandas gehören nach Berlin, auch lebendige.“

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung wiederum beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der Fortpflanzung von Pandas und unterstützt internationale Zuchtprogramme. Beim IZW lagert auch gefrorenes Sperma von Bao Bao.